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RB Leipzig:Diomande nach Madrid? Erst verkaufen, dann in Salzburg nachfragen?

qimono (CC0), Pixabay
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Yan Diomande ist wieder in Leipzig. Zumindest körperlich.

Am Montag absolvierte der 19-Jährige am Cottaweg seine Leistungstests, während sein Name längst durch Madrid, Paris und die einschlägigen Transferkanäle fliegt. Fabrizio Romano meldet den Wechsel zu Real Madrid praktisch schon als erledigt, bei RB heißt es dagegen: Noch ist nichts geklärt, viele Details seien offen. Eine offizielle Bestätigung der Vereine gibt es bislang nicht. PSG ist mittlerweile aus dem Poker ausgestiegen die Forderungen an Ablöse und die Gehaltsforderungen waren zu hoch aus Sicht von PSG. Klare Ansage.

Willkommen also im modernen Transferzirkus: Der Spieler läuft in Leipzig aufs Laufband, seine Berater laufen derweil vermutlich schon durch das Bernabéu.

Real soll mehr als 100 Millionen Euro bieten, Leipzigs Schmerzgrenze wird bei etwa 120 Millionen vermutet. Vor einem Jahr kostete Diomande rund 20 Millionen. Rein kaufmännisch wäre das ein Geschäft, bei dem selbst der Taschenrechner kurz Beifall klatscht.

Aber Fußball ist eben mehr als Einkaufspreis, Verkaufspreis und eine hübsche Gewinnmarge in der PowerPoint-Präsentation.

Welchen Sinn hätte es überhaupt, Diomande zu halten?

Diese Frage muss man als Fan auch stellen dürfen.

Diomande will nach übereinstimmenden Medienberichten offenbar zu Real Madrid. Seine Berater arbeiten energisch an einem Wechsel. Madrid ist das erklärte Ziel. Gleichzeitig sagt RB, man habe eigentlich vorgehabt, ihn noch mindestens eine Saison zu halten.

Schön. Aber was bedeutet „halten“ konkret?

Bleibt Diomande, weil er sich mit voller Überzeugung auf eine weitere Saison in Leipzig freut? Oder bleibt er, weil sich die Vereine bei fünf, zehn oder zwanzig Millionen Euro noch nicht einigen können?

Ein Spieler, der unbedingt nach Madrid möchte, wird nicht automatisch schlechter spielen. Profis können sich trotz eines gescheiterten Transfers zusammenreißen. Aber die Frage nach der Motivation ist trotzdem berechtigt. Was bringt es RB, einen Spieler gegen seinen klaren Karrierewunsch festzuhalten, wenn sechs Monate später das gleiche Theater wieder beginnt?

Andererseits: Diomande besitzt einen langfristigen Vertrag, und RB Leipzig ist kein Selbstbedienungsladen, in dem Real Madrid einmal klingelt und anschließend die Ware abholt. Verträge gelten auch für Shootingstars, Berater und Transferjournalisten.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht einfach: Verkaufen oder behalten?

Sie lautet: Was ist der sportliche Plan?

Will RB mit Diomande ernsthaft die Champions League angreifen und ihn zum Gesicht der Mannschaft machen? Dann sollte man das klar sagen und eine Grenze ziehen.

Oder sieht der Klub in ihm vor allem einen Spieler, dessen Marktwert innerhalb eines Jahres um ungefähr 100 Millionen Euro gestiegen ist? Dann sollte man ebenfalls ehrlich sein, den bestmöglichen Preis erzielen und nicht so tun, als müsse man erst schweren Herzens vom Nachwuchsprojekt Abschied nehmen.

Wer entscheidet bei RB eigentlich noch?

Und damit kommen wir zur unangenehmeren Frage: Wer entscheidet über einen solchen Verkauf eigentlich?

Marcel Schäfer in Leipzig?

Der Aufsichtsrat?

Oder wartet man am Cottaweg erst wieder auf einen Anruf aus dem Salzburger Raum?

Das klingt polemisch. Nach dem Theater um Ole Werner ist die Frage aber nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Werner führte RB auf Platz drei und zurück in die Champions League. Trotzdem musste er nach nur einer Saison gehen. Martín Demichelis wurde anschließend als Nachfolger verpflichtet und erhielt einen Vertrag bis 2028.

Rund um die Trennung entstand öffentlich der Eindruck, Marcel Schäfer habe Werner eigentlich länger halten wollen, während innerhalb der globalen Red-Bull-Fußballstruktur andere Vorstellungen bestanden. Medienberichte beschrieben Schäfers Position als geschwächt; ein Leipziger Medienexperte erklärte bei Sport1, große Entscheidungen würden inzwischen kaum noch ohne Klopps internationales Team getroffen. Das sind journalistische Darstellungen und Einschätzungen, keine offengelegte Entscheidungsordnung des Vereins. Doch genau diese Intransparenz schafft das Problem.

Wenn Schäfer Geschäftsführer Sport ist, muss er einen Transfer dieser Größenordnung sportlich verantworten können.

Dann sollte er auch öffentlich erklären können:

Warum verkauft RB?

Warum verkauft RB nicht?

Welche Ablösesumme ist entscheidend?

Und wer hat am Ende das letzte Wort?

Ein Sportgeschäftsführer darf nicht bloß der Mann sein, der Entscheidungen verkündet, die an anderer Stelle getroffen wurden. Sonst könnte man seine Pressekonferenzen künftig auch durch eine besonders höfliche Pushnachricht ersetzen.

120 Millionen sind viel – aber Tore lassen sich nicht überweisen

Natürlich sind 120 Millionen Euro eine gewaltige Summe. Einen solchen Betrag für einen 19-Jährigen abzulehnen, wäre ein erhebliches wirtschaftliches Risiko.

Diomande könnte sich verletzen. Seine Form könnte nachlassen. Der Markt könnte sich verändern. Und womöglich bietet Real Madrid nie wieder so viel.

Aber verkauft man ihn, verschwindet nicht nur ein Bilanzwert. Dann verliert RB einen Spieler, der Tempo, Dribblings, Unberechenbarkeit und Torgefahr verbindet. Genau solche Spieler sind auf dem Markt schwer zu finden – erst recht dann, wenn jeder potenzielle Verkäufer weiß, dass Leipzig gerade 120 Millionen Euro eingenommen hat.

Plötzlich kostet der Ersatzmann nicht mehr 25 Millionen, sondern 40. Einfach deshalb, weil der andere Verein den Kontostand kennt.

Darum darf die Entscheidung nicht lauten: „Bei dieser Summe müssen wir verkaufen.“

Sie muss lauten: „Bei dieser Summe können wir verkaufen, weil wir einen überzeugenden Plan für die Zeit danach haben.“

Und existiert dieser Plan?

Wer soll seine Rolle übernehmen?

Tidiam Gomis ist talentiert. Andere junge Offensivspieler besitzen ebenfalls Entwicklungspotenzial. Aber Talent ist keine Garantie, und Potenzial schießt am ersten Spieltag noch keine Tore.

Hat RB bereits einen Nachfolger im Blick?

Soll ein Spieler aus dem vorhandenen Kader Diomandes Rolle übernehmen?

Wird das System verändert?

Oder beginnt nach dem Verkauf wieder jene bekannte Transferphase, in der plötzlich fünf Namen durch die Medien geistern, drei absagen und am letzten Tag jemand präsentiert wird, dessen „außergewöhnliches Entwicklungspotenzial“ zunächst einmal niemand sehen kann?

Ein Klub wie Leipzig darf Diomande verkaufen. Das Geschäftsmodell beruht seit Jahren darauf, junge Spieler zu entwickeln und gewinnbringend weiterzugeben.

Aber ein Entwicklungsverein muss zwei Dinge können: entwickeln und ersetzen.

Nur verkaufen reicht nicht.

Kann Demichelis den nächsten Diomande entwickeln?

Damit sind wir beim neuen Trainer.

Martín Demichelis hat Erfahrung, arbeitete im Nachwuchsbereich des FC Bayern und gewann als Trainer mit River Plate die argentinische Meisterschaft. In Leipzig muss er trotzdem erst beweisen, dass er eine junge Mannschaft auf Bundesliganiveau entwickeln und einzelne Talente auf die nächste Stufe bringen kann. Seine Verpflichtung allein beantwortet diese Frage noch nicht.

Ole Werner kann man vieles vorwerfen: Der Fußball war nicht immer berauschend, manche Spiele waren eher Arbeitsnachweis als Unterhaltung. Aber Diomandes Entwicklung fand unter ihm statt. Der Ivorer wurde zum Shootingstar und zu einem Spieler, für den die größten Klubs Europas dreistellige Millionenbeträge bieten.

Kann Demichelis das mit dem nächsten Talent ebenfalls?

Kann er Gomis entwickeln?

Kann er einen externen Neuzugang aufbauen?

Kann er eine Mannschaft formen, die den Verlust ihres besten Einzelspielers auffängt?

Vielleicht ja. Aber genau das muss er noch zeigen.

Es wäre einigermaßen grotesk, erst den Trainer zu entlassen, unter dem Diomande zum 100-Millionen-Spieler wurde, dann Diomande zu verkaufen und anschließend festzustellen, dass weder ein gleichwertiger Ersatz noch ein erkennbarer Entwicklungsplan vorhanden ist.

Verkaufen ist erlaubt – planlos verkaufen nicht

Als Fan kann man einen Wechsel zu Real Madrid verstehen. Für Diomande wäre es eine riesige Chance. Für RB wäre es ein Rekordgeschäft. Und bei 120 Millionen Euro wäre jeder kategorische Protest unehrlich.

Doch der Verein schuldet seinen Anhängern mehr als die Mitteilung, man habe nach „intensiven Gesprächen eine wirtschaftlich und sportlich überzeugende Lösung“ gefunden.

Wir wollen wissen, was danach kommt.

Wer entscheidet?

Wer ersetzt ihn?

Welche Rolle spielt Marcel Schäfer tatsächlich?

Welche Verantwortung trägt Demichelis?

Und ist RB Leipzig noch ein eigenständig geführter Bundesligist – oder wartet die sportliche Leitung bei großen Personalfragen inzwischen darauf, dass irgendwo im Red-Bull-Netzwerk das Telefon klingelt?

Diomande kann gehen. Kein Spieler ist größer als der Verein.

Aber der Verein sollte wenigstens wissen, wer entscheidet, warum er geht und wer anschließend auf seinem Flügel spielen soll.

Denn 120 Millionen Euro sehen auf dem Konto hervorragend aus.

In der Champions League können sie allerdings nicht ins Dribbling gehen.

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