Die Straße nach Teheran führt durch eine Landschaft von fast surrealer Schönheit. Schneebedeckte Berggipfel glänzen in der Frühlingssonne, grüne Weizenfelder ziehen sich durch weite Täler, entlang des angeschwollenen Qotur-Flusses treiben Hirten ihre Herden über die Hänge Nordwest-Irans.
Doch hinter dieser friedlichen Kulisse liegt ein Land in Alarmbereitschaft.
Monate nach den massiven US- und israelischen Luftangriffen auf iranische Ziele ist die Angst vor einer neuen Eskalation allgegenwärtig. Die Waffenruhe gilt als fragil, die Verhandlungen stocken, die strategisch wichtige Straße von Hormus bleibt weiter blockiert. Viele Iraner fürchten, dass der Krieg jederzeit zurückkehren könnte.
„Trump könnte heute wieder bombardieren lassen“, sagt ein Mann am Straßenrand. „Vielleicht nicht gerade während seines China-Besuchs. Aber wer weiß das schon.“
Der Krieg hat tiefe Spuren hinterlassen – politisch, wirtschaftlich und psychologisch. Entlang der Straßen erinnern schwarze Trauerplakate an den im Februar bei einem Luftangriff getöteten Revolutionsführer Ali Khamenei. Sein Sohn Mojtaba Khamenei gilt inzwischen als Nachfolger, ist seit seiner Machtübernahme jedoch kaum öffentlich aufgetreten. Auch das verstärkt die Unsicherheit im Land.
Gleichzeitig verschärft sich die wirtschaftliche Krise dramatisch. An der türkisch-iranischen Grenze schleppen Menschen Kanister mit Speiseöl über die Grenze. Viele Produkte sind im Ausland inzwischen deutlich günstiger als im Iran selbst.
„Öl kostet hier inzwischen das Sechsfache“, klagt ein Rentner, der Vorräte aus der Türkei mitbringt.
Die Inflation, verschärft durch Sanktionen und die amerikanische Seeblockade, trifft die Bevölkerung hart. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten steigende Lebenshaltungskosten landesweite Proteste ausgelöst. Das Regime reagierte brutal, tausende Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben.
Trotzdem bleibt der Widerstand in Teilen der Gesellschaft sichtbar. In Restaurants und Cafés entlang der Route tragen viele Frauen keinen Hijab mehr – ein stilles Zeichen der Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“, die seit 2022 die iranische Gesellschaft verändert hat.
Doch derzeit dominiert vor allem die Angst.
„An Protest denkt im Moment kaum jemand“, sagt ein Familienvater in einem traditionellen Karawanserei-Restaurant nahe Teheran. „Der Krieg hat die Menschen eingeschüchtert – und die Regierung kurzfristig sogar gestärkt.“
Während Donald Trump in Peking mit Chinas Staatschef Xi Jinping über Iran, Energieversorgung und die Zukunft der Straße von Hormus spricht, hoffen viele Iraner auf eine diplomatische Lösung. Sowohl Washington als auch Teheran setzen inzwischen auf Peking als möglichen Vermittler.
China hätte ein starkes Interesse daran, den Ölfluss aus dem Persischen Golf wieder zu stabilisieren – und könnte sich zugleich als globale Ordnungsmacht präsentieren, während die USA in der Region zunehmend als Verursacher von Chaos wahrgenommen werden.
Doch auf den Straßen Irans wirkt all das weit entfernt.
Dort bestimmen steigende Preise, Unsicherheit und die Furcht vor neuen Luftangriffen den Alltag. Viele Menschen versuchen schlicht weiterzuleben – zwischen wirtschaftlichem Überlebenskampf, politischer Resignation und der ständigen Sorge, dass der nächste Krieg bereits begonnen haben könnte.
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