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Kanada antwortet auf US-Zölle: Carney warnt vor wirtschaftlichen Kosten

kalhh (CC0), Pixabay
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Kanada verschärft seinen Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten und führt neue Gegenzölle auf amerikanische Waren ein. Premierminister Mark Carney räumte ein, dass die wirtschaftliche Abkehr vom wichtigsten Handelspartner des Landes Belastungen mit sich bringen werde. Die Maßnahmen seien jedoch notwendig, um kanadische Arbeitsplätze zu schützen.

Die neuen Abgaben betreffen US-Produkte im Wert von knapp 28 Milliarden kanadischen Dollar, umgerechnet rund 20 Milliarden US-Dollar. Je nach Warengruppe liegen die Zollsätze zwischen 15 und 50 Prozent. Betroffen sind unter anderem Stahl, Aluminium, Milchprodukte, Kleidung, Möbel, Haushaltsgeräte und Industrieausrüstung.

Für amerikanische Milch, Golfschläger, Stahl, Aluminium, Jacken und T-Shirts werden Zölle von 50 Prozent erhoben. Käse, Toilettenpapier und bestimmte Haushaltsgeräte wie Klimaanlagen werden mit 25 Prozent belastet. Auf Gabelstapler und industrielle Gussformen entfallen 15 Prozent.

Die Maßnahmen ergänzen bereits bestehende kanadische Gegenzölle auf fertig produzierte Autos und Lastwagen aus den USA, sofern diese nicht unter das nordamerikanische Freihandelsabkommen CUSMA beziehungsweise USMCA fallen.

Carney erklärte in einer rund 15-minütigen Videoansprache, Kanada müsse seine Handelsbeziehungen stärker diversifizieren und die eigene Wirtschaft ausbauen. Seine Regierung werde Beschäftigte, die unter dem Handelsstreit leiden, so lange wie erforderlich unterstützen.

Das Land verfüge über alle Voraussetzungen, um sich neu zu orientieren und wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, sagte der Premierminister. Dieser Kurs werde zwar Geld kosten, doch die Folgen des Nichtstuns wären aus seiner Sicht deutlich schwerwiegender.

Die Regierung in Washington erwägt bereits weitere Gegenmaßnahmen. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer erklärte, die Vereinigten Staaten könnten kurzfristig mit zusätzlichen Zöllen auf Kanada reagieren.

Präsident Donald Trump drohte außerdem damit, Geschäfte mit dem kanadischen Flugzeughersteller Bombardier in den USA zu stoppen, falls das Unternehmen seine Produktion nicht nach Süden verlagere. Bombardier gehört zu den größten Industriekonzernen Kanadas und trug laut einer im Auftrag des Unternehmens erstellten Analyse 2024 mehr als sieben Milliarden kanadische Dollar zur Wirtschaftsleistung des Landes bei.

Trump vertritt die Ansicht, Einfuhrzölle würden den Kauf amerikanischer Produkte fördern und ausländische Unternehmen zu Investitionen in den Vereinigten Staaten bewegen. Ökonomen warnen dagegen, dass solche Abgaben häufig zu höheren Preisen für Verbraucher führen.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind außerordentlich eng. Der bilaterale Handel hatte im vergangenen Jahr einen Wert von fast 900 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig ist die US-Wirtschaft etwa 13-mal größer als die kanadische, und der Großteil der kanadischen Exporte ging bislang in die Vereinigten Staaten.

Washington erhebt bereits Zölle von 25 Prozent auf kanadische Autos und Lastwagen sowie weitere Abgaben auf Stahl, Aluminium und Holz. Ende August kamen Zölle von 50 Prozent auf Produkte wie Milchprodukte, Alkohol, Eishockeyschläger und Parfüm hinzu.

Beide Regierungen erklären weiterhin, eine Einigung anzustreben. Seit dem Scheitern der Verhandlungen Ende August wurden jedoch keine neuen Gespräche angesetzt. Die gegenseitigen Maßnahmen erhöhen deshalb den Druck auf Unternehmen beiderseits der Grenze.

Die kanadische Handelskammer forderte die Regierung auf, gezielt und mit Augenmaß vorzugehen. Unternehmen könnten Gegenmaßnahmen nachvollziehen, wollten aber keine endlose Eskalation. Nach Protesten aus der Fischerei nahm Kanada bereits mehrere Meeresfrüchte von seiner Sanktionsliste. Besonders die Hummerindustrie ist eng verflochten: In den USA gefangene Tiere werden häufig in Kanada verarbeitet und anschließend zurück in die Vereinigten Staaten geliefert.

In Kanada findet der härtere Kurs laut Umfragen dennoch mehrheitlich Unterstützung. Gleichzeitig zeigen sich erste wirtschaftliche Belastungen. Die kanadische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 3,3 Prozent und schuf zwischen April und Juli rund 181.000 Arbeitsplätze. Im August gingen jedoch etwa 41.000 Stellen verloren. Dieser Zeitraum fiel mit den neuen amerikanischen Zöllen und dem Abbruch der Handelsgespräche zusammen.

Einen leichten Zuwachs verzeichnete dagegen die kanadische Industrie. Die Regierung führt dies darauf zurück, dass Verbraucher und Unternehmen häufiger im eigenen Land hergestellte Produkte kaufen.

Zudem gibt es Anzeichen für eine breitere Ausrichtung des Außenhandels. Der Anteil der kanadischen Exporte in die USA sank im Juli auf 66 Prozent. Vor Beginn des Handelskonflikts hatte er durchschnittlich bei etwa 75 Prozent gelegen.

Kanadas Regierung setzt damit auf einen schwierigen Balanceakt: Sie will entschlossen auf die amerikanischen Zölle reagieren, zugleich aber verhindern, dass die Gegenmaßnahmen der eigenen Wirtschaft mehr schaden als dem Nachbarland.

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