Donald Trump wollte einmal mehr den großen Friedensstifter geben. In Washington wurde verhandelt, Erklärungen wurden unterschrieben, Kameras liefen, und irgendwo wurde vermutlich schon ein Pokal für den „Deal des Jahres“ poliert.
Doch dann meldete sich Hisbollah-Chef Naim Kassem zu Wort.
Und der machte ungefähr das diplomatische Äquivalent dazu, den Vertrag direkt vor laufenden Kameras in den Aktenvernichter zu schieben.
Die von den USA präsentierten Waffenruhepläne seien „schamlos“, erklärte Kassem. Mehr noch: Der amerikanische Vorschlag sei ein „Fahrplan zur Vernichtung eines Teils des libanesischen Volkes“.
Das dürfte nicht ganz die Reaktion gewesen sein, die sich die Verhandler in Washington erhofft hatten.
Der Friedensplan ohne Friedenspartner
Die Situation erinnert ein wenig an eine Hochzeitsplanung, bei der alle Gäste, der Pfarrer und die Musiker anwesend sind – nur Braut oder Bräutigam plötzlich erklären, sie hätten eigentlich gar keine Lust auf die Veranstaltung.
Israel und der Libanon hatten sich laut US-Angaben auf einen Weg zur Umsetzung der Waffenruhe verständigt.
Klingt gut.
Das Problem:
Die Hisbollah sieht das offenbar etwas anders.
Und da die Miliz im aktuellen Konflikt nun einmal eine zentrale Rolle spielt, ist das ungefähr so hilfreich wie ein Friedensvertrag ohne Frieden.
Kassem hat Bedingungen
Der Hisbollah-Chef machte unmissverständlich klar:
Zuerst müsse Israel den Südlibanon verlassen.
Dann könne man weiterreden.
Solange israelische Truppen im Land seien, werde der Widerstand fortgesetzt.
Mit anderen Worten:
Washington präsentiert eine Lösung.
Die Hisbollah präsentiert eine Liste neuer Voraussetzungen.
Der Nahe Osten bleibt sich treu.
Und jetzt, Herr Trump?
Damit stellt sich die Frage, die nach jeder großen Ankündigung irgendwann auftaucht:
Und jetzt, Herr Trump?
Denn wenn man öffentlich erklärt, man habe einen Weg zum Frieden gefunden, und wenige Stunden später erklärt eine der wichtigsten Konfliktparteien, der Plan sei „schamlos“, dann wird die Erfolgsmeldung plötzlich etwas komplizierter.
Aus einem Durchbruch wird schnell ein Hindernislauf.
Die traurige Realität
Während Politiker über Erklärungen, Bedingungen und Fahrpläne diskutieren, geht der Konflikt weiter.
Im Süden des Libanon wurde ein UNO-Stützpunkt beschossen.
Ein serbischer Blauhelmsoldat kam ums Leben, zwei weitere wurden verletzt.
Israel macht die Hisbollah verantwortlich.
Die Hisbollah weist Vorwürfe regelmäßig zurück oder bewertet sie anders.
Die Ermittlungen laufen.
Und die Menschen vor Ort erleben erneut, dass zwischen diplomatischen Pressekonferenzen und der Realität auf dem Schlachtfeld oft eine gewaltige Lücke liegt.
Fazit
Trump wollte einmal mehr zeigen, dass er Konflikte lösen kann.
Doch der Nahe Osten hat eine besondere Eigenschaft:
Kaum glaubt jemand, eine Lösung gefunden zu haben, tauchen meist drei neue Probleme auf.
Deshalb bleibt nach den jüngsten Aussagen von Hisbollah-Chef Kassem vor allem eine Frage:
Wenn das schon die Waffenruhe sein soll – wie sieht dann eigentlich der Streit aus?
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