Donald Trump erklärt mal wieder, der Iran sei militärisch praktisch besiegt. Blöd nur, dass amerikanische Geheimdienste anscheinend vergessen haben, ihre Berichte an die aktuelle Wahrheit aus dem Weißen Haus anzupassen.
Denn laut „New York Times“ und „Washington Post“ besitzt Teheran weiterhin rund 70 Prozent seines Raketenarsenals und der mobilen Abschussrampen. Auch unterirdische Raketenlager sollen größtenteils wieder funktionsfähig sein. Mit anderen Worten: Für eine angeblich vollständig zerstörte Militärmacht wirkt der Iran erstaunlich betriebsbereit.
Doch für Trump sind solche Meldungen natürlich „Fake News“. Denn in seiner Welt gilt offenbar: Wenn die Realität nicht zur Erfolgserzählung passt, ist nicht die Erzählung falsch – sondern die Realität.
Mission accomplished, Teil 37
Die US-Regierung verkauft den Krieg seit Wochen als großen Triumph. Der Iran sei geschwächt, die Bedrohung unter Kontrolle, Amerika stark wie nie. Gleichzeitig berichten Geheimdienste davon, dass Raketen repariert, neue Systeme fertiggestellt und strategische Positionen entlang der Straße von Hormus wieder aktiviert wurden.
Das erinnert ein wenig an jene historischen „totalen Siege“, bei denen der Gegner erstaunlicherweise weiter zurückschießt.
Trump reagierte erwartungsgemäß mit Großbuchstaben und Empörung auf Truth Social. Medienberichte, wonach Iran militärisch noch handlungsfähig sei, bezeichnete er sinngemäß fast als Verrat. Das Problem an Geheimdienstinformationen ist eben: Sie lesen sich oft deutlich weniger heroisch als Wahlkampfrede.
Die Mathematik des Sieges
Besonders interessant wird es beim Thema Waffenverbrauch. Während Trump von Stärke spricht, warnen Senatoren bereits vor schrumpfenden amerikanischen Munitionsreserven.
Tomahawks, Patriot-Raketen, ATACMS – offenbar verschwindet derzeit ziemlich viel sehr teures Material Richtung Naher Osten. Die Kosten des Einsatzes liegen inzwischen bei fast 30 Milliarden Dollar. Tendenz steigend.
Das Pentagon versucht zwar zu beruhigen, doch hinter den Kulissen wächst die Sorge, ob die USA bei einem weiteren großen Konflikt – etwa um Taiwan – überhaupt noch ausreichend Vorräte hätten.
Anders gesagt:
Amerika gewinnt möglicherweise gerade einen Krieg, den es sich langfristig kaum leisten kann.
Wahrheit nach Bedarf
Trump bleibt davon unbeeindruckt. Für ihn zählt vor allem die Inszenierung. Der Iran ist besiegt, solange er sagt, dass der Iran besiegt ist. Und wenn Geheimdienste etwas anderes berichten, dann sind eben die Geheimdienste Teil der „Fake News“.
Pinocchio hätte vermutlich wenigstens noch versucht, seine Nase zu verstecken. Trump dagegen macht daraus inzwischen ein komplettes Regierungsmodell.
Kommentar hinterlassen