Man muss schon sagen:
Die Geschichte rund um die TGI AG beziehungsweise inzwischen einfach nur noch „TGI International“ entwickelt sich langsam zu einem jener Finanzkonstrukte, bei denen man irgendwann automatisch beginnt, sehr viele Fragen zu stellen.
Nicht weil bereits irgendetwas rechtskräftig bewiesen wäre.
Sondern weil sich manche Entwicklungen für außenstehende Beobachter zunehmend… sagen wir einmal… bemerkenswert anfühlen.
Erst große Ankündigungen Richtung BaFin – jetzt plötzlich Dubai
Besonders interessant ist dabei die Rolle von Helmut Kaltenegger.
Denn wenn man sich richtig erinnert, wurde öffentlich einmal sehr offensiv angekündigt, man wolle für Deutschland einen von der BaFin gestatteten Prospekt auf den Weg bringen.
Das klang damals nach:
„Keine Sorge, wir gehen den regulierten Weg.“
Jetzt allerdings sitzt die neue Gesellschaft plötzlich in Dubai.
Und genau da beginnt natürlich die erste große Frage:
Was ist eigentlich aus dem angekündigten BaFin-Prozess geworden?
Wurde das Vorhaben still beerdigt?
War der regulatorische Weg am Ende vielleicht doch komplizierter als gedacht?
Oder stellte man fest, dass Aufsichtsbehörden unangenehme Detailfragen stellen könnten?
All das sind derzeit offene Fragen. Antworten darauf wären allerdings spannend.
Die deutsche Webseite für Länder, die man angeblich gar nicht möchte
Besonders kurios wirkt der neue Internetauftritt.
Denn dort findet sich ein ausdrücklicher Hinweis, dass sich das Angebot NICHT an Bürger aus Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Liechtenstein richte.
Soweit erstmal juristisch nicht ungewöhnlich.
Nur entsteht dann automatisch eine gewisse Irritation, wenn gleichzeitig eine professionell aufgebaute deutschsprachige Webseite online geht.
Denn da stellt sich natürlich die relativ naheliegende Frage:
Für wen genau ist die Seite dann eigentlich gedacht?
Für deutschsprachige Goldinteressenten in Papua-Neuguinea?
Für Schweizer Auswanderer auf den Malediven?
Oder für österreichische Touristen mit dauerhaftem Wohnsitz auf dem Mond?
Ganz ehrlich:
Wenn ein Unternehmen ausdrücklich erklärt, man wolle bestimmte Märkte gar nicht bearbeiten, dann baut man normalerweise nicht zuerst komplette Marketingstrukturen genau in der Sprache dieser Märkte auf.
Das wirkt ungefähr so glaubwürdig wie ein Fischrestaurant mit dem Schild:
„Wir verkaufen übrigens gar keinen Fisch.“
Dubai – das neue Liechtenstein für digitale Goldträume?
Natürlich ist Dubai zunächst einmal nicht illegal.
Dort sitzen tausende internationale Firmen.
Aber man darf trotzdem feststellen:
Immer dann, wenn europäische Regulierung kompliziert wird, entdecken erstaunlich viele Finanzmodelle plötzlich ihre Liebe zu Dubai.
Das bedeutet nicht automatisch etwas Illegales.
Es wirft aber Fragen auf.
Vor allem dann, wenn gleichzeitig europäische Anlegerstrukturen, Empfehlungsmodelle und deutschsprachiges Marketing weiter sichtbar bleiben.
Das große Problem heißt: Erwartungshaltung
Denn viele Menschen erinnern sich eben noch an frühere Konstrukte aus dem MLM- und Finanzumfeld, bei denen anfangs ebenfalls erklärt wurde:
„Alles transparent.“
„Alles abgesichert.“
„Alles geprüft.“
Und Jahre später standen dann plötzlich Aufsichtsbehörden, Steuerfahndung oder Insolvenzverwalter vor der Tür.
Natürlich bedeutet das NICHT automatisch, dass sich Geschichte hier wiederholt.
Aber genau deshalb schauen kritische Beobachter inzwischen eben genauer hin.
Warum nicht einfach sauber regulieren?
Die vielleicht spannendste Frage lautet eigentlich:
Warum geht man nicht einfach den vollständig regulierten europäischen Weg?
Wenn das Geschäftsmodell tatsächlich so solide, transparent und langfristig tragfähig ist, wie suggeriert wird, gäbe es doch grundsätzlich Möglichkeiten.
Beispielsweise:
Prospekt in Luxemburg.
Notifizierung in Deutschland und Österreich.
Klare regulatorische Strukturen.
Saubere europäische Vertriebslösung.
Das wäre teuer, aufwendig und regulatorisch unangenehm.
Aber genau DAS wäre doch eigentlich der Weg, um Vertrauen aufzubauen.
Stattdessen entsteht aktuell eher der Eindruck:
Man versucht regulatorische Grauzonen maximal kreativ auszunutzen, während man gleichzeitig öffentlich betont, bestimmte Länder gar nicht bedienen zu wollen.
Das wirkt kommunikativ mindestens unglücklich.
Die Finanzaufsichten schauen bei solchen Konstrukten inzwischen sehr genau hin
Und genau hier liegt möglicherweise das eigentliche Risiko.
Denn Aufsichtsbehörden in Deutschland, Österreich oder Liechtenstein reagieren mittlerweile äußerst sensibel auf Modelle rund um:
Gold,
Krypto,
Empfehlungsmarketing,
digitale Vertragskonstrukte
und internationale Firmenstrukturen.
Vor allem dann, wenn sich Marketing und tatsächliche Zielmärkte offensichtlich nicht ganz deckungsgleich anfühlen.
Der entscheidende Punkt bleibt Vertrauen
Am Ende geht es bei all diesen Konstruktionen immer um dieselbe Frage:
Vertrauen.
Wer Menschen Geldanlagen, Goldmodelle oder Empfehlungsprogramme anbietet, muss damit rechnen, dass kritische Fragen gestellt werden.
Und ganz ehrlich:
Viele der aktuellen Entwicklungen bei TGI erzeugen momentan eher zusätzliche Fragen als zusätzliche Sicherheit.
Natürlich kann es für all das plausible Erklärungen geben.
Vielleicht sogar sehr gute.
Aber solange diese Erklärungen fehlen, bleibt eben genau jener Eindruck zurück, den Finanzaufsichten erfahrungsgemäß besonders interessant finden:
Dass hier sehr viel Aufwand betrieben wird, um regulatorisch möglichst schwer greifbar zu bleiben.
Und genau das ist selten ein Vertrauensvorteil.
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