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Siebte Angriffsnacht: Washington schwächt den Iran jetzt offenbar im Abonnement

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Militärische Eskalation läuft zuverlässig weiter – nur der Schiffsverkehr und die Diplomatie machen Pause

Das US-Militär hat nach eigenen Angaben erneut Ziele im Iran angegriffen. Es war bereits die siebte Nacht in Folge.

Das zuständige Regionalkommando Centcom erklärte, die Angriffe sollten die militärischen Fähigkeiten des Iran weiter schwächen.

Das Wort „weiter“ ist dabei entscheidend. Es deutet an, dass noch militärische Fähigkeiten vorhanden sind – und damit vermutlich auch Material für eine achte Pressemitteilung.

In modernen Kriegen wird schließlich nicht einfach bombardiert. Es werden Fähigkeiten reduziert, Kapazitäten beeinträchtigt und Ziele bearbeitet.

Nur die Explosionen halten sich hartnäckig an die altmodische Darstellung.

Ausschließlich militärische Ziele – mit zivilem Umfeld

Nach Darstellung des US-Militärs wurden Dutzende militärische Ziele getroffen, darunter Flugabwehrsysteme und Anlagen zur Küstenüberwachung.

Iranische Medien berichteten dagegen auch von Schäden an Brücken, einem Flughafen und Einrichtungen der Schifffahrt.

Das führt zu einer bekannten Debatte:

Die eine Seite spricht von militärischer Infrastruktur.

Die andere von ziviler Infrastruktur.

Und die Infrastruktur selbst liegt anschließend beschädigt herum und beteiligt sich nicht an der Begriffsbestimmung.

Gerade Brücken besitzen in Kriegszeiten die unangenehme Eigenschaft, sowohl von Soldaten als auch von gewöhnlichen Menschen benutzt zu werden. Das macht sie militärisch interessant und zivile Schäden gleichzeitig vorhersehbar.

Iran kündigt grenzenlose Antwort an

Ein hochrangiger iranischer Berater warnte, der Iran werde sich künftig nicht mehr nur mit begrenzten Gegenangriffen begnügen.

Sollten die US-Angriffe noch zwei oder drei Tage andauern, werde keine Grenze mehr sicher sein, erklärte er im iranischen Staatsfernsehen.

Nach sieben aufeinanderfolgenden Angriffsnächten ist die Formulierung „noch zwei oder drei Tage“ zumindest organisatorisch interessant.

Offenbar gibt es auch bei regionaler Eskalation eine Art verlängerte Kündigungsfrist.

Die Botschaft lautet sinngemäß:

Bislang reagieren wir kontrolliert. Aber wenn Sie weiter eskalieren, eskalieren wir ernsthaft zurück.

Was die andere Seite gewöhnlich als Grund versteht, zuvor noch etwas stärker zu eskalieren.

So entsteht internationale Sicherheitspolitik nach dem Prinzip zweier Autofahrer, die gleichzeitig beschließen, nicht als Erste zu bremsen.

Vereinte Nationen entdecken das Wort „inakzeptabel“

Der iranische UNO-Botschafter bezeichnete Angriffe auf zivile Infrastruktur als Kriegsverbrechen.

UNO-Generalsekretär António Guterres erklärte, Angriffe auf zivile Infrastruktur seien „inakzeptabel“. Zugleich zeigte er sich tief besorgt über die anhaltende Eskalation.

Die Vereinten Nationen verfügen für solche Situationen über ein sorgfältig abgestuftes Vokabular:

Zunächst ist man besorgt.

Dann tief besorgt.

Später äußerst besorgt.

Irgendwann wird etwas inakzeptabel.

Dass es trotzdem weiter geschieht, beeinträchtigt die sprachliche Präzision offenbar nicht.

Die internationale Gemeinschaft bleibt damit handlungsfähig – zumindest bei der Auswahl zunehmend ernster Adjektive.

Straße von Hormus zunehmend straßenfrei

Die militärische Eskalation wirkt sich inzwischen deutlich auf den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus aus.

Am Donnerstag sollen nur noch acht Schiffe die Meerenge passiert haben. Am Vortag waren es 15, zwei Wochen zuvor 48. Vor Beginn des Krieges durchquerten durchschnittlich mehr als 100 Schiffe täglich die Route.

Die Straße von Hormus entwickelt sich damit schrittweise zu einer Straße ohne Verkehr.

Für eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt ist das kein idealer Zustand.

Die Schiffe meiden die Region nicht aus mangelndem Interesse. Sie vermeiden lediglich gern Gebiete, in denen militärische Drohungen, Raketen und mögliche Gegenangriffe zur aktuellen Verkehrslage gehören.

Navigationssysteme könnten künftig melden:

„Auf Ihrer Route befindet sich eine geopolitische Eskalation. Eine alternative Strecke ist leider mehrere Tausend Kilometer länger.“

Weltwirtschaft wartet auf die nächste Nacht

Die Straße von Hormus ist für den internationalen Energiehandel von enormer Bedeutung. Sinkt die Zahl der Durchfahrten weiter, können Lieferketten gestört, Versicherungen teurer und Energiepreise belastet werden.

Damit erreicht der Konflikt auch Menschen, die weder im Iran noch in den USA leben und nie um eine Teilnahme gebeten haben.

Krieg besitzt schließlich eine bemerkenswerte internationale Effizienz:

Die Entscheidungen treffen wenige Regierungen.

Die wirtschaftlichen Folgen werden weltweit verteilt.

Sollte der Verkehr vollständig zum Erliegen kommen, dürften zahlreiche Staaten dringend zur Deeskalation aufrufen – unmittelbar nachdem sie geprüft haben, ob ihre eigenen Energiereserven ausreichen.

Sieben Nächte sind noch keine Strategie

Die USA erklären, sie wollten die militärischen Fähigkeiten des Iran schwächen. Der Iran kündigt härtere Gegenmaßnahmen an. Die Vereinten Nationen warnen vor zivilen Schäden. Gleichzeitig geht der Schiffsverkehr auf einer zentralen Handelsroute drastisch zurück.

Das Ergebnis nach sieben Nächten lautet daher:

Mehr Angriffe, mehr Drohungen, weniger Schiffe und keine erkennbare politische Lösung.

Militärisch wird von Präzision gesprochen.

Politisch bleibt das Ziel deutlich unschärfer.

Denn irgendwann stellt sich die Frage, was nach der erfolgreichen Schwächung geschehen soll.

Verhandlungen?

Regimewechsel?

Abschreckung?

Oder einfach eine achte Angriffsnacht mit nahezu identischer Pressemitteilung?

Fazit

Die gegenseitigen Angriffe zwischen den USA und dem Iran treiben die Region weiter in eine gefährliche Eskalation.

Washington spricht von militärischen Zielen, Teheran von Angriffen auf zivile Infrastruktur und die Vereinten Nationen von inakzeptablen Entwicklungen. Währenddessen ziehen sich Handelsschiffe aus der Straße von Hormus zurück.

Alle Beteiligten erklären, ihre Maßnahmen dienten der Sicherheit.

Das Ergebnis sieht bislang allerdings so aus, als habe die Sicherheit selbst die Region bereits verlassen.

Die militärischen Fähigkeiten sollen geschwächt werden. Die Fähigkeit zur Deeskalation scheint dieses Ziel schon erreicht zu haben.

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