Der US-Bundesstaat Florida will am 28. Juli 2026 erstmals seit mehr als sechs Jahrzehnten zwei zum Tode verurteilte Männer am selben Tag hinrichten. Für James Duckett ist die Vollstreckung des Todesurteils um 12.00 Uhr Ortszeit angesetzt, sechs Stunden später soll Dominick Anthony Occhicone Jr. hingerichtet werden.
Sollten beide Termine vollzogen werden, wäre es die erste Doppelhinrichtung in Florida seit 1964. Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der der Bundesstaat unter Gouverneur Ron DeSantis deutlich mehr Todesurteile vollstreckt als alle anderen US-Staaten.
Hinrichtung nach ergebnislosen DNA-Tests neu angesetzt
James Duckett, ein ehemaliger Polizist, wurde wegen der Vergewaltigung und Ermordung der elfjährigen Teresa Mae McAbee im Jahr 1987 zum Tode verurteilt.
Das Mädchen war am Abend des 11. Mai 1987 zu einem Geschäft in Mascotte gegangen, um einen Bleistift zu kaufen. Zeugen erklärten später, Duckett habe Teresa in seinem Streifenwagen mitgenommen. Am folgenden Morgen wurde ihre Leiche in einem nahe gelegenen See gefunden. Nach Angaben der Gerichtsmedizin war das Kind vergewaltigt, erwürgt und anschließend noch lebend ins Wasser geworfen worden.
Duckett bestreitet die Tat bis heute. Seine ursprünglich für März geplante Hinrichtung wurde vorübergehend ausgesetzt, damit gesichertes biologisches Material erneut untersucht werden konnte. Die zusätzlichen DNA-Tests brachten jedoch kein eindeutiges Ergebnis. Nachdem der Aufschub am 11. Juli ausgelaufen war, setzte DeSantis die Hinrichtung neu an.
Kritiker fordern angesichts der unklaren Untersuchungsergebnisse weitere Analysen. Sie warnen davor, ein Todesurteil zu vollstrecken, solange Zweifel an der Täterschaft nicht vollständig ausgeräumt seien.
80-Jähriger wegen Doppelmordes verurteilt
Dominick Anthony Occhicone Jr. wurde wegen der Ermordung der Eltern seiner früheren Verlobten zum Tode verurteilt.
Im Juni 1986 soll er zum Haus der Familie gefahren sein und zunächst den 66-jährigen Vater seiner Ex-Verlobten erschossen haben. Anschließend drang er in das Gebäude ein und tötete auch deren 62-jährige Mutter. Die frühere Verlobte und ihre zehnjährige Tochter konnten fliehen.
Occhicone ist mittlerweile 80 Jahre alt. Bei einer Vollstreckung wäre er der älteste jemals in Florida hingerichtete Gefangene und der zweitälteste in der jüngeren Geschichte der Vereinigten Staaten.
Florida führt die Hinrichtungsstatistik an
Seit Januar 2025 wurden in den USA 64 Menschen hingerichtet. 29 dieser Hinrichtungen entfielen auf Florida. Im laufenden Jahr hat der Bundesstaat bereits zehn Todesurteile vollstreckt – mehr als alle übrigen Staaten zusammen.
Gouverneur DeSantis begründet das beschleunigte Vorgehen mit den Interessen der Opferfamilien. Viele Angehörige warteten seit mehreren Jahrzehnten auf die Vollstreckung rechtskräftiger Urteile. Verzögerte Gerechtigkeit sei letztlich verweigerte Gerechtigkeit, erklärte der Republikaner.
Florida hat unter DeSantis außerdem seine Todesstrafengesetze verschärft. Seit 2023 kann die Todesstrafe auch für bestimmte Sexualstraftaten gegen Kinder verhängt werden. Eine 2025 verabschiedete Regelung erweiterte zudem die gesetzlich möglichen Hinrichtungsmethoden.
Kritiker vermuten politische Motive
Menschenrechtsorganisationen und Gegner der Todesstrafe werfen DeSantis vor, Hinrichtungen zunehmend als politisches Instrument einzusetzen. Sie vermuten hinter dem harten Kurs auch Ambitionen mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahl 2028.
Besonders umstritten ist die geplante Doppelhinrichtung. Kritiker verweisen nicht nur auf das hohe Alter Occhicones und die offenen Fragen im Fall Duckett. Sie warnen auch vor der psychischen Belastung für Gefängnismitarbeiter, die innerhalb weniger Stunden zwei Hinrichtungen vorbereiten und vollziehen müssten.
Robin Maher vom Death Penalty Information Center bezeichnete das Vorgehen als überstürzt. Die geplanten Hinrichtungen eines 80-jährigen Mannes und eines Verurteilten, dessen Schuld weiterhin infrage gestellt werde, zeigten einen leichtfertigen Umgang mit unumkehrbaren Entscheidungen.
Damit steht Florida erneut im Zentrum der amerikanischen Debatte über die Todesstrafe. Während die Regierung von konsequenter Gerechtigkeit für die Opfer spricht, warnen Gegner vor politischem Aktionismus, fehlender Transparenz und dem Risiko eines nicht mehr korrigierbaren Fehlurteils.
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