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DAX stabilisiert sich zum Wochenschluss – doch die Nervosität bleibt

sergeitokmakov (CC0), Pixabay
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Zum Ende einer schwachen Börsenwoche versucht der deutsche Aktienmarkt am Freitag eine vorsichtige Erholung. Der DAX liegt am Nachmittag rund 0,5 Prozent im Plus und bewegt sich im Bereich von 25.500 Punkten. Damit holt der Leitindex zwar einen Teil seiner jüngsten Verluste auf, auf Wochensicht zeichnet sich dennoch ein deutliches Minus ab.

Die Belastungsfaktoren bleiben dieselben: hohe Ölpreise, steigende Anleiherenditen und die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen. Europaweit konnte sich der Aktienmarkt am Freitag zwar etwas erholen, der STOXX 600 steuert dennoch auf den stärksten Wochenverlust seit rund zwei Monaten zu.

Im DAX gehören Siemens Energy, Airbus und Hannover Rück zu den stärkeren Werten. Sie profitieren von einer selektiven Rückkehr der Käufer, während andere Schwergewichte weiterhin unter Druck stehen.

Besonders auffällig bleibt SAP. Die Aktie verliert erneut und belastet den DAX wegen ihres hohen Indexgewichts überproportional. Auch einzelne Automobilwerte können sich der Erholung nicht vollständig anschließen.

Das zeigt: Von einer breiten Rally kann keine Rede sein. Anleger greifen gezielt zu, meiden aber weiterhin besonders zinssensitive oder zuletzt schwache Titel.

Die größte Einzelaktiengeschichte spielt sich jedoch im MDAX ab.

flatexDEGIRO verliert rund fünf Prozent, nachdem Aufsichtsratschef Hans-Hermann Lotter überraschend mit sofortiger Wirkung zurückgetreten ist. Das Unternehmen begründete den Schritt mit unterschiedlichen Auffassungen über wesentliche Fragen der zukünftigen strategischen Ausrichtung.

Solche Führungswechsel kommen an der Börse selten gut an. Anleger mögen Berechenbarkeit, und wenn gleichzeitig strategische Differenzen genannt werden, wächst die Unsicherheit zusätzlich. Reuters meldete am Freitag zeitweise ein Minus von knapp fünf Prozent für die Aktie.

Der MDAX zeigt sich insgesamt vergleichsweise ruhig. Auch der SDAX kann sich bislang nur begrenzt von den Verlusten der vergangenen Tage erholen.

Auffällig ist die relative Stärke einiger Industrie-, Energie- und Luftfahrtwerte, während Technologietitel und Teile des Automobilsektors zurückbleiben.

Über allem steht jedoch weiterhin der Ölpreis.

Brent-Rohöl fällt am Freitag zwar zeitweise um mehr als drei Prozent, bleibt aber deutlich über 100 Dollar je Barrel. Auf Wochensicht liegt der Preis weiterhin mehr als acht Prozent höher. Grund für den jüngsten Rückgang sind Berichte über mögliche Gespräche zur Sicherung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus.

Die Lage bleibt dennoch angespannt. Angriffe auf Energie- und Schifffahrtsinfrastruktur im Nahen Osten haben die Sorge vor länger anhaltenden Lieferproblemen verstärkt. Brent und WTI hatten zwischenzeitlich die höchsten Stände seit Mitte Mai erreicht.

Für die Börse ist ein dauerhaft hoher Ölpreis problematisch, weil er die Inflation wieder antreiben kann.

Genau deshalb rückt die Geldpolitik erneut stärker in den Mittelpunkt.

Die Europäische Zentralbank hat ihren Einlagensatz am Donnerstag auf 2,50 Prozent angehoben. Mehrere EZB-Vertreter schließen weitere Zinserhöhungen ausdrücklich nicht aus, sollte der Druck von den Energiepreisen anhalten. An den Geldmärkten werden inzwischen weitere Straffungen eingepreist.

Das setzt auch den Anleihemarkt unter Spannung. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt nahe dem höchsten Stand seit 2011. Hohe Renditen verteuern die Finanzierung für Unternehmen und machen Anleihen im Vergleich zu Aktien attraktiver.

Genau diese Kombination aus teurer Energie und hohen Finanzierungskosten erklärt, warum die Erholung des DAX bislang so vorsichtig ausfällt.

Positiv ist immerhin, dass der Markt nicht weiter abrutscht. Käufer sind vorhanden, und einzelne Aktien zeigen deutliche Stärke.

Von Entwarnung kann aber keine Rede sein.

Zum Wochenschluss bestimmen weiterhin drei Themen das Geschehen: Ölpreis, Zinsen und Geopolitik.

Der DAX gewinnt am Freitag etwas Boden zurück, bleibt aber klar unter der Marke von 26.000 Punkten. flatexDEGIRO sorgt mit dem überraschenden Führungswechsel für Schlagzeilen, während Siemens Energy und andere ausgewählte Industrie- und Energiewerte besser abschneiden.

Die kommenden Tage dürften deshalb weiterhin volatil bleiben.

Solange Öl über 100 Dollar notiert und die Notenbanken weitere Zinserhöhungen nicht ausschließen, wird jede Erholung an der Frankfurter Börse auf Bewährung stehen.

Der Freitag bringt damit zwar etwas Ruhe zurück – doch aus Ruhe ist noch lange keine Entspannung geworden.

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