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Wann holt Deutschland sein Gold zurück aus einer unberechenbaren USA, Herr Merz?

qimono (CC0), Pixabay
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Frankreich hat gehandelt. Die Niederlande handeln jetzt ebenfalls. Und Deutschland?

Während immer mehr europäische Staaten ihre Goldreserven neu ordnen und dabei offensichtlich stärker auf Europa setzen, lagert ein erheblicher Teil des deutschen Goldes weiterhin in den USA. Angesichts einer amerikanischen Politik, die unter Präsident Donald Trump zunehmend schwer vorhersehbar erscheint, darf man deshalb eine einfache Frage stellen:

Warum eigentlich?

Natürlich entscheidet Bundeskanzler Friedrich Merz nicht persönlich darüber, ob morgen ein Flugzeug nach New York geschickt wird, um deutsche Goldbarren abzuholen. Über die Goldreserven entscheidet die unabhängige Deutsche Bundesbank. Aber die politische und strategische Debatte darüber, wie abhängig Deutschland von den USA bleiben möchte, gehört sehr wohl auf den Tisch.

Die Niederländer machen vor, wie es geht

Die niederländische Zentralbank DNB hat jetzt bekannt gegeben, 86 Tonnen Gold aus ihren nordamerikanischen Beständen anders verteilt zu haben.

Dabei wurden nicht einfach 86 Tonnen Barren in ein Flugzeug geladen. Rund 59 Tonnen wurden in New York verkauft und gleichzeitig entsprechendes Gold in London gekauft. Weitere 27 Tonnen wurden zwischen März und August tatsächlich physisch aus Nordamerika in die Niederlande gebracht.

Die Begründung der DNB klingt ausgesprochen nüchtern:

„Zunehmende geopolitische Unruhen.“

Das ist Zentralbank-Sprache.

Übersetzt heißt das ungefähr:

Die Welt wird ungemütlicher, also wollen wir unser Vermögen dort haben, wo wir im Ernstfall möglichst schnell darauf zugreifen können.

Kann man nachvollziehen.

Frankreich hat sein US-Gold bereits zurückgeholt

Auch Frankreich hat Anfang des Jahres seine letzten in den USA gelagerten Goldreserven nach Europa gebracht.

Ein direkter Zusammenhang mit Donald Trump wurde damals bestritten.

Natürlich.

Zentralbanken formulieren solche Entscheidungen normalerweise nicht mit:

„Wir wissen nicht, was der Mann im Weißen Haus nächste Woche macht.“

Aber man muss auch nicht besonders fantasievoll sein, um zu erkennen, dass sich die geopolitische Lage verändert hat.

Trump attackiert die amerikanische Notenbank Fed, führt Handelskonflikte selbst mit engen Verbündeten und benutzt Zölle inzwischen fast wie andere Politiker Pressemitteilungen.

Mal gegen China.

Mal gegen Kanada.

Mal gegen Europa.

Und manchmal fragt man sich morgens beim Kaffee, welches Land bis zum Mittag noch drankommt.

Und Deutschland vertraut weiter auf New York?

Genau deshalb stellt sich die Frage nach den deutschen Goldreserven neu.

Deutschland besitzt einen der größten staatlichen Goldbestände der Welt. Ein beträchtlicher Teil davon wird traditionell bei der Federal Reserve Bank of New York verwahrt.

Das hatte jahrzehntelang gute Gründe.

New York ist eines der wichtigsten Finanzzentren der Welt, Gold kann dort schnell gehandelt werden und die USA waren für Deutschland der zentrale sicherheitspolitische Partner.

Aber die entscheidende Frage lautet nicht:

War diese Entscheidung 1980 sinnvoll?

Sondern:

Ist sie 2026 noch genauso sinnvoll?

Strategien darf man gelegentlich überprüfen.

Vor allem dann, wenn sich die Welt verändert.

Gold ist schließlich die Versicherung für den Ernstfall

Goldreserven hält ein Staat beziehungsweise eine Zentralbank nicht, weil die Barren im Keller hübsch aussehen.

Gold ist eine strategische Reserve.

Es soll Vertrauen schaffen.

Es soll in Krisen verfügbar sein.

Und gerade deshalb sollte man sich fragen, wo diese Versicherung eigentlich liegen sollte.

Wenn Deutschland eines Tages in eine schwere Finanz-, Währungs- oder geopolitische Krise geraten würde, möchte man dann wirklich darauf angewiesen sein, dass ein erheblicher Teil dieser Reserve Tausende Kilometer entfernt auf amerikanischem Boden liegt?

Unter einem Präsidenten, dessen politische Entscheidungen selbst enge Verbündete regelmäßig überraschen?

Vielleicht geht alles immer gut.

Aber Risikovorsorge besteht bekanntlich nicht darin, davon auszugehen, dass immer alles gutgeht.

Vertrauen ist gut – Zugriff ist besser

Niemand behauptet deshalb, dass die Vereinigten Staaten morgen deutsches Gold beschlagnahmen würden.

Dafür gibt es derzeit keinen belastbaren Anlass.

Eine solche Behauptung wäre unseriös.

Aber darum geht es auch gar nicht.

Es geht um Risikostreuung und strategische Souveränität.

Genau dieses Argument benutzen jetzt die Niederländer.

Die DNB will ihre Bestände besser verteilen und in einer Krise schneller reagieren können.

Das klingt erstaunlich vernünftig.

Warum sollte Deutschland dieselbe Diskussion nicht führen?

Deutschland hat schon einmal Gold zurückgeholt

Die Bundesbank hat in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass eine Rückverlagerung möglich ist. Über Jahre wurden große Mengen aus dem Ausland nach Frankfurt gebracht.

Warum sollte man diesen Weg nicht konsequent fortsetzen?

Natürlich muss nicht jeder einzelne Barren nach Deutschland.

Eine Reserve in London ergibt wegen des dortigen Goldmarktes durchaus Sinn. Auch eine gewisse geografische Verteilung kann vernünftig sein.

Aber Diversifikation bedeutet eben auch:

Nicht zu viel an einem einzigen Ort lagern.

Und erst recht nicht aus Gewohnheit.

Ausgerechnet Europa sollte daraus lernen

Europa spricht ständig von strategischer Autonomie.

Bei Energie.

Bei Rüstung.

Bei Halbleitern.

Bei Rohstoffen.

Bei Cloud-Infrastruktur.

Bei Zahlungsverkehr.

Nur beim eigenen Gold soll plötzlich gelten:

Liegt schon seit Jahrzehnten in New York, wird schon passen.

Das überzeugt immer weniger.

Wenn europäische Staaten feststellen, dass sie bei Energie, Verteidigung und Technologie zu abhängig geworden sind, wäre es ziemlich merkwürdig, ausgerechnet bei den ultimativen finanziellen Reserven jede Diskussion über Abhängigkeiten für überflüssig zu erklären.

Herr Merz, stellen Sie wenigstens die Frage

Noch einmal: Friedrich Merz kann der Bundesbank keine Weisung erteilen, morgen die Tresore in New York räumen zu lassen.

Und das ist auch richtig so.

Die Unabhängigkeit der Bundesbank sollte nicht angetastet werden.

Aber ein Bundeskanzler kann eine politische Debatte darüber führen, wie Deutschland seine strategische Widerstandsfähigkeit stärkt.

Und er kann öffentlich fragen:

Ist die derzeitige Lagerung der deutschen Goldreserven angesichts der geopolitischen Veränderungen noch optimal?

Frankreich hat Konsequenzen gezogen.

Die Niederlande verteilen ihre Reserven neu.

Andere Staaten werden diese Frage ebenfalls stellen.

Deutschland sollte nicht erst darüber nachdenken, wenn eine Krise bereits da ist.

Denn Gold ist die Reserve für den Moment, in dem Vertrauen knapp wird.

Und genau deshalb sollte es dort liegen, wo Deutschland und Europa im Ernstfall möglichst sicher und unmittelbar darauf zugreifen können.

Die Frage ist also nicht, ob Amerika morgen zum Risiko wird.

Die Frage lautet:

Warum sollte Deutschland warten, bis es eines ist?

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