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Der anatolische Schwabe hat’s geschafft

HandiHow (CC0), Pixabay
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Jetzt also offiziell: Baden-Württemberg bekommt seinen ersten Ministerpräsidenten mit türkischen Wurzeln – und vermutlich den ersten Landesvater, der gleichzeitig Brezeln, Handball und Currywurst erfolgreich in eine politische Marke verwandelt hat.

Nach monatelangem Wahlkampf, endlosen Abschieden des Vorgängers und genügend Heimatromantik für drei Schwarzwaldserien ist der neue Regierungschef am Ziel angekommen. Der gelernte Erzieher, frühere Grünen-Chef, Bundesminister und selbst ernannte „anatolische Schwabe“ übernimmt das Ländle – und zwar mit erstaunlich viel Zustimmung weit über die eigene Partei hinaus.

Der Erfolg kommt nicht zufällig. Während andere Grünen-Politiker noch über Sprachregelungen diskutierten, setzte er auf Wirtschaft, Autos, Sicherheit und schwäbische Bodenständigkeit. Moralpredigten? Lieber weniger. Brezeln? Sehr gern. Klimaschutz? Ja, aber bitte so, dass der Mittelstand keinen Nervenzusammenbruch bekommt.

Das funktionierte erstaunlich gut.

Sein CDU-Gegner wirkte dagegen oft wie ein Praktikant im eigenen Wahlkampf. Zwar war die CDU lange vorne, doch je näher der Wahltag rückte, desto mehr schien vielen Wählern klar zu werden: Der bekannteste Mann im Rennen ist eben doch der mit dem schwäbischen Akzent, der jahrzehntelang in Berlin unterwegs war und plötzlich klingt, als hätte er nie etwas anderes getan als Maultaschen bestellen.

Besonders geschickt: Seine eigene Geschichte machte er zum politischen Vorteil. Sohn türkischer Gastarbeiter, sozialer Aufstieg mit Fleiß und Beharrlichkeit, Eltern auf der Schwäbischen Alb begraben – das kam im Ländle besser an als jede Hochglanzkampagne.

Auch die Grünen mussten dabei einiges schlucken. Der neue Regierungschef rückte seine Partei deutlich Richtung Mitte, verbündete sich sogar mit einstigen Grünen-Abweichlern und sprach öfter über Wirtschaftskraft als über Weltrettung. Die Parteilinke knirschte hörbar mit den Zähnen – hielt aber still. Ministerpräsident schlägt innerparteiliche Gefühle.

Nun regiert also eine schwarz-grüne Koalition mit viel Industriepolitik, Bürokratieabbau und KI-Kameras. Kostenloses Schulessen gibt es auch. Irgendwo zwischen Daimler, Digitalisierung und Dinkelbrezel entsteht jetzt die neue Ära im Südwesten.

Und vermutlich freut sich niemand mehr darüber als der Mann selbst, der sich jahrzehntelang strategisch genau auf diesen Moment vorbereitet hat – nur immer so freundlich lächelte, dass es kaum jemand bemerkte.

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