Donald Trump feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag – und sitzt weiterhin im mächtigsten Büro der Welt. Der US-Präsident gehört damit zu den ältesten Staats- und Regierungschefs weltweit. Doch Trump ist längst kein Einzelfall: Immer mehr Amerikaner arbeiten bis weit über das klassische Rentenalter hinaus.
Während in Deutschland viele Beschäftigte dem Ruhestand entgegenfiebern, sieht die Realität in den USA oft anders aus. Dort wächst die Zahl der Menschen, die auch mit 70, 80 oder sogar 90 Jahren noch beruflich aktiv sind.
Der Arzt, der mit 95 in Rente ging
Einer von ihnen ist Arthur Rose aus Michigan. Erst im Februar verabschiedete sich der Internist nach mehr als 65 Jahren Berufstätigkeit aus seiner Praxis – an seinem 95. Geburtstag.
„Die Arbeit hat mir einfach nicht mehr dieselbe Freude gemacht wie früher“, sagt Rose rückblickend.
Einige seiner Patienten begleiteten ihn über Jahrzehnte. Manche kamen als Teenager zu ihm und erschienen noch 50 Jahre später in seiner Praxis.
Mit typisch trockenem Humor kommentiert er das heute so:
„Dass sie nach 50 Jahren immer noch zu mir kamen, zeigt wohl, wie schlecht mein Job gewesen sein muss.“
Arbeiten statt Ruhestand
Laut Daten des Pew Research Center hat sich der Anteil der arbeitenden Amerikaner über 65 seit den 1980er-Jahren vervierfacht. Rund 19 Prozent dieser Altersgruppe sind weiterhin berufstätig.
Die Gründe sind unterschiedlich:
- steigende Lebenshaltungskosten,
- bessere medizinische Versorgung,
- längere Lebenserwartung,
- und der Wunsch nach sozialem Kontakt sowie Sinnstiftung.
Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass fast 30 Prozent der Rentner über eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt nachdenken. Für viele spielt das Geld eine Rolle, für andere schlicht die Freude an der Beschäftigung.
„Arbeit hält mich jung“
Auch Harriet Newman Cohen gehört zu dieser Generation. Die 93-jährige Scheidungsanwältin steht noch immer vor Gericht, hat gerade ihre Memoiren veröffentlicht und gründete mit 88 Jahren gemeinsam mit ihrer Tochter eine neue Kanzlei.
Für sie ist die Sache eindeutig:
„Arbeiten hält mich jung, energiegeladen und neugierig.“
Ihr Geheimnis? Mehr als acht Stunden Schlaf pro Nacht, viel Lesen und ständige Gespräche mit anderen Menschen.
Die Schattenseite des Alters
Doch die Debatte über ältere Arbeitnehmer hat auch eine andere Seite.
Spätestens seit Joe Bidens Rückzug aus dem Präsidentschaftswahlkampf 2024 wird in den USA intensiv über die Belastbarkeit hochbetagter Politiker diskutiert. Nach mehreren schwachen öffentlichen Auftritten wurden damals Zweifel an Bidens geistiger Fitness laut.
Auch bei Trump werden immer wieder Fragen zu seinem Gesundheitszustand gestellt.
Demokratische Politiker präsentierten zuletzt Videos, die den Präsidenten angeblich schlafend bei Veranstaltungen zeigen sollen. Außenminister Marco Rubio wies die Vorwürfe scharf zurück.
„Das Gegenteil ist der Fall. Der Mann schläft praktisch nie“, sagte Rubio.
Das Weiße Haus verweist auf aktuelle medizinische Untersuchungen, die Trump eine „ausgezeichnete Gesundheit“ bescheinigen.
Stress macht alt
Alternsforscher Gordon Lithgow vom Buck Institute weist darauf hin, dass das eigentliche Problem oft nicht das Alter selbst sei.
Entscheidend seien Schlaf, Bewegung, Ernährung und der Umgang mit Stress.
„Chronischer Stress kann den Alterungsprozess massiv beschleunigen“, erklärt Lithgow.
Vor allem Schlaf sei für Regeneration und Zellreparatur unverzichtbar.
Geld hilft beim Älterwerden
Eine weitere Erkenntnis der Forschung dürfte wenig überraschen: Wer über finanzielle Mittel verfügt und Zugang zu guter medizinischer Versorgung hat, altert statistisch gesünder.
Genetische Faktoren spielen nach Ansicht vieler Experten dagegen eine deutlich geringere Rolle als lange angenommen.
Und Trump?
Ob Donald Trump mit 80 Jahren tatsächlich ein Beispiel für gesundes Altern ist oder eher ein außergewöhnlicher Sonderfall, darüber werden Experten und politische Gegner weiterhin streiten.
Sicher ist jedoch: Die Vorstellung, dass das Berufsleben mit Mitte 60 endet, verliert in den USA zunehmend an Bedeutung.
Arthur Rose, der mit 95 Jahren seine letzte Sprechstunde hielt, kann dem viel abgewinnen.
Was sein persönliches Erfolgsrezept sei, werde er oft gefragt.
Seine Antwort fällt denkbar schlicht aus:
„Ich habe nie geraucht. Und hin und wieder gönne ich mir einen Schnaps.“
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