Auf der Jahrestagung der Southern Baptist Convention (SBC), der größten protestantischen Glaubensgemeinschaft der USA, sorgt eine neue Resolution zur Einwanderungspolitik für intensive Debatten. Die vorgeschlagene Erklärung versucht, den Spagat zwischen strenger Grenzsicherung und christlichem Gebot der Nächstenliebe zu schaffen.
Der Entwurf mit dem Titel „Über Einwanderung, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit“ befürwortet eine konsequente Durchsetzung bestehender Einwanderungsgesetze. Dazu gehören auch Abschiebungen von Personen, die von den Behörden als prioritär eingestuft werden, sowie ein Vorgehen gegen Menschenhandel, Kriminalität und illegale Beschäftigung.
Gleichzeitig betont die Resolution die Würde jedes Menschen und fordert einen respektvollen Umgang mit Migranten. Nationalismus, Diskriminierung sowie Feindseligkeiten aufgrund von Herkunft oder Ethnie werden ausdrücklich zurückgewiesen. Besonderen Schutz sollen nach dem Willen der Baptisten Kinder und Familien erhalten.
Auffällig ist jedoch, was im Dokument fehlt: Anders als frühere Stellungnahmen der SBC enthält die neue Resolution keine Forderung nach einem Weg zur Legalisierung des Aufenthaltsstatus für Menschen, die sich ohne gültige Papiere in den USA aufhalten. Gerade dieser Punkt war über Jahre ein zentrales Anliegen vieler evangelikaler Führungspersönlichkeiten.
Politikwissenschaftlerin Ruth Melkonian-Hoover sieht darin einen Ausdruck des Wandels innerhalb der evangelikalen Bewegung. Während frühere Vertreter oft für eine biblisch begründete und mitfühlende Einwanderungspolitik eintraten, hätten sich die Debatten in den vergangenen Jahren deutlich verschärft.
Die Diskussion fällt in eine Zeit zunehmender Spannungen rund um die US-Einwanderungspolitik. Die von der Regierung angeordneten Abschiebungsmaßnahmen und Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE haben innerhalb religiöser Kreise teils heftige Reaktionen ausgelöst. Schätzungen evangelikaler Organisationen zufolge könnten bei einer Fortsetzung der aktuellen Politik mehr als 1,3 Millionen Ehepartner und Kinder von Familienangehörigen getrennt werden.
Gleichzeitig wächst innerhalb konservativer Kreise der Druck auf die Kirchen, eine härtere Linie zu unterstützen. Besonders christlich-nationalistische Gruppen fordern seit Jahren eine deutlich restriktivere Einwanderungspolitik.
Neben der Migrationsfrage beschäftigen die Delegierten in Orlando auch weitere kontroverse Themen. So könnte über eine Verfassungsänderung abgestimmt werden, die Frauen dauerhaft von führenden Leitungspositionen in den Gemeinden ausschließen würde.
Mit der Wahl des konservativen Pastors Willy Rice zum neuen Präsidenten der Southern Baptist Convention deutet vieles darauf hin, dass die Glaubensgemeinschaft ihren Rechtskurs fortsetzen wird. Dennoch zeigt die aktuelle Debatte, dass insbesondere beim Thema Einwanderung weiterhin erhebliche Spannungen zwischen konservativen Positionen und dem christlichen Gebot der Barmherzigkeit bestehen.
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