Im Südwesten der USA wächst die Sorge um die Wasserversorgung. Besonders kritisch ist die Lage am Lake Powell, einem der wichtigsten Stauseen des Colorado River. Der Speicher an der Grenze zwischen Utah und Arizona war Mitte Juli nur noch zu 23,4 Prozent gefüllt – so wenig wie noch nie zu diesem Zeitpunkt im Sommer.
Sinkt der Wasserstand weiter, droht ein sogenannter „Dead Pool“. Dann könnte das Wasser den Staudamm nicht mehr passieren, was schwerwiegende Folgen für den Colorado River, den Grand Canyon und die Stromversorgung von Millionen Haushalten hätte. Experten rechnen zwar nicht damit, dass kurzfristig kein Trinkwasser mehr verfügbar ist. Dennoch könnten die Kosten steigen und Nutzungseinschränkungen zunehmen.
Viele Städte reagieren bereits. Phoenix investiert in Wasseraufbereitung, Leckkontrollen und intelligente Bewässerungssysteme. Tucson setzt seit Jahrzehnten auf Wüstenbepflanzung statt Rasen und verbraucht trotz starken Bevölkerungswachstums nicht mehr Wasser als Ende der 1980er-Jahre. Zudem verfügt die Stadt über gespeicherte Reserven, die Engpässe mehrere Jahre abfedern könnten.
San Diego ist besonders stark auf Wasser aus dem Colorado River angewiesen. Die Stadt betreibt deshalb die größte Meerwasserentsalzungsanlage der USA, die jährlich bis zu 400.000 Haushalte versorgen kann. Zusätzlich werden Landwirte dafür bezahlt, weniger Wasser zu verbrauchen und Flächen zeitweise nicht zu bepflanzen.
Auch Albuquerque verschärft seine Sparmaßnahmen. Bewohner sollen Gärten nur an drei Tagen pro Woche bewässern, tagsüber gelten Verbote. Dadurch sank der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch seit den 1990er-Jahren von rund 250 auf etwa 125 Gallonen.
Fachleute warnen jedoch, dass Maßnahmen in Städten allein nicht ausreichen. Der größte Teil des Wassers aus dem Colorado River fließt in die Landwirtschaft. Ohne deutliche Einsparungen bei Bauern könne die Krise nicht gelöst werden.
Die Lage hat zudem nationale Bedeutung: Ein großer Teil des amerikanischen Obstes, Gemüses und der Nüsse wird in Kalifornien produziert und mit Wasser aus dem Colorado River bewässert. Gleichzeitig konnten sich die sieben beteiligten Bundesstaaten bislang nicht auf einen gemeinsamen Krisenplan einigen.
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