Als Rachelle Hruska MacPherson 2016 ihr New Yorker Modelabel Lingua Franca gründete, hatte sie keine politische Marke im Sinn. Heute ist das Unternehmen vor allem für handbestickte Kaschmirpullover mit progressiven Botschaften bekannt. Prominente wie Oprah Winfrey, Martha Stewart und Jane Fonda trugen bereits die auffälligen Kleidungsstücke. Besonders bekannt wurde die Kollektion „Give a Damn“, deren Pullover mit Slogans gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump versehen sind.
Die Entstehung des Unternehmens ist eng mit einer persönlichen Krise verbunden. Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes litt MacPherson unter starken Ängsten und Depressionen. Ihr Therapeut riet ihr zu handwerklichen Tätigkeiten als Ausgleich zur ständigen Arbeit im Internet und zum ununterbrochenen Nachrichtenkonsum. Sie erinnerte sich daran, wie ihre Großmutter ihr als Kind das Sticken beigebracht hatte, kaufte Nadeln und Garn und begann nach rund 20 Jahren erneut mit der Handarbeit.
Zunächst waren die Entwürfe unpolitisch. Nach Trumps Wahlsieg veröffentlichte MacPherson jedoch ein Foto eines Pullovers mit einer Botschaft zu Ehren Barack Obamas. Das Bild verbreitete sich rasant in sozialen Netzwerken und veränderte die Ausrichtung der Marke. Seitdem verbindet Lingua Franca Luxusmode mit politischen Aussagen.
Diese Positionierung brachte dem Unternehmen sowohl große Aufmerksamkeit als auch Kritik. Besonders Pullover mit Botschaften gegen die Einwanderungsbehörde ICE sorgten für Widerstand; ein Händler nahm die Marke daraufhin aus dem Sortiment. Zudem gelten Preise zwischen 150 und 380 Dollar vielen Kunden als zu hoch. MacPherson verteidigt sie mit der Handarbeit, hochwertigen Materialien, fairen Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen für die Beschäftigten. Nach eigenen Angaben spendete das Unternehmen bislang fast zwei Millionen Dollar für wohltätige Zwecke.
Modeexperten sehen in den Pullovern mehr als bloße politische Kleidung. Das teure Kaschmir vermittle gleichzeitig Haltung, Geschmack und gesellschaftlichen Status. MacPherson möchte Lingua Franca dennoch langfristig über einzelne politische Kampagnen hinaus entwickeln. Ihr Ziel ist eine zeitlose Marke, die Gemeinschaft schafft und Menschen auch dann erreicht, wenn sie sich die Produkte selbst nicht leisten können.
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