Bei einem schweren israelischen Luftangriff auf Gaza-Stadt sind nach Angaben von Sanitätern und Augenzeugen mindestens drei Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Der Angriff traf ein Wohngebäude im belebten Zentrum der Stadt – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als viele Menschen vor dem muslimischen Opferfest Eid al-Adha unterwegs waren.
Getroffen wurde das sogenannte al-Kayali-Gebäude in einem der geschäftigsten Marktviertel von Gaza-Stadt. Augenzeugen berichten, dass mindestens fünf Raketen nahezu gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen eingeschlagen seien. Große Teile der oberen Stockwerke wurden zerstört.
Rettungskräfte und Zivilschutz suchten stundenlang nach Verschütteten. Wegen der massiven Schäden und der überfüllten Straßen kamen die Einsatzkräfte jedoch nur schwer voran.
Israel wollte offenbar Hamas-Kommandeur treffen
Das Büro des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu erklärte, Ziel des Angriffs sei Mohammed Odeh gewesen, ein führender Kommandeur des militärischen Hamas-Flügels. Israel bezeichnete ihn als einen der „Architekten“ der Terrorangriffe vom 7. Oktober 2023.
Ob Odeh bei dem Angriff tatsächlich getötet wurde, ist bislang unklar. Weder Israel noch die Hamas äußerten sich dazu offiziell.
Bereits Anfang Mai war sein Vorgänger Izz ad-Din al-Haddad bei einem ähnlichen Angriff auf ein Wohngebäude ums Leben gekommen.
Waffenruhe zunehmend nur noch auf dem Papier
Der Angriff verdeutlicht erneut, wie brüchig die bestehende Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas inzwischen geworden ist. Trotz offizieller Feuerpause führt Israel weiterhin regelmäßig Luftangriffe im Gazastreifen durch.
Die Hamas wirft Israel seit Monaten vor, systematisch gegen die Vereinbarungen zu verstoßen und gezielt zivile Gebiete anzugreifen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen wurden seit Beginn der Waffenruhe bereits mehr als 800 Menschen durch israelische Angriffe getötet.
Israel hingegen argumentiert, man habe weiterhin das Recht, Hamas-Mitglieder und militärische Infrastruktur anzugreifen. Gleichzeitig beschuldigt die israelische Regierung die Hamas, die Bedingungen der Waffenruhe ebenfalls zu verletzen, da die Organisation bislang nicht entwaffnet wurde.
Friedensplan steckt fest
Die weiteren Phasen eines von den USA unterstützten Friedensplans kommen seit Monaten kaum voran. Besonders die Frage einer Entwaffnung der Hamas gilt weiterhin als ungelöst.
Währenddessen versucht die Hamas offenbar erneut, ihre Kontrolle im Gazastreifen auszubauen. Berichten zufolge wurden Polizeikräfte reaktiviert und Verwaltungsstrukturen wieder gestärkt.
Die humanitäre Lage bleibt dramatisch. Große Teile des Gazastreifens sind zerstört, Millionen Menschen leben unter katastrophalen Bedingungen oder wurden vertrieben.
Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden seit Beginn des Krieges mehr als 72.000 Menschen im Gazastreifen getötet. Die Vereinten Nationen halten die Zahlen grundsätzlich für glaubwürdig.
Auch im Libanon eskaliert die Lage weiter
Parallel verschärft sich auch die Situation im Libanon. Dort wurden zuletzt mindestens elf Menschen bei israelischen Luftangriffen getötet. Israel erklärt, die Angriffe richteten sich gegen Stellungen der Hisbollah.
Ministerpräsident Netanjahu kündigte bereits an, die militärischen Operationen weiter auszuweiten. Damit wächst international die Sorge vor einer weiteren Eskalation im gesamten Nahen Osten.
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