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USA:Sammelklage gegen Amazon: Schwangere Beschäftigte sollen wegen notwendiger Pausen bestraft worden sein

geralt (CC0), Pixabay
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Amazon sieht sich in den USA mit einer landesweiten Sammelklage konfrontiert. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, schwangeren Mitarbeiterinnen notwendige Anpassungen am Arbeitsplatz verweigert oder diese nur verspätet gewährt zu haben. Beschäftigte seien zudem wegen schwangerschaftsbedingter Pausen und Fehlzeiten verwarnt, mit Kündigung bedroht oder entlassen worden. Amazon hatte sich zum Zeitpunkt des Berichts noch nicht zu den Anschuldigungen geäußert.

Die am 8. September eingereichte Klage nennt vier Frauen als Klägerinnen und könnte nach Darstellung der beteiligten Arbeitnehmerrechtsorganisation A Better Balance Tausende aktuelle und ehemalige Amazon-Beschäftigte betreffen. Gefordert werden Änderungen der Unternehmensrichtlinien sowie Entschädigungen für mutmaßliche frühere und fortdauernde Verstöße.

Eine der Klägerinnen ist die 38-jährige Willamina Barclay. Sie arbeitete in einem Amazon-Lager in Rochester im Bundesstaat New York und hatte nach eigenen Angaben eine Risikoschwangerschaft. Ihr Arzt habe empfohlen, dass sie bei der Arbeit sitzen könne, zusätzliche Pausen bekomme, Leitern und wiederholtes Hocken vermeide und nicht mehr als rund sieben Kilogramm hebe.

Laut Klageschrift genehmigte Amazon nur einen Teil dieser Anpassungen und reagierte nicht rechtzeitig auf ihre Anträge. Im Juni 2025 habe Barclay beim Heben schwerer Gegenstände starke Bauchschmerzen bekommen und sei im Rollstuhl aus dem Lager gebracht worden. Ihre Schwester habe sie wegen eines schwangerschaftsbedingten Notfalls ins Krankenhaus gefahren. Einen Tag später soll Amazon ihr eine Kündigungswarnung geschickt haben, weil sie ihr Kontingent unbezahlter Fehlzeiten überschritten habe. Obwohl sie anschließend ein ärztliches Attest vorgelegt habe, sei sie vier Tage später entlassen worden.

Auch Jennifer Hatch erhebt Vorwürfe gegen Amazon. Die damals schwangere Mitarbeiterin hatte im September 2024 in einem Lager in Lancaster begonnen. Als sie Anfang 2025 um regelmäßige Sitzmöglichkeiten bat, soll das Unternehmen zusätzliche Nachweise über ihre Schwangerschaft verlangt und ihre Anträge wiederholt abgelehnt haben.

Nach Angaben in der Klage setzte sich Hatch während einer Schicht auf einen verfügbaren Stuhl. Ein Vorgesetzter habe sie daraufhin angewiesen, im Stehen weiterzuarbeiten. Dabei seien Schwindel und starke Bauchschmerzen aufgetreten. Wenige Wochen später habe ihre Zugangskarte nicht mehr funktioniert. Erst durch den Sicherheitsdienst habe sie erfahren, dass sie nicht länger beschäftigt sei. Laut ihrer Darstellung waren die notwendigen Pausen von ihrem Konto für unbezahlte Fehlzeiten abgezogen worden und hatten schließlich die Kündigung ausgelöst.

Hatch verglich das Vorgehen mit ihrem damaligen Nebenjob an einer Tankstelle. Dort habe die Geschäftsleitung ihr innerhalb weniger Tage einen Stuhl hinter der Kasse bereitgestellt. Trotz ihrer Erfahrungen erklärte sie, grundsätzlich gern bei Amazon gearbeitet zu haben.

Die 31-jährige Kristina Green schildert ein ähnliches Verfahren. Als sie im September 2025 ihre Stelle in Rochester antrat, war sie im sechsten Monat schwanger. Sie beantragte eine Tätigkeit ohne Leitern und schweres Heben sowie zusätzliche Essens-, Toiletten- und Ruhepausen. Während der Bearbeitung ihrer Anträge seien die genommenen Pausen jedoch weiterhin von ihrem Zeitkonto abgezogen worden.

Nach der Geburt kehrte Green Ende Januar 2026 an ihren Arbeitsplatz zurück. Dort habe sie erneut Schwierigkeiten bekommen, weil sie Pausen zum Abpumpen von Muttermilch benötigte. Der Weg zum Stillraum habe fast zehn Minuten gedauert. Green erklärte, sie sei mehrfach wegen angeblich zu langer Unterbrechungen verwarnt und im Mai schließlich entlassen worden.

A Better Balance zufolge meldeten sich 2026 bereits fast 200 Amazon-Beschäftigte bei der kostenlosen Rechtsberatung der Organisation. Viele hätten von ähnlichen Problemen berichtet. In der Klage wird Amazon vorgeworfen, selbst für einfache Anpassungen stets medizinische Unterlagen zu verlangen und Beschäftigte bis zur Entscheidung ohne ausreichenden Schutz weiterarbeiten zu lassen.

Das US-Bundesgesetz „Pregnant Workers Fairness Act“ verpflichtet Arbeitgeber grundsätzlich dazu, angemessene Anpassungen für bekannte Einschränkungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt und damit verbundenen gesundheitlichen Beschwerden zu ermöglichen. Welche Anpassungen erforderlich und zumutbar sind, hängt jedoch vom jeweiligen Einzelfall ab.

Eine Befragung von fast 4.000 Müttern ergab, dass nahezu die Hälfte der während der Schwangerschaft beschäftigten Frauen vorübergehende Veränderungen am Arbeitsplatz benötigte. Dazu gehörten zusätzliche Toilettenpausen, Sitzmöglichkeiten, das Mitführen von Wasser oder eine Befreiung vom Heben schwerer Gegenstände. Von diesen Frauen berichteten 35 Prozent, ihr Arbeitgeber habe die Bedingungen nur teilweise angepasst. Neun Prozent hätten überhaupt keine Unterstützung erhalten.

Ärztinnen weisen darauf hin, dass körperlich belastende Tätigkeiten während einer Schwangerschaft gesundheitliche Risiken verstärken können. Langes Stehen, schweres Heben, Hitze und fehlende Möglichkeiten zur Flüssigkeitsaufnahme könnten unter anderem Beschwerden im Rücken und Beckenbereich sowie geschwollene Beine verschlimmern. Untersuchungen hätten außerdem Zusammenhänge zwischen körperlich belastender Arbeit und einem erhöhten Risiko für Präeklampsie oder Frühgeburten festgestellt.

Fachleute raten schwangeren Beschäftigten, ärztliche Empfehlungen und sämtliche Kommunikation mit dem Arbeitgeber schriftlich aufzubewahren. Auch Leistungsbeurteilungen, Arbeitszeiten und Antworten auf Anträge sollten dokumentiert werden, falls später Streit über Benachteiligung oder Kündigung entsteht.

Barclay war nach ihrer Entlassung mehrere Monate arbeitslos und brachte im November 2025 ihr Kind zur Welt. Obwohl sie ihre Behandlung bei Amazon als verletzend empfand, würde sie nach eigenen Angaben dennoch zurückkehren. Die Arbeit sei gut bezahlt gewesen und habe ihr grundsätzlich gefallen. Mit der Klage wolle sie erreichen, dass andere schwangere Frauen nicht das Gefühl bekommen, am Arbeitsplatz austauschbar zu sein.

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