Aus Sicht des Iran gibt es in der Straße von Hormus selbstverständlich keinerlei Probleme. Schuld an allem seien ausschließlich die USA. „Das Hindernis sind nicht wir“, erklärte Außenminister Abbas Araktschi am Rande des BRICS-Treffens in Neu-Delhi staatsmännisch beim Sender Press TV. „Das Problem ist die amerikanische Blockade.“
Die iranische Version von „freiem Seeverkehr“ klingt allerdings etwas speziell: Handelsschiffe dürfen weiterhin passieren – vorausgesetzt, sie melden sich vorher brav bei den iranischen Seestreitkräften an, fahren exakt dort entlang, wo Teheran es erlaubt, und entrichten vorher noch eine stattliche „Servicepauschale“.
Mit anderen Worten: Die Straße von Hormus ist laut Iran komplett offen. Man braucht lediglich eine Art maritimes Einreisevisum, militärische Begleitung und offenbar ein gut gefülltes Konto.
Während Teheran betont, dass es selbstverständlich keine Blockade gebe, sehen internationale Völkerrechtler das etwas nüchterner. Gebühren für die bloße Durchfahrt gelten demnach eher nicht als klassische Einladung zur freien Schifffahrt. Doch in Teheran versteht man darunter offenbar moderne Kundenbindung.
Gleichzeitig fordert der Iran die USA auf, ihre „illegale Blockade“ zu beenden. Washington hatte im April seinerseits eine Seeblockade gegen den Iran verhängt, um dem Regime wichtige Öleinnahmen abzuschneiden.
Damit bleibt die Lage im Persischen Golf übersichtlich kompliziert: Beide Seiten werfen sich gegenseitig Blockaden vor, während die internationale Schifffahrt irgendwo dazwischen versucht herauszufinden, wer aktuell eigentlich wen blockiert – und wie hoch die nächste Rechnung ausfällt.
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