Quinoa, Dinkel, Emmer oder Hirse gelten oft als besonders gesund – doch ganz so eindeutig ist die Sache laut Fachleuten nicht. Der eigentliche Vorteil liegt häufig weniger im Alter des Korns als in der Art, wie es verarbeitet wird.
Sogenannte Urgetreide oder alte Getreidesorten erleben seit Jahren ein Comeback. Ihnen wird nachgesagt, nährstoffreicher und gesünder zu sein als moderne Sorten wie Weizen oder Mais. Wissenschaftler sehen das jedoch differenzierter.
Der wichtigste Punkt: Nicht jedes alte Getreide ist automatisch gesünder. Entscheidend ist vor allem, ob es als Vollkorn gegessen wird. Vollkornprodukte enthalten mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe, weil sie im Gegensatz zu raffinierten Produkten ihre natürlichen Bestandteile behalten.
Viele der gesundheitlichen Vorteile, die alten Getreiden zugeschrieben werden, hängen genau damit zusammen: Sie werden häufiger weniger stark verarbeitet und deshalb öfter in ihrer ursprünglichen Form verzehrt.
Einige alte Sorten haben dennoch besondere Vorteile. Quinoa etwa ist glutenfrei und wurde in Studien mit besseren Blutzuckerwerten in Verbindung gebracht. Auch Hirse oder Fonio gelten als interessant, weil sie für Menschen mit Glutenunverträglichkeit geeignet sind. Fachleute betonen jedoch, dass die Studienlage im Vergleich zu klassischen Getreidesorten noch begrenzt ist.
Zudem zeigen Untersuchungen, dass moderne Getreide durch Züchtung zwar teils etwas an Mineralstoffen verloren haben könnten, insgesamt aber nicht grundsätzlich ernährungsphysiologisch minderwertig sind.
Neben der Gesundheit spielt auch das Klima eine Rolle: Einige alte Getreidesorten gelten als robuster gegen Trockenheit und benötigen weniger Pestizide. Deshalb werden sie in Zeiten des Klimawandels auch für die Landwirtschaft wieder interessanter.
Das Fazit der Forschung fällt überraschend nüchtern aus: Der Hype um alte Getreidesorten ist nur teilweise gerechtfertigt. Wichtiger als „alt“ oder „modern“ ist, abwechslungsreich zu essen – und möglichst oft Vollkorn zu wählen.
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