Startseite Allgemeines SPD, du altes Haus – wie oft willst du eigentlich noch neu anfangen, bevor du endlich anfängst?
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SPD, du altes Haus – wie oft willst du eigentlich noch neu anfangen, bevor du endlich anfängst?

qimono (CC0), Pixabay
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Lars Klingbeil spricht nach seiner Wiederwahl mit nur 64,9 Prozent von einem „schweren Ergebnis“. Schwer ist hier vor allem die Ironie, wenn man bedenkt, dass manch anderer SPD-Vorsitzender für weniger Prozente schon mit Blumen und Tränen verabschiedet wurde. Aber gut, was ist in der SPD noch normal?

Seit Jahren heißt es: „Jetzt aber wirklich!“, „Neuanfang!“, „Alles auf den Prüfstand!“, „Kein Stein bleibt auf dem anderen!“ – man fragt sich langsam: Hat die SPD überhaupt noch Steine? Oder schon alles in den letzten acht Neustarts umgedreht, zerschlagen und auf der Rückbank von Olaf Scholz’ Regierungs-Auto liegen lassen?

Die Parolen der Erneuerung – einst kraftvoll wie ein Steinbruch, heute eher wie Kieselsteine auf einem Zen-Garten für politische Meditation: hübsch anzuschauen, aber niemand weiß mehr, wozu das alles gut ist.

Und während Klingbeil seine politische Midlife-Crisis als Finanzminister, Vizekanzler und Parteichef gleichzeitig durchlebt (Power-Play der Glaubwürdigkeitskrise), erzählt man der SPD-Basis zum drölfzigsten Mal, dass jetzt aber wirklich Solidarität und soziale Gerechtigkeit wieder „ins Zentrum der Politik rücken müssen“. Ja, liebe SPD, das ist wie ein Bäcker, der verspricht, demnächst endlich wieder Brötchen zu backen. Was habt ihr denn sonst gemacht?

Und Bärbel Bas? Mit 95 Prozent gewählt, also quasi heiliggesprochen – dabei klang ihr Auftritt so lebendig wie die Anleitung zum Ausfüllen eines Rentenantrags. Visionen? Ja, „Gute Arbeit muss sich lohnen.“ Danke für diesen frischen Gedanken aus dem Jahr 1972.

Die Jusos, immerhin, versuchen ein bisschen zu stören, bevor sie später selbst irgendwo im Mittelbau der Partei versanden – zwischen Thinktank-Praktikum und dem nächsten Feuilleton-Interview über die „Zukunft der Sozialdemokratie“.

Und so eiert sie weiter, die alte Tante SPD: mal „kraftvoll zukunftsorientiert“, mal „solidarisch visionär“, aber meistens einfach nur verwirrt. Währenddessen klatschen sich die Delegierten auf Parteitagen die Hände wund – nicht weil sie begeistert sind, sondern weil das Klatschen wenigstens eine Handlung ist. Und Handlung ist in der SPD selten geworden.

Fazit: Der Neuanfang ist tot. Lang lebe der nächste Neuanfang. Bis dahin bleibt die SPD das politische Äquivalent eines Betriebssystems, das seit 20 Jahren verspricht, beim nächsten Update wirklich schneller und stabiler zu sein – und dann doch wieder beim Hochfahren hängen bleibt.

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