In den USA wird wieder einmal die ganz große Staatskrise ausgerufen – und nein, ausnahmsweise nicht wegen Krieg, Inflation oder Schüssen in Washington, sondern wegen eines Witzes von Jimmy Kimmel.
Der Late-Night-Moderator hatte bei einer satirischen Version des Korrespondentendinners Melania Trump als „werdende Witwe“ bezeichnet. Geschmacklos? Darüber kann man streiten.
Aber in Trumps Amerika ist daraus inzwischen fast schon ein Fall für die nationale Sicherheit geworden.
Trump fordert Entlassung – Melania liefert die Empörung frei Haus
Donald Trump forderte prompt, ABC und Disney sollten Kimmel „sofort feuern“.
Der Witz sei ein „widerlicher Aufruf zur Gewalt“.
Melania legte nach und erklärte, Kimmels Worte seien keine Comedy, sondern würden die politische Krankheit Amerikas vertiefen. Menschen wie Kimmel sollten abends nicht in die Wohnzimmer kommen, um „Hass zu verbreiten“.
Oder übersetzt:
Satire ist plötzlich gefährlich – solange sie nicht von Trump selbst kommt.
Freie Rede? Ja – aber bitte nur MAGA-kompatibel
Besonders absurd ist die Empörungswelle deshalb, weil dieselben politischen Kreise sonst gern jede Kritik an ihrer Rhetorik mit dem Mantra der Meinungsfreiheit abbügeln.
Wenn Trump austeilt, ist es Klartext.
Wenn Kimmel spottet, ist es angeblich fast schon Terrorvorbereitung.
Das Weiße Haus setzte noch einen drauf: Sprecherin Karoline Leavitt erklärte, solche Aussagen würden „verrückte Menschen zu verrückten Taten inspirieren“.
Ein interessanter Gedanke.
Vielleicht sollte man diese Logik irgendwann auch mal auf Wahlkampfreden, Social-Media-Posts und die allgemeine MAGA-Dauererregung anwenden.
Disney im Härtetest: Konzern oder Kuschelzone für Präsidentenlaunen?
Nun wird der Fall zum Lackmustest für Disney und ABC.
Knickt man erneut vor politischem Druck ein – oder erinnert man sich daran, dass Late-Night-Shows traditionell genau dafür da sind, Präsidenten und ihre Familien satirisch zu grillen?
Denn das eigentliche Problem scheint nicht der Witz zu sein.
Das eigentliche Problem ist, dass in den USA inzwischen ein Präsident offen verlangt, unliebsame Moderatoren aus dem Fernsehen zu entfernen.
Fazit
Trump will Kimmel loswerden, weil ein Witz über Melania gefallen ist.
Das Weiße Haus spricht von gefährlicher Rhetorik.
Und Disney darf entscheiden, ob Satire noch Satire sein darf.
Oder kürzer:
In Trumps Amerika ist Meinungsfreiheit offenbar großartig – solange niemand über die First Family lacht.
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