Nur noch 15 Prozent der Amerikaner sind von ihrem Präsidenten restlos begeistert. Der Rest schwankt zwischen „geht so“ und „bitte nicht schon wieder“
Donald Trump galt lange als Politiker mit einer nahezu unzerstörbaren Anhängerschaft. Andere Präsidenten hatten Unterstützer, Trump hatte Gläubige. Egal ob Anklagen, Wahlniederlagen oder spontane außenpolitische Einfälle: Der harte Kern blieb hart.
Nun scheint dieser Kern allerdings in die Waschmaschine geraten zu sein.
In einer neuen Umfrage von Washington Post und Ipsos erklärten nur noch 15 Prozent der amerikanischen Erwachsenen, Trumps Amtsführung „stark“ zu unterstützen. Das ist der niedrigste Wert, den diese Umfragereihe für ihn bislang gemessen hat. Insgesamt lehnen 61 Prozent seine Arbeit ab. Befragt wurden vom 8. bis 13. Juli 2.648 Erwachsene.
Mit anderen Worten: Weniger als jeder sechste Amerikaner sieht Trump derzeit im Fernsehen und denkt:
„Genau so. Bitte unbedingt mehr davon.“
Die Begeisterung wechselt in den Energiesparmodus
Weitere 22 Prozent unterstützen Trump nur noch „eher“. Erstmals ist damit die Gruppe der vorsichtigen Zustimmer größer als die der überzeugten Fans.
Das ist politisch ungefähr der Unterschied zwischen:
„Trump ist der größte Präsident aller Zeiten!“
und:
„Nun ja, ich habe ihn gewählt, und die Rückgabefrist ist vermutlich abgelaufen.“
Selbst unter Republikanern sagten nur 41 Prozent, dass sie Trump stark unterstützen. Bei seinen Wählern von 2024 waren es 43 Prozent.
Die übrigen scheinen das politische Gegenstück zu einer Restaurantbewertung mit drei Sternen abzugeben:
„War schon einmal besser. Personal etwas laut. Komme vielleicht wieder.“
Unabhängige Wähler sind inzwischen sehr unabhängig
Besonders schwierig wird es bei parteiunabhängigen Wählern. Nur sechs Prozent von ihnen erklärten, Trump stark zu unterstützen. Dagegen lehnten ihn 51 Prozent entschieden ab.
Damit ist die Gruppe begeisterter Unabhängiger inzwischen so klein, dass sie ihre Jahreshauptversammlung vermutlich in einer durchschnittlichen Hotelbar abhalten könnte.
Auch bei weißen Wählern ohne Hochschulabschluss – traditionell eine besonders wichtige Trump-Gruppe – äußerten nur noch 24 Prozent starke Zustimmung.
Das bedeutet nicht, dass alle übrigen plötzlich Demokraten geworden sind. Viele wirken eher wie Kunden, die noch im Laden stehen, aber bereits nach dem Ausgang suchen.
Der eiserne Griff fühlt sich zunehmend nach lockerem Händedruck an
Trumps politische Macht beruhte nie ausschließlich auf breiter Beliebtheit. Entscheidend war die Intensität seiner Anhängerschaft.
Seine treuesten Unterstützer gingen zuverlässig wählen, spendeten Geld, besuchten Kundgebungen und verteidigten nahezu jede Wendung. Dadurch konnte Trump republikanische Vorwahlen dominieren und parteiinterne Gegner aus ihren Ämtern drängen.
Doch ein eiserner Griff funktioniert nur, solange genügend Menschen darin festgehalten werden.
Bei 15 Prozent starker Zustimmung sieht die angeblich gewaltige Bewegung zunehmend aus wie eine exklusive Mitgliederveranstaltung mit überraschend guter Parkplatzsituation.
Mehrere Umfragen melden denselben Trend
Die neue Erhebung steht nicht allein. Mehrere aktuelle Umfragen sehen den Anteil der Amerikaner, die Trump stark unterstützen, nur noch im mittleren Zehner- oder niedrigen Zwanzigerbereich.
Reuters und Ipsos hatten zuletzt auch bei Trumps allgemeiner Zustimmung schwache Werte gemessen. Wirtschaftssorgen, hohe Lebenshaltungskosten und die amerikanische Iranpolitik belasten seine Bewertung.
Natürlich bedeutet eine schlechte Umfrage noch keine verlorene Wahl. Umfragen sind Momentaufnahmen, keine amtlichen Räumungsbescheide für das Weiße Haus.
Aber wenn verschiedene Institute unabhängig voneinander feststellen, dass die große Begeisterung kleiner wird, sollte man vielleicht nicht mehr von einem einzelnen statistischen Schlagloch sprechen.
Dann beginnt langsam die Straße zu fehlen.
Fast auf Biden-Niveau – ohne Biden dafür verantwortlich machen zu können
Besonders unangenehm ist der historische Vergleich.
Joe Biden verfügte gegen Ende seiner Amtszeit ebenfalls nur noch über einen kleinen harten Unterstützerkern. Trump präsentierte sich anschließend als gewaltige, von der Bevölkerung herbeigesehnte Alternative.
Nun nähert sich die Intensität seiner Zustimmung ausgerechnet jenen Größenordnungen, über die seine Anhänger zuvor ausgiebig gespottet hatten.
Politisch könnte man das als Kreisbewegung bezeichnen.
Trump würde vermutlich sagen, der Kreis sei der größte, schönste und erfolgreichste Kreis, den Amerika jemals gesehen habe.
Die Basis ist nicht verschwunden – sie spricht nur leiser
Trump besitzt weiterhin Millionen überzeugter Anhänger. Innerhalb der Republikanischen Partei bleibt er mächtig, und bei Vorwahlen können besonders motivierte Minderheiten entscheidend sein.
Doch zwischen „mächtig innerhalb einer Partei“ und „geliebt von einem großen Teil des Landes“ besteht ein Unterschied.
Derzeit scheint seine Koalition aus drei Gruppen zu bestehen:
den weiterhin Begeisterten, den zähneknirschend Zufriedenen und den Menschen, die behaupten, sie hätten 2024 ohnehin nur wegen der anderen Kandidatin so gewählt.
Letztere Gruppe dürfte in den kommenden Monaten erstaunlich schnell wachsen.
Fazit: MAGA bleibt – nur das „Mega“ fehlt etwas
Donald Trumps politische Karriere wurde schon oft vorschnell für beendet erklärt. Es wäre daher gewagt, aus einem Umfragetief unmittelbar seinen Untergang abzuleiten.
Die Zahlen zeigen jedoch, dass sein berühmter harter Kern deutlich kleiner geworden ist. Die bedingungslose Loyalität, die jahrelang wie ein politisches Naturgesetz behandelt wurde, sieht inzwischen eher wie eine zeitlich begrenzte Sonderaktion aus.
Trump kann weiterhin große Hallen füllen, Vorwahlen beeinflussen und die öffentliche Debatte beherrschen.
Aber zwischen einer lauten Menge und einer gesellschaftlichen Mehrheit liegt ein beträchtlicher Unterschied.
Der harte Kern ist noch da. Man muss beim Gruppenfoto nur nicht mehr so weit zurückgehen.
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