Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat vor Gericht eine empfindliche Niederlage erlitten. Eine Bundesrichterin im Bundesstaat Massachusetts ordnete an, dass sämtliche in den vergangenen Monaten entfernten oder veränderten Informationstafeln in amerikanischen Nationalparks wiederhergestellt werden müssen. Zudem untersagte sie der Regierung vorerst weitere Eingriffe in Ausstellungen und historische Darstellungen.
In ihrem ungewöhnlich scharf formulierten Urteil wirft Richterin Angel Kelley der Regierung vor, Geschichte politisch zu filtern.
„Unter dem Vorwand, die amerikanische Würde zu fördern, versucht diese Regierung eine eingeschränkte Version der Geschichte zu präsentieren“, schrieb Kelley. Statt eines vollständigen Bildes würden lediglich „Halbwahrheiten“ vermittelt.
Die Wiederherstellung aller betroffenen Schilder und Ausstellungen muss nach ihrer Anordnung bis zum 3. Juli erfolgen – rechtzeitig vor den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit.
Streit um „wahre amerikanische Geschichte“
Auslöser des Rechtsstreits war ein Dekret Trumps aus dem Jahr 2025 mit dem Titel „Wahrheit und Vernunft in die amerikanische Geschichte zurückbringen“. Darin hatte der Präsident das Innenministerium angewiesen, gegen Inhalte vorzugehen, die Amerika oder Amerikaner „unangemessen herabwürdigen“.
Kritiker sahen darin den Versuch, unbequeme Kapitel der US-Geschichte aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verdrängen. Nach Angaben der Initiative Save Our Signs wurden mindestens 45 Schilder, Ausstellungen und Informationstafeln verändert oder entfernt.
Betroffen waren Themen wie:
- die Geschichte indigener Völker,
- die Folgen des Klimawandels,
- Sklaverei und Rassismus,
- sowie Gewalt gegen Native Americans.
Massaker verschwindet von einer Tafel
Besonders symbolträchtig war ein Fall im Grand-Teton-Nationalpark in Wyoming.
Dort wurde eine Informationstafel entfernt, die auf die Beteiligung des Entdeckers Gustavus Cheyney Doane am Massaker an mindestens 173 Angehörigen der Piegan-Blackfeet im 19. Jahrhundert hinwies.
Auch im Fort Sumter National Monument in South Carolina verschwand eine Ausstellung, die vor den langfristigen Folgen des steigenden Meeresspiegels für die historische Anlage warnte.
Nationalparks als „größtes Klassenzimmer Amerikas“
Geklagt hatte ein Bündnis aus Naturschutz- und Geschichtsorganisationen. Sie warfen der Regierung vor, Geschichte umzuschreiben und wissenschaftliche Erkenntnisse zu unterdrücken.
Für die Kläger ist das Urteil ein bedeutender Erfolg.
„Das ist eine verdammt große Sache“, sagte Alan Spears von der National Parks Conservation Association dem Sender CNN. Die Entscheidung setze der „Zensur, Beschönigung und politischen Säuberung historischer Inhalte“ vorerst ein Ende.
Richterin Kelley betonte in ihrem Urteil die besondere Rolle der Nationalparks.
„Nationalparks sind Amerikas größtes Klassenzimmer“, schrieb sie. Ihre Aufgabe sei es, die Geschichten derjenigen zu erzählen, die Geschichte geschrieben haben – ebenso wie die derjenigen, die lange überhört wurden.
Die Schönheit der Geschichte bestehe gerade darin, „unverfälschte Wahrheiten“ zu vermitteln und nicht politisch ausgewählte Ausschnitte.
Scharfe Reaktion aus Trumps Lager
Das Innenministerium reagierte empört auf die Entscheidung. Eine Sprecherin bezeichnete Kelley als „liberale Aktivistenrichterin“ und kündigte an, mögliche Rechtsmittel zu prüfen.
Gleichzeitig nutzte die Behörde die Gelegenheit für eine politische Botschaft. In einer Erklärung lobte sie Trump als
„größten Präsidenten in der Geschichte unseres Landes“
und verwies auf die Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr „America 250“.
Kampf um die Deutungshoheit
Der Fall zeigt exemplarisch, wie sehr der Kulturkampf in den USA inzwischen auch Museen, Gedenkstätten und Nationalparks erfasst hat. Während Trumps Anhänger eine patriotischere Darstellung der amerikanischen Geschichte fordern, warnen Kritiker vor staatlich verordneter Geschichtskosmetik.
Vorerst hat nun ein Gericht klargestellt: Wer Geschichte erzählt, darf ihre dunklen Kapitel nicht einfach abhängen wie ein unerwünschtes Schild an einem Wanderweg.
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