Vor wenigen Wochen herrschte bei vielen Republikanern noch echte Untergangsstimmung. Donald Trumps Umfragewerte rutschten ab, die Inflation nervte die Wähler, der Iran-Krieg belastete die Stimmung – und plötzlich wirkte die Mehrheit im Repräsentantenhaus so stabil wie ein Gartenstuhl aus dem Baumarkt.
Selbst republikanische Veteranen wurden nervös. Ex-Sprecher Newt Gingrich erklärte im April trocken: „Wenn heute gewählt würde, würden die Republikaner verlieren.“
Doch dann passierte in Amerika etwas, das in funktionierenden Demokratien normalerweise nur Politikwissenschaftler in Albträumen beschäftigt: Die Gerichte griffen ein – und plötzlich wurde aus Panik wieder Zuversicht.
Der Wahlkreis als Kunstform
Zunächst kassierte Virginias Oberstes Gericht neue Wahlkarten, die den Demokraten wohl vier zusätzliche Sitze gebracht hätten. Republikaner jubelten sofort, als hätte man gerade den Super Bowl gewonnen.
Noch wichtiger aber war eine Entscheidung des Supreme Court. Das konservative Gericht erklärte sinngemäß: Wahlkreise dürfen weiterhin politisch zurechtgebogen werden wie Brezeln auf einem Jahrmarkt – solange man es nicht zu offensichtlich rassistisch macht.
Die jahrzehntelange Praxis, Minderheiten stärker zu schützen, wurde damit massiv geschwächt. Republikanische Bundesstaaten reagierten ungefähr so zurückhaltend wie Kinder im Süßwarenladen nach Ladenschluss.
Gerrymandering? Nein, natürlich nur „präzise Demokratie“
In Tennessee wurden Wahlkreise sofort so neu gezeichnet, dass Republikaner künftig in allen neun Distrikten beste Chancen haben. Louisiana schob noch schnell neue Karten durchs Parlament, Alabama arbeitet daran, South Carolina diskutiert hektisch nach.
Das Prinzip ist simpel: Wenn die Wähler nicht perfekt passen, passt man eben die Wahlkreise an.
Demokraten sprechen empört von „Wahlmanipulation“, Republikaner nennen es eher eine kreative Interpretation geografischer Möglichkeiten.
Die große amerikanische Kartografie-Meisterschaft
Besonders ironisch: Beide Parteien werfen sich gegenseitig exakt dasselbe vor. Während Republikaner im Süden Wahlkreise neu zuschneiden, basteln Demokraten in Kalifornien und anderen Staaten ebenfalls fleißig an politischen Landkarten.
Amerikas Demokratie erinnert damit zunehmend an einen Wettbewerb im Linienziehen – mit der subtilen Eleganz eines Wrestlingkampfs.
Trump bleibt das Risiko
Ganz sorgenfrei sind die Republikaner trotzdem nicht. Denn selbst die schönsten Wahlkreise helfen nur begrenzt, wenn die Wähler dauerhaft schlechte Laune haben.
2018 verloren die Republikaner trotz besserer Trump-Werte gleich 40 Sitze. Und auch diesmal könnten Inflation, Krieg und wirtschaftliche Sorgen jede noch so kreative Wahlkreis-Geometrie zerstören.
Die Demokraten kündigen bereits „totalen Krieg“ gegen die republikanischen Kartenkünstler an. Übersetzt heißt das: Noch mehr Klagen, noch mehr neue Karten, noch mehr politische Verrenkungen.
Amerika steuert damit auf Midterms zu, bei denen nicht nur Stimmen zählen – sondern vor allem die Frage, wer vorher den Filzstift in der Hand hatte.
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