Donald Trump hat einen neuen Kandidaten für den Posten des obersten Geheimdienstkoordinators der USA gefunden. Und die größte Überraschung dabei: Diesmal handelt es sich tatsächlich um jemanden, der zumindest entfernt etwas mit komplexen Behördenstrukturen zu tun hatte.
Der US-Präsident nominierte den New Yorker Bundesstaatsanwalt Jay Clayton zum neuen Direktor der Nationalen Nachrichtendienste. Er soll die Aufsicht über 18 amerikanische Geheimdienste übernehmen und damit künftig dafür sorgen, dass CIA, NSA und Co. wenigstens gelegentlich in dieselbe Richtung schauen.
Zweiter Anlauf, weniger Kopfschmerzen
Die Personalie gilt als Kurskorrektur des Weißen Hauses. Trumps ursprünglicher Wunschkandidat war im Kongress auf erhebliche Skepsis gestoßen. Kritiker bemängelten vor allem, dass dessen Geheimdiensterfahrung ungefähr auf dem Niveau eines durchschnittlichen Netflix-Abonnenten lag.
Nachdem selbst Republikaner begannen, nervös auf ihre Stimmzettel zu schauen, musste offenbar eine Alternative her.
Ein Kandidat, den sogar Gegner mögen
Mit Jay Clayton hat Trump nun jemanden ausgewählt, der erstaunlicherweise nicht sofort einen politischen Kleinkrieg ausgelöst hat.
Republikaner loben ihn als erfahrenen Manager, Demokraten nennen ihn „sehr qualifiziert“. In Washington ist das ungefähr so selten wie ein friedlicher Kommentarbereich auf Social Media.
Vom Börsenwächter zum Spionagekoordinator
Clayton leitete früher die US-Börsenaufsicht SEC und arbeitet derzeit als Bundesstaatsanwalt in New York. Dort beschäftigt er sich unter anderem mit Verfahren gegen den ehemaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, Ermittlungen im Umfeld von Jeffrey Epstein und mutmaßlichen iranischen Terrorplänen.
Mit anderen Worten: Sein Alltag besteht bereits aus genug Stoff für mehrere Netflix-Serien gleichzeitig.
Trump ist begeistert
Auf seiner Plattform Truth Social überschüttete Trump den Kandidaten mit Lob und erklärte, nur wenige Juristen würden so viel Respekt genießen wie Clayton.
Das ist in Trump-Sprache die Vorstufe zu einer Heiligsprechung.
Gleichzeitig forderte er den Senat auf, die Ernennung möglichst schnell abzusegnen – ein Wunsch, der in Washington traditionell dazu führt, dass alles etwas länger dauert.
Die eigentliche Botschaft
Hinter der Personalentscheidung steckt vor allem ein pragmatischer Gedanke: Nach einigen umstrittenen Ernennungen der vergangenen Monate wollte das Weiße Haus offenbar vermeiden, erneut einen Kandidaten präsentieren zu müssen, dessen wichtigste Qualifikation darin besteht, Donald Trump besonders enthusiastisch zuzustimmen.
Mit Clayton bekommt Trump einen Kandidaten, der fachlich schwerer anzugreifen ist und damit bessere Chancen auf eine Bestätigung hat.
Fazit
Washington erlebt einen seltenen Moment: Donald Trump nominiert jemanden, über den sich nicht sofort das halbe politische Establishment empört.
Ob Jay Clayton tatsächlich der nächste amerikanische Geheimdienstchef wird, entscheidet nun der Senat. Allein die Tatsache, dass beide Parteien ihn für kompetent halten, macht ihn in der heutigen US-Politik bereits fast zu einer geheimdienstlichen Sensation.
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