Der taiwanische Halbleiterhersteller baut seine Präsenz in Arizona massiv aus. Insgesamt steigen die angekündigten US-Investitionen damit auf 265 Milliarden Dollar. Rückenwind liefert der Boom rund um künstliche Intelligenz.
Der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter, TSMC, will weitere 100 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner Produktion in den Vereinigten Staaten investieren. Das Geld soll vor allem in zusätzliche Fabriken im Bundesstaat Arizona fließen.
Nach Angaben des Unternehmens könnte die neue Investitionsrunde den Bau von vier weiteren Produktionsstätten ermöglichen. Damit würden sie zu den bereits acht geplanten oder im Bau befindlichen Anlagen hinzukommen.
TSMC erhöht sein gesamtes Investitionsversprechen für die USA damit auf 265 Milliarden Dollar. Einen konkreten Zeitplan für die neuen Werke nannte Konzernchef C. C. Wei zunächst nicht. Der tatsächliche Ausbau werde von der weiteren Marktentwicklung abhängen.
Schlüsselunternehmen für Nvidia und Apple
TSMC produziert einige der modernsten Halbleiter der Welt. Zu den wichtigsten Kunden gehören unter anderem Nvidia und Apple.
Die Unternehmen entwickeln ihre Chips zwar selbst, lassen sie aber in großen Teilen von TSMC fertigen. Besonders im Bereich künstlicher Intelligenz nimmt der taiwanische Konzern deshalb eine zentrale Rolle ein.
Moderne Rechenzentren benötigen enorme Mengen leistungsfähiger Prozessoren. Der weltweite Ausbau von KI-Infrastruktur hat die Nachfrage nach Hochleistungschips in den vergangenen Jahren stark steigen lassen.
Davon profitiert TSMC erheblich. Der Konzern ist inzwischen das wertvollste Unternehmen Asiens und erreicht an der Börse eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar. Seit Jahresbeginn legte die Aktie um mehr als 55 Prozent zu.
Gewinn steigt um 77 Prozent
Parallel zur neuen Investitionsankündigung veröffentlichte TSMC starke Quartalszahlen.
Der Nettogewinn stieg zwischen April und Juni um 77 Prozent auf rund 22 Milliarden Dollar. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 12,4 Milliarden Dollar ausgewiesen.
Die Zahlen verdeutlichen, wie stark TSMC vom aktuellen KI-Boom profitiert. Neben Rechenzentren sorgen auch Smartphones, Fahrzeuge und andere vernetzte Geräte für eine hohe Nachfrage nach Halbleitern.
Besonders gefragt sind leistungsfähige Prozessoren für KI-Anwendungen und Speicherchips für große Datenmengen.
Zehntausende neue Arbeitsplätze angekündigt
Das US-Handelsministerium erklärte, durch die zusätzlichen Investitionen könnten Zehntausende Arbeitsplätze entstehen.
TSMC selbst spricht von hoch qualifizierten und gut bezahlten Stellen. Neben den Fabriken dürfte auch das Umfeld aus Zulieferern, Logistikunternehmen, Ingenieurdienstleistern und Forschungseinrichtungen wachsen.
Konzernchef Wei erklärte, die Investitionen sollten das amerikanische Halbleiter-Ökosystem stärken, Lieferketten widerstandsfähiger machen und den Aufbau weiterer Hochtechnologie-Arbeitsplätze unterstützen.
Für die US-Regierung ist die Ankündigung ein wichtiger industriepolitischer Erfolg.
USA wollen unabhängiger von Asien werden
Die Vereinigten Staaten versuchen seit Jahren, wieder mehr Halbleiter im eigenen Land herzustellen.
Während der Corona-Pandemie hatten weltweite Chipengpässe gezeigt, wie abhängig zahlreiche Industrien von wenigen Produktionsstandorten in Asien sind. Fabriken mussten ihre Produktion zeitweise drosseln, weil wichtige Bauteile fehlten.
Halbleiter stecken heute in nahezu allen modernen Produkten – von Smartphones und Autos bis hin zu Medizintechnik, Industrieanlagen und Waffensystemen.
Gerade die geografische Lage Taiwans gilt aus Sicht Washingtons als strategisches Risiko. China betrachtet die Insel als Teil seines Staatsgebiets und schließt eine gewaltsame Eingliederung nicht aus.
Ein militärischer Konflikt könnte die weltweite Versorgung mit modernsten Chips erheblich beeinträchtigen. Der Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten in den USA soll diese Abhängigkeit zumindest teilweise verringern.
Trump reklamiert Erfolg für seine Handelspolitik
US-Präsident Donald Trump sieht die Investitionsentscheidung als Bestätigung seiner wirtschaftspolitischen Strategie.
Er hatte zuvor mit höheren Zöllen auf Produkte aus Taiwan und auf importierte Halbleiter gedroht. Nach Darstellung Trumps hätten diese Drohungen Unternehmen dazu bewegt, ihre Produktion stärker in die Vereinigten Staaten zu verlagern.
Im Januar einigten sich Washington und Taipeh auf eine Senkung amerikanischer Zölle auf taiwanische Waren auf 15 Prozent. Im Gegenzug wurden Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe angekündigt, die vor allem der amerikanischen Halbleiterproduktion zugutekommen sollen.
US-Handelsminister Howard Lutnick erklärte, die Führung des Präsidenten bringe Unternehmen dazu, wieder in amerikanische Industrieanlagen zu investieren.
Die neuen TSMC-Projekte würden fortschrittliche Chipproduktion in die USA zurückholen und zahlreiche Arbeitsplätze schaffen.
Aufbau bleibt teuer und kompliziert
Trotz der hohen Investitionssumme dürfte es Jahre dauern, bis sämtliche neuen Werke fertiggestellt sind und mit voller Kapazität produzieren.
Halbleiterfabriken gehören zu den technisch anspruchsvollsten Industrieanlagen überhaupt. Bau, Ausstattung und Inbetriebnahme verschlingen jeweils Milliardenbeträge.
Zusätzlich benötigt TSMC hoch spezialisierte Fachkräfte, große Mengen Energie, Wasser und eine zuverlässige Zulieferstruktur.
Bereits bei früheren Projekten in Arizona kam es zu Verzögerungen. Gründe waren unter anderem Fachkräftemangel, höhere Kosten und Schwierigkeiten beim Aufbau lokaler Lieferketten.
Auch deshalb bleibt offen, wann die nun angekündigten vier zusätzlichen Fabriken tatsächlich entstehen.
Produktion in den USA bleibt Teil eines globalen Netzes
Die neuen Werke bedeuten nicht, dass TSMC seine Produktion aus Taiwan abzieht.
Der Konzern betreibt dort weiterhin seine wichtigsten Forschungs- und Produktionsstandorte. Die modernsten Fertigungsverfahren werden traditionell zunächst in Taiwan eingeführt.
Die Expansion in den USA dient vielmehr dazu, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und wichtige Kunden direkt vor Ort zu versorgen.
Auch für TSMC ist die geografische Diversifizierung sinnvoll. Das Unternehmen reduziert damit politische Risiken und verbessert zugleich seine Beziehungen zur amerikanischen Regierung und zu wichtigen Großkunden.
KI-Boom treibt die Chipindustrie
Die Investition zeigt, wie stark künstliche Intelligenz die Halbleiterbranche verändert.
Unternehmen wie Nvidia entwickeln Prozessoren, die für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle benötigt werden. Ohne TSMC könnten viele dieser Chips jedoch nicht in ausreichender Menge und Qualität produziert werden.
Der taiwanische Konzern ist damit zu einem der wichtigsten Unternehmen der globalen Technologieindustrie geworden.
Die neuen Milliardeninvestitionen in Arizona sind deshalb nicht nur ein Ausbauprojekt für einzelne Fabriken. Sie sind Teil eines weltweiten Wettbewerbs um technologische Unabhängigkeit, industrielle Kapazitäten und die Kontrolle über die Infrastruktur der künstlichen Intelligenz.
Für die USA ist TSMCs Expansion ein strategischer Gewinn. Für den Konzern selbst ist sie eine Wette darauf, dass die Nachfrage nach Hochleistungschips auch in den kommenden Jahren weiter stark wächst.
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