Fast zwei Jahrzehnte nach Bekanntwerden ihrer Affäre mit dem heutigen kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom hat dessen frühere Mitarbeiterin Ruby Rippey ausführlich über die damalige Beziehung gesprochen. Dabei beschreibt sie nicht nur die Affäre selbst, sondern auch Alkoholabhängigkeit, den Zerfall ihrer damaligen Ehe und die besondere Machtkonstellation zwischen ihr und ihrem damaligen Vorgesetzten.
Rippey war Mitarbeiterin Newsoms, als dieser Bürgermeister von San Francisco war. Gleichzeitig war sie mit Alex Tourk, einem hochrangigen Mitarbeiter Newsoms, verheiratet.
Die Affäre wurde 2007 öffentlich und entwickelte sich zu einem politischen Skandal.
Newsom räumte die Beziehung damals öffentlich ein und entschuldigte sich. Nun schildert Rippey ihre Sicht auf die Ereignisse ausführlich in einem persönlichen Essay für Vanity Fair.
Mitarbeiterin, Ehefrau eines engen Newsom-Vertrauten – und Geliebte des Bürgermeisters
Die damalige Konstellation machte die Affäre politisch besonders brisant.
Rippey arbeitete als Appointments Secretary für Newsom und gehörte damit zur Stadtverwaltung von San Francisco.
Ihr damaliger Ehemann Alex Tourk war gleichzeitig Newsoms stellvertretender Stabschef.
Die Affäre fand damit nicht nur zwischen einem Bürgermeister und einer Mitarbeiterin statt. Newsom hatte eine Beziehung mit der Ehefrau eines engen Mitarbeiters aus seinem eigenen politischen Umfeld.
Rippey beschreibt heute, dass sie damals wenig über die möglichen Konsequenzen ihres Handelns nachgedacht habe.
Die Aufmerksamkeit ihres mächtigen Vorgesetzten habe auf sie eine starke Wirkung ausgeübt.
Gleichzeitig macht sie deutlich, dass die Affäre für sie nicht isoliert von einem anderen Problem betrachtet werden könne: ihrer damaligen Alkoholabhängigkeit.
Alkohol spielte eine zentrale Rolle
Rippey schildert ihre damalige Lebensphase als zunehmend außer Kontrolle geraten.
Nach einer Schwangerschaft hatte sie sich zunächst vorgenommen, keinen Alkohol zu trinken. Bei einer Hochzeit von Mitarbeitern im Jahr 2005 habe sie diese selbst auferlegte Abstinenz jedoch beendet.
An diesem Abend habe sie Wein und Champagner getrunken.
Später sei sie gemeinsam mit Newsom zum Carneros Inn gefahren. Am folgenden Morgen sei sie neben ihm aufgewacht.
Danach hätten sich die Grenzen zwischen beruflicher und privater Beziehung zunehmend aufgelöst.
Aus der ersten Begegnung entwickelte sich nach ihrer Darstellung eine monatelange Affäre.
Treffen in Hotels, Bars und Newsoms Wohnung
Rippey berichtet von Treffen an verschiedenen Orten.
Dazu gehörten Newsoms damalige Wohnung im San-Francisco-Stadtteil Russian Hill, ein separater Bereich einer Bar in North Beach sowie das W Hotel in Los Angeles.
Dabei sei Alkohol regelmäßig Teil der Begegnungen gewesen.
Rückblickend beschreibt Rippey die Beziehung nicht primär als Suche nach Sex. Für sie sei vielmehr das Gefühl entscheidend gewesen, Aufmerksamkeit zu erhalten, ausgewählt zu werden und sich in unmittelbarer Nähe zu Macht zu befinden.
Gleichzeitig verschlechterte sich ihre persönliche Situation.
Sie sei teilweise erst frühmorgens nach Hause gekommen und anschließend verkatert zur Arbeit gegangen.
Schließlich habe sie zusätzlich Kokain konsumiert.
Ihr Leben sei zunehmend außer Kontrolle geraten.
Schwester griff ein
Eine entscheidende Rolle spielte schließlich Rippeys Schwester.
Nach Rippeys Darstellung begann diese, sie nachts zu beobachten beziehungsweise ihr zu folgen, weil sie sich Sorgen um ihre Entwicklung machte.
Schließlich fragte die Schwester, ob Rippey bereit wäre, eine Entzugsklinik aufzusuchen, wenn ihr Vater die Behandlung bezahlen würde.
Rippey stimmte zu.
Sie begann eine stationäre Behandlung, gab ihre Position bei der Stadt San Francisco auf und beendete auch die Beziehung mit Newsom.
Nach knapp zwei Monaten kehrte sie nach Hause zurück und versuchte, ihr Leben als Mutter und Ehefrau wieder aufzunehmen.
Ihr Ehemann wusste zu diesem Zeitpunkt nach ihrer Darstellung noch nichts von der Affäre.
Unterschiedliche Erinnerungen daran, wie die Wahrheit bekannt wurde
Ein interessanter Punkt ihrer heutigen Schilderung betrifft die Frage, wie Alex Tourk von der Affäre erfuhr.
Newsom beschreibt in seinen eigenen Erinnerungen nach Rippeys Darstellung, dass er Tourk gegenüber die Wahrheit offengelegt habe.
Rippey erinnert sich anders.
Nach ihrer Version hatte sie ihrem damaligen Ehemann die Affäre bereits selbst gestanden, während Newsom sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos aufhielt.
Anschließend habe Newsom mehrfach versucht, sie telefonisch zu erreichen.
Für Rippey ist diese Abweichung auch nach fast zwei Jahrzehnten von Bedeutung. Ihrer Ansicht nach vermittelt Newsoms Darstellung den Eindruck, er selbst habe gegenüber Tourk für Klarheit gesorgt.
Sie sieht die entscheidende Offenlegung dagegen bei sich.
Newsom räumte die Affäre 2007 öffentlich ein
Als die Affäre 2007 öffentlich bekannt wurde, bestätigte Newsom die Berichte.
Der Skandal beendete seine politische Karriere allerdings nicht.
Newsom stieg in den folgenden Jahren weiter auf, wurde Vizegouverneur und schließlich Gouverneur von Kalifornien.
Sein Sprecher verwies nach Rippeys neuer Veröffentlichung darauf, dass Newsom bereits vor fast 20 Jahren Verantwortung für seinen Anteil übernommen und sich öffentlich entschuldigt habe.
Der Gouverneur habe das Kapitel außerdem in seinen eigenen Memoiren behandelt und wolle sich aus Respekt vor den Beteiligten nicht weiter dazu äußern.
Alte Affäre bekommt vor möglicher Präsidentschaftskandidatur neue Aufmerksamkeit
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist politisch interessant.
Newsoms Amtszeit als Gouverneur Kaliforniens nähert sich ihrem Ende. Gleichzeitig wird der Demokrat seit Langem als möglicher Kandidat für die US-Präsidentschaftswahl 2028 gehandelt.
Eine fast zwei Jahrzehnte alte Affäre wird damit erneut Teil der öffentlichen Betrachtung eines Politikers, dessen weitere Karriere möglicherweise auf die nationale Bühne führt.
Dabei dürfte heute insbesondere die damalige Machtkonstellation anders diskutiert werden als 2007.
Newsom war Bürgermeister und Rippey seine Mitarbeiterin.
Rippey sprach bereits während der MeToo-Debatte über ihre Verantwortung
Als Newsoms politische Gegner 2018 während der MeToo-Debatte die damalige Beziehung und das Machtgefälle thematisierten, äußerte sich Rippey öffentlich.
Sie betonte damals, dass sie zwar Newsom unterstellt gewesen sei, gleichzeitig aber eine erwachsene, verheiratete 33-jährige Frau und Mutter gewesen sei, die eigene Entscheidungen getroffen habe.
An dieser persönlichen Verantwortung hält sie grundsätzlich fest.
Ihre heutige Betrachtung ist jedoch differenzierter.
Sie erkennt an, dass Macht nicht erst durch offenen Zwang relevant werde. Bereits das bestehende Gefälle zwischen einem mächtigen Vorgesetzten und einer Mitarbeiterin könne eine Beziehung beeinflussen.
Gleichzeitig weist Rippey die Vorstellung zurück, sie sei lediglich passiv in die Affäre geraten.
Sie habe selbst Entscheidungen getroffen und trage dafür Verantwortung.
Für sie können beide Dinge gleichzeitig zutreffen: ihre persönliche Verantwortung und die Bedeutung des Machtgefälles.
„Die größten Kosten waren nicht öffentlich“
Besonders deutlich wird Rippey bei den Folgen für ihren damaligen Ehemann.
Der politische Skandal und die mediale Aufmerksamkeit seien nicht der größte Preis gewesen.
Schwerer wiege für sie, was sie Tourk angetan habe.
Ihre Ehe zerbrach letztlich.
Rippey beschreibt die Verletzung ihres damaligen Mannes heute als eine der schwersten Konsequenzen ihrer damaligen Entscheidungen.
Seit rund 20 Jahren trocken
Rippeys Leben sieht heute grundlegend anders aus.
Nach eigenen Angaben lebt sie seit rund 20 Jahren ohne Alkohol.
Sie wohnt in Mill Valley in Kalifornien, hat erneut geheiratet und mit ihrem zweiten Ehemann einen elfjährigen Sohn.
Über die Affäre hatte sie öffentlich über viele Jahre kaum gesprochen.
Nach Bekanntwerden des Skandals soll ihr sogar angeboten worden sein, ihre Geschichte in Form eines Buches zu veröffentlichen. Sie entschied sich dagegen.
Erst jetzt erzählt sie ausführlich, wie sie selbst diese Phase ihres Lebens erlebt hat.
Ein alter Skandal mit neuer politischer Bedeutung
Für Newsom ist die Affäre grundsätzlich keine neue Enthüllung. Er bestätigte sie bereits 2007 und entschuldigte sich öffentlich.
Neu ist vielmehr die ausführliche Perspektive der Frau, mit der er die Beziehung hatte.
Damit rücken Fragen in den Mittelpunkt, die heute stärker diskutiert werden als noch vor 20 Jahren: Welche Verantwortung trägt ein Vorgesetzter für persönliche Grenzen gegenüber Mitarbeitern? Welche Bedeutung hat ein Machtgefälle, wenn beide Beteiligten erwachsen sind und die Beziehung einvernehmlich eingehen? Und wie unterschiedlich können die Folgen derselben Affäre für zwei Menschen sein?
Für Newsom war die Affäre ein schwerer politischer Skandal, der seinen weiteren Aufstieg letztlich nicht verhinderte.
Für Rippey beschreibt sie dagegen einen Abschnitt einer persönlichen Krise, geprägt von Sucht, dem Ende ihrer Ehe und einem anschließenden jahrelangen Wiederaufbau ihres Lebens.
Gerade mit Blick auf eine mögliche Präsidentschaftskandidatur Newsoms 2028 dürfte diese fast 20 Jahre alte Geschichte nun erneut politische Aufmerksamkeit erhalten.
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