Istanbul. Bei Fenerbahçe gilt offenbar wieder die alte Fußballweisheit:
Wer Zweiter ist, ist eigentlich schon arbeitslos.
Ex-Bundesliga-Coach Domenico Tedesco ist nach der 0:3-Derby-Klatsche gegen Galatasaray rausgeflogen. Und weil man in Istanbul ungern halbe Sachen macht, durften gleich auch noch Sportdirektor Devin Özek und Fußballkoordinator Berke Çelebi mit vom Karussell springen.
Die offizielle Mitteilung klang gewohnt höflich, also ungefähr so:
„Vielen Dank für Ihren Einsatz – und bitte verlassen Sie beim Rausgehen diskret das Gebäude.“
Tedesco übernimmt Verantwortung – Fener übernimmt sofort die Kündigung
Direkt nach dem Derby zeigte sich Tedesco noch staatsmännisch selbstkritisch:
„Ein Schuldiger wird immer gesucht. Der Schuldige bin ich.“
Fenerbahçe hörte das offenbar aufmerksam mit und dachte sich:
„Endlich mal jemand, der uns die Arbeit abnimmt.“
Keine 24 Stunden später war Schluss.
So schnell kann Verantwortung im Profifußball eben praktisch werden.
Punkteschnitt? Schön. Titel? Nett. Derby verloren? Tschüss.
Besonders herrlich absurd:
Tedesco ist bereits der vierte Fener-Trainer in Folge, der trotz mindestens 2,0 Punkten pro Spiel rausfliegt.
Vor ihm erwischte es schon:
- José Mourinho (2,02 Punkte)
- İsmail Kartal (2,4 Punkte)
- Jorge Jesus (2,23 Punkte)
Mit anderen Worten:
Bei Fenerbahçe ist ein starker Punkteschnitt ungefähr so wertvoll wie ein Regenschirm im U-Boot.
Supercup gewonnen, aber Derby verloren – und das zählt mehr
Im Januar durfte Tedesco noch den türkischen Supercup feiern – ausgerechnet mit einem 2:0 gegen Galatasaray.
Doch Fußball in Istanbul ist ein Geschäft mit extrem kurzer Halbwertszeit.
Heute gilt offenbar:
Titel schön und gut – aber wenn du das falsche Derby verlierst, kannst du den Pokal gleich als Handgepäck mitnehmen.
Fazit
Fenerbahçe liegt auf Platz zwei, holt starke Punkte, gewinnt einen Titel – und feuert trotzdem den Trainer.
Oder wie man es in Istanbul wohl zusammenfassen würde:
Erfolg ist wichtig. Aber nicht so wichtig wie Panik nach einem Derby.
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