Rund eine Woche nach der spektakulären Freisetzung des Buckelwals aus der Ostsee gibt es neue Details zum Ablauf der Aktion – und sie lesen sich ein wenig wie das Drehbuch zu „Free Willy trifft Wasserstraßenamt“.
Die Hamburger Kanzlei Cronemeyer Haisch erklärte im Auftrag der Reederei des Schleppers „Robin Hood“ und dessen Crew, der Wal habe sich während des Transports in der schwimmenden Barge durch stärkeren Seegang einige Kratzer zugezogen. Übersetzt: Der Patient war seekrank, bevor er überhaupt wieder frei war.
Die gesamte Rettungsmission war von einer privaten Initiative organisiert worden, die den Wal zunächst barg und anschließend in einem gigantischen Wasserbecken Richtung Nordsee transportieren ließ. Fotos zeigten das Tier wie einen überdimensionierten Wellnessgast im größten mobilen Whirlpool Norddeutschlands.
Laut Kanzlei wurde die Freilassung bereits am 1. Mai eingeleitet – „auf Anweisung der Privatinitiative“. Dafür entfernte man ein Absperrnetz, damit die Barge offen war. Anschließend bekam der Wal mithilfe von Schläuchen eine Art XXL-Hebeschlinge verpasst. Der erste Versuch scheiterte allerdings. Offenbar war selbst der Wal nicht ganz überzeugt vom Ablaufplan.
Am nächsten Tag folgte Versuch Nummer zwei, begleitet von einem Experten des Whale Sanctuary Project aus den USA. Wegen des starken Wellengangs konnten weitere Beteiligte der Privatinitiative nicht mehr sicher auf das Schiff gebracht werden. Mit anderen Worten: Die See sagte irgendwann ebenfalls: „Leute, vielleicht reicht’s jetzt.“
Erneut wurde der Wal mit Schläuchen verbunden, diesmal mit Erfolg. Laut Darstellung der Kanzlei wurde die Konstruktion sofort gelöst, nachdem das Tier frei war. Der Wal habe noch einmal geatmet, sei halb abgetaucht an den Schiffen vorbeigeschwommen und schließlich verschwunden – ein Abgang irgendwo zwischen Hollywood-Finale und norddeutschem Hafenkino.
Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben bislang nicht. Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals ohnehin als gering eingeschätzt. Wo sich das Tier aktuell befindet und wie es ihm geht, weiß derzeit niemand. Vermutlich ist der Buckelwal inzwischen der einzige Beteiligte, der sich zu der ganzen Aktion konsequent nicht äußert.
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