Trotz der angekündigten Waffenruhe zwischen den USA und Iran bleibt die Lage in der Straße von Hormus hochgradig unerquicklich. Denn Schiffe im Golf sollen nach Angaben des Schifffahrtsmaklers SSY eine klare Warnung aus Iran erhalten haben: Wer die Meerenge ohne Genehmigung durchfahren wolle, werde „angegriffen und zerstört“. Damit ist eines deutlich: Von normalem Schiffsverkehr kann auch nach der großen politischen Verkündung bislang keine Rede sein.
Zwar war die zweiwöchige Waffenruhe ausdrücklich an die Bedingung geknüpft, dass ein „sicherer Transit“ durch die Straße von Hormus gewährleistet werde. In der Praxis sieht das aber bisher eher nach kontrollierter Ausnahme als nach echter Öffnung aus. Nach Auswertung von Schiffsdaten hatten bis Mittwochmittag gerade einmal drei Frachter die Passage seit Verkündung der Feuerpause durchquert. Vor Beginn des Konflikts lag der Schnitt bei rund 138 Schiffen pro Tag.
Die Straße von Hormus ist für die Weltwirtschaft kein Nebenschauplatz, sondern eine der sensibelsten Schlagadern überhaupt. Rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und LNG-Transports läuft durch diese enge Passage. Dazu kommen Chemikalien und Vorprodukte, die für Mikrochips, Pharmazeutika oder Düngemittel benötigt werden. Entsprechend nervös reagiert die globale Logistikbranche: Die Ölpreise gaben zwar nach Bekanntwerden der Waffenruhe nach, doch in der Schifffahrt überwiegt weiterhin die Skepsis.
Analysten betonen, dass Reedereien derzeit schlicht nicht wissen, unter welchen Bedingungen eine sichere Passage überhaupt möglich ist. Viele gehen davon aus, dass faktisch weiterhin die Revolutionsgarden (IRGC) bestimmen, wer passieren darf und wer nicht. Wie dieses „Genehmigungssystem“ konkret funktioniert, ist unklar. BBC-Analysen zeigen zudem, dass die wenigen Schiffe, die durchkamen, auffällig nah an der iranischen Küste fuhren – also eher unter iranischer Kontrolle als auf üblichen Routen.
Hinzu kommt ein weiterer heikler Punkt: Es gibt Berichte, wonach Iran Gebühren oder Mautzahlungen für die Passage verlangen könnte. Das wäre für viele Reedereien ein juristischer Albtraum, denn solche Zahlungen könnten unter Umständen gegen US-Sanktionen verstoßen.
Besonders brisant: Schätzungen zufolge sitzen derzeit fast 800 Schiffe im Golf fest, viele davon bereits voll beladen. Selbst wenn die Passage schrittweise wieder geöffnet wird, dürfte der Rückstau noch lange nachwirken.
Die Märkte feiern also vorerst die Richtung – die Schifffahrt dagegen sieht vor allem die Realität:
Die Straße von Hormus ist politisch vielleicht „offen“, operativ aber weiter ein Risiko-Korridor mit Genehmigungsvorbehalt, Minengefahr und massiver Unsicherheit.
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