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Unternehmerabend der sächsischen AfD-Landtagsfraktion

pdimaria (CC0), Pixabay
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Professor Ulrich van Suntum diskutiert in Dresden über Deutschlands Wirtschaft – und rund 150 Unternehmer hören aufmerksam zu

Es war ein Abend, an dem erstaunlich wenig über Parteipolitik gesprochen wurde.

Dabei hätte es genügend Anlass gegeben. Nur wenige Tage nach dem spektakulären Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt hätte man erwarten können, dass dieses Thema den gesamten Abend bestimmt. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Nach Angaben aus dem Veranstaltungsumfeld fiel der Wahlsieg während des Unternehmerabends der sächsischen AfD-Landtagsfraktion in Dresden praktisch mit keinem Wort.

Im Mittelpunkt stand etwas anderes.

Die deutsche Wirtschaft.

Und die Sorge vieler Unternehmer um die Zukunft ihrer eigenen Unternehmen.

Rund 150 Unternehmer aus Sachsen waren am gestrigen Abend nach Dresden gekommen, um den Ausführungen des Volkswirts Professor Ulrich van Suntum zu folgen. Es entwickelte sich keine Wahlkampfveranstaltung im klassischen Sinn, sondern vielmehr ein wirtschaftspolitischer Abend mit einem ausführlichen Vortrag und einer anschließenden lebhaften Diskussion, in der Zustimmung und Widerspruch gleichermaßen ihren Platz hatten.

„Deutschland lebt derzeit von staatlichen Aufträgen“

Professor Ulrich van Suntum formulierte seine Analyse bewusst zugespitzt.

Seine zentrale These lautete sinngemäß: Deutschland befinde sich wirtschaftlich faktisch in einer Rezession – und ohne die umfangreichen öffentlichen Aufträge, insbesondere durch Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben, würde das reale Wirtschaftswachstum deutlich schlechter aussehen.

Dieser Satz sorgte anschließend für intensive Diskussionen.

Wichtig ist allerdings die Einordnung: Die Aussage ist eine wirtschaftspolitische Bewertung van Suntums und nicht unumstrittene Tatsachenfeststellung. Tatsächlich gehen mehrere wirtschaftswissenschaftliche Institute davon aus, dass Deutschland 2026 nur schwach wächst und die staatlichen Investitionen einen erheblichen Beitrag zur Stabilisierung leisten. Die Bundesbank erklärte bereits im Sommer, dass die expansive Fiskalpolitik mit öffentlichen Ausgaben wesentlich dazu beitrage, einen erneuten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts zu verhindern. Auch das ifo-Institut und die Bundesregierung sehen öffentliche Investitionen als wichtigen Wachstumsmotor – unterscheiden sich jedoch in der Bewertung, ob Deutschland aktuell bereits wieder wächst oder sich lediglich aus einer Phase langjähriger Stagnation herausarbeitet. <Cite refs={[„turn0news68″,“turn0search4″,“turn0search2“]}/>

Genau diese Frage beschäftigte auch den Saal.

Ist Deutschland bereits auf dem Weg der Erholung?

Oder erleben wir lediglich eine statistische Stabilisierung, die überwiegend durch staatliche Ausgaben getragen wird?

Eine einfache Antwort gab es an diesem Abend nicht.

Zustimmung – aber auch deutlicher Widerspruch

Wer Professor van Suntum erwartet hatte, bekam einen Referenten, der seine Positionen klar und ohne akademische Umschweife formulierte.

Das Publikum reagierte aufmerksam.

Viele Unternehmer nickten zustimmend, insbesondere wenn es um Themen wie Energiepreise, Bürokratie, Steuerbelastung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen ging. Andere meldeten sich später in der Diskussion zu Wort und widersprachen einzelnen Schlussfolgerungen oder forderten eine differenziertere Betrachtung der wirtschaftlichen Entwicklung.

Gerade diese Mischung machte den Abend bemerkenswert.

Es entstand keine Atmosphäre, in der jeder dieselbe Meinung vertreten musste. Vielmehr entwickelte sich eine offene Diskussion über Standortpolitik, öffentliche Investitionen, Industrie, Mittelstand und die Frage, welche Reformen Deutschland tatsächlich benötigt.

Und vielleicht war genau das der eigentliche Erfolg dieser Veranstaltung.

Kein AfD-Mitglied – aber politisch keineswegs unbekannt

Professor Ulrich van Suntum ist kein Mitglied der AfD.

Das wurde auch am Abend deutlich hervorgehoben.

Der 1954 geborene Volkswirt lehrte über viele Jahre als Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Münster und war dort Direktor des Instituts für Siedlungs- und Wohnungswesen. Darüber hinaus war er Generalsekretär des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und beschäftigte sich wissenschaftlich intensiv mit Wirtschafts-, Regional- und Wohnungspolitik.

Politisch ist seine Vergangenheit dennoch interessant.

Van Suntum engagierte sich zeitweise in der Partei ALFA, der Nachfolgeorganisation um den ehemaligen AfD-Gründer Bernd Lucke, und trat später als parteiloser Kandidat bei einer Wahl für die AfD an. Dadurch ist er zwar kein AfD-Mitglied, wird aber seit Jahren dem wirtschaftsliberalen und konservativen Spektrum zugerechnet und tritt regelmäßig als Referent bei wirtschaftspolitischen Veranstaltungen auf.

Diese Differenzierung ist wichtig.

Denn auch unter den Unternehmern im Saal befanden sich keineswegs ausschließlich AfD-Mitglieder oder Parteianhänger. Nach Eindruck des Abends kamen viele vor allem deshalb, weil sie sich für wirtschaftspolitische Analysen interessierten und ihre eigenen Sorgen über die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Sachsen diskutieren wollten.

Die Sorge um das eigene Unternehmen war greifbar

Es war weniger Ideologie als wirtschaftliche Unsicherheit, die viele Gespräche prägte.

Nahezu kein Unternehmen könne sich dauerhaft von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands abkoppeln – diese Einschätzung zog sich wie ein roter Faden durch zahlreiche Wortmeldungen.

Wenn Aufträge zurückgehen, Energie teurer bleibt, Investitionen verschoben werden und Genehmigungsverfahren Monate oder Jahre dauern, trifft das nicht nur Großkonzerne.

Es trifft den Maschinenbauer.

Den Zulieferer.

Den Handwerksbetrieb.

Das mittelständische Familienunternehmen.

Gerade Sachsen lebt von einer starken industriellen Struktur. Deshalb werden wirtschaftliche Veränderungen hier besonders intensiv wahrgenommen. Viele Unternehmer schilderten weniger die Gegenwart als ihre Sorge vor den kommenden Jahren.

Die Frage lautete nicht nur:

Wie verdienen wir heute Geld?

Sondern vielmehr:

Investieren wir morgen überhaupt noch in Deutschland?

Öffentliche Investitionen – Rettung oder Beruhigungspille?

Hier lag einer der spannendsten Punkte des Abends.

Van Suntum argumentierte, dass das Wachstum Deutschlands gegenwärtig in erheblichem Maße durch staatliche Aufträge getragen werde. Diese Position findet zumindest teilweise Rückhalt in aktuellen Analysen: Die Bundesbank und andere Institute betonen tatsächlich, dass zusätzliche öffentliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung die wirtschaftliche Entwicklung stützen. Gleichzeitig prognostizieren ifo, Europäische Kommission und Bundesregierung für 2026 weiterhin – wenn auch schwaches – positives Wachstum und keine einheitlich festgestellte Rezession. <Cite refs={[„turn0news68″,“turn0search4″,“turn0search0″,“turn0search2“]}/>

Gerade daraus entstand die Diskussion.

Ist staatliches Wachstum echtes Wachstum?

Oder handelt es sich lediglich um eine zeitweise Stabilisierung, solange private Investitionen und Exportwirtschaft schwächeln?

Eine endgültige Antwort gibt es darauf nicht.

Doch dass diese Frage mittlerweile selbst unter Unternehmern intensiv diskutiert wird, zeigte der Abend in Dresden sehr deutlich.

Überraschung über den Zuspruch

Auch innerhalb der veranstaltenden sächsischen AfD-Landtagsfraktion war nach Aussagen aus dem Umfeld eine gewisse Überraschung über den hohen Zuspruch spürbar.

Bereits im Frühjahr hatte die Fraktion einen Wirtschaftstag mit mehreren hundert Gästen veranstaltet. Der Unternehmerabend mit Professor van Suntum knüpfte nun an diese Reihe wirtschaftspolitischer Veranstaltungen an und zeigte erneut, dass das Interesse an ökonomischen Themen offensichtlich deutlich größer war als an parteipolitischen Schlagworten.

Auffällig war vor allem eines:

Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt spielte praktisch keine Rolle.

Kein Jubel.

Keine langen Wahlreden.

Keine politische Selbstbeweihräucherung.

Stattdessen standen fast ausschließlich wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt.

Für viele Teilnehmer schien wichtiger zu sein, wie Deutschland seine Industrie erhält, wie Unternehmen wieder investieren und welche Reformen notwendig sind, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ein Abend, der Fragen offenließ

Professor Ulrich van Suntum bekam viel Zustimmung.

Er bekam aber auch Widerspruch.

Und vielleicht ist genau das das beste Zeichen für eine gelungene Diskussionsveranstaltung.

Nicht jeder verließ den Saal mit derselben Meinung.

Aber nahezu jeder nahm neue Argumente mit.

Deutschland steht wirtschaftlich zweifellos vor erheblichen Herausforderungen: hohe Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel, schwache Exportdynamik und ein tiefgreifender Strukturwandel beschäftigen Unternehmen im ganzen Land. Wie diese Probleme gelöst werden sollen, darüber gehen die Meinungen zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft weit auseinander. Die aktuellen Prognosen reichen von vorsichtigem Wachstum bis zur Warnung vor einer technischen Rezession im Jahresverlauf – Einigkeit besteht jedoch darin, dass öffentliche Investitionen derzeit eine tragende Rolle spielen. <Cite refs={[„turn0search0″,“turn0search4″,“turn0news67″,“turn0search2“]}/>

Der Dresdner Unternehmerabend lieferte deshalb keine Patentrezepte.

Aber er zeigte etwas anderes:

Viele Unternehmer suchen wieder den direkten Austausch.

Nicht über Wahlkampf.

Sondern über Wirtschaft.

Über Arbeitsplätze.

Über Investitionen.

Und über die Zukunft eines Landes, dessen wirtschaftliche Stärke jahrzehntelang als selbstverständlich galt – heute aber von immer mehr Menschen wieder grundsätzlich hinterfragt wird.

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