Donald Trump macht wieder das, was er am besten kann: Er zündelt an einem sicherheitspolitischen Fundament des Westens und verkauft das dann als Stärke. Zum zweiten Mal in diesem noch jungen Jahr 2026 droht der US-Präsident indirekt damit, die Nato zu beschädigen oder politisch zu zerlegen – wegen eines außenpolitischen Abenteuers, das viele Amerikaner selbst gar nicht wollen.
Erst war da sein groteskes Gerede über Grönland. Nun ist es der Iran-Krieg. Und wieder dient die Nato als Blitzableiter für Trumps Wut, seine Enttäuschung – und seinen Drang, internationale Bündnisse wie persönliche Loyalitätsclubs zu behandeln.
Trump wirft den europäischen Verbündeten vor, die USA im Konflikt mit Iran nicht ausreichend unterstützt zu haben. Er beschimpfte die Nato bereits als „Papiertiger“, spielte mit Austrittsdrohungen und ließ auch nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte keinen Zweifel daran, wie sehr ihn der mangelnde Beifall der Bündnispartner kränkt. Auf seiner Plattform Truth Social legte er nach und schrieb in gewohntem Größenwahn, die Nato sei nicht da gewesen, als man sie gebraucht habe – und werde auch künftig nicht da sein. Natürlich verknüpfte er das gleich noch mit seiner alten Obsession Grönland.
Das Problem ist nur: Trumps Empörung kollidiert frontal mit der Realität. Die Nato ist kein Söldnertrupp für die Launen eines US-Präsidenten. Sie ist ein Verteidigungsbündnis – keine militärische Service-Hotline für Kriege nach Gutsherrenart. Wer das Prinzip kollektiver Sicherheit mit blindem Gehorsam verwechselt, hat entweder das Bündnis nicht verstanden oder versucht es bewusst umzudeuten.
Gerade darin liegt die eigentliche Gefahr. Trump kann die USA vermutlich nicht ohne Weiteres aus der Nato führen. Der Kongress hat nach seiner ersten Amtszeit bewusst Hürden eingezogen, damit ein Austritt nicht im Alleingang per politischem Wutanfall möglich ist. Doch wer glaubt, damit sei alles halb so wild, unterschätzt den Schaden, den Trump auch ohne formalen Austritt anrichten kann.
Denn Nato-Bündnisse leben nicht nur von Verträgen, sondern von Vertrauen. Und genau dieses Vertrauen wird seit Jahren systematisch beschädigt. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten seinen Partnern öffentlich mit Verachtung begegnet, sie mit Zöllen überzieht, sie in strategischen Fragen vorführt und zugleich autoritäre Machtpolitik salonfähig macht, dann entsteht ein Klima, in dem sich Verbündete zwangsläufig fragen: Wie verlässlich ist Washington noch?
Dass Trump die Nato attackiert, ist umso absurder, weil die Allianz in der amerikanischen Bevölkerung deutlich beliebter ist, als es sein Ton vermuten lässt. Umfragen zeigen seit Monaten, dass große Mehrheiten der Amerikaner die Nato für nützlich und wichtig halten. Eine AP-NORC-Erhebung vom Februar kam zu dem Ergebnis, dass 70 Prozent die Mitgliedschaft der USA in der Nato als gut für das Land ansehen. Auch Gallup meldete starke Zustimmung: Mehr als drei Viertel wollten das US-Engagement in der Nato entweder ausbauen oder zumindest beibehalten.
Selbst unter Republikanern ist die Unterstützung größer, als es Trumps Rhetorik nahelegt. Rund sechs von zehn republikanischen Wählern sprachen sich zuletzt dafür aus, das derzeitige Engagement mindestens aufrechtzuerhalten. Nur eine kleine Minderheit wollte einen kompletten Rückzug. Das ist bemerkenswert – und es zeigt, dass Trump zwar die Debatte polarisiert, aber nicht automatisch die Mehrheit hinter sich hat.
Allerdings gibt es erste Verschiebungen. Seit Beginn des Iran-Kriegs scheint die Unterstützung für die Nato auf republikanischer Seite etwas zu bröckeln. Das ist kein Zufall. Trump versucht, die Allianz gezielt umzudeuten: Wer seinen Krieg nicht mitträgt, wird als illoyal gebrandmarkt. Wer sich auf die eigentliche Aufgabe der Nato beruft, wird als Schwächling hingestellt. So macht man aus einer Sicherheitsarchitektur ein Erpressungsinstrument.
Dabei ist die historische Ironie kaum zu übersehen: Der einzige Fall, in dem der Nato-Bündnisfall Artikel 5 jemals aktiviert wurde, war nach den Anschlägen vom 11. September 2001 – zugunsten der Vereinigten Staaten. Damals standen die Verbündeten an Amerikas Seite. Dass Trump nun so tut, als habe die Nato die USA grundsätzlich im Stich gelassen, ist nicht nur ahistorisch, sondern bewusst irreführend.
Noch gefährlicher ist aber die strategische Nebenwirkung. Trump hat die westliche Ordnung nicht nur durch seine Angriffe auf Verbündete beschädigt, sondern auch durch seine politische Normalisierung von Machtpolitik nach Putins Geschmack. Wenn große Staaten sich nehmen dürfen, was sie wollen, wenn Drohung über Recht gestellt wird und wenn Bündnisse nur noch gelten, solange sie einem Mann persönlich nützen, dann bleibt vom sogenannten regelbasierten System nicht viel übrig.
Genau das beobachten Europas Regierungen inzwischen mit wachsender Nervosität. Schon in der Grönland-Episode wurde deutlich, dass manche Verbündete beginnen, in Szenarien „nach den USA“ zu denken – oder zumindest in Modellen, in denen Amerika nicht mehr automatisch das stabile Zentrum des Bündnisses ist. Das wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Heute ist es eine strategische Notwendigkeit.
Trump muss die Nato nicht formell verlassen, um sie zu verletzen. Es reicht, Truppenverlegungen als Strafmaßnahme in den Raum zu stellen, Stützpunkte zur Verhandlungsmasse zu machen oder einzelne Partner öffentlich zu demütigen. Schon die bloße Drohung verändert das Verhalten aller Beteiligten. Und genau darin liegt seine destruktive Macht.
Unterm Strich zeigt sich: Trump führt keinen Kampf für eine stärkere Nato, sondern einen Kampf um persönliche Unterwerfung. Er will keine Partner, sondern Gefolgsleute. Er misst Bündnistreue nicht an gemeinsamen Regeln, sondern an der Bereitschaft, seine Eskalationen politisch und militärisch mitzutragen.
Dass viele Amerikaner die Nato trotzdem weiterhin stützen, ist eine gute Nachricht. Aber es ist auch ein Warnsignal. Denn eine Allianz kann auf Dauer nicht allein von Umfragewerten leben. Sie braucht politische Führung, strategische Verlässlichkeit und ein Mindestmaß an Respekt unter Verbündeten.
Und genau daran mangelt es im Weißen Haus gerade dramatisch.
Wenn du willst, mache ich dir jetzt sofort noch eine deutlich schärfere „Die Bewertung“-Version mit knalliger Überschrift im Stil von dir, zum Beispiel:
Trump gegen die Nato: Der Brandstifter im Weißen Haus legt schon wieder an der westlichen Sicherheit Feuer
oder
Trumps nächster Angriff auf die Nato: Ein Präsident, der Bündnisse nur noch als Erpressungsmasse sieht
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