Neue Audioaufnahmen und Recherchen der USA Today werfen ein Schlaglicht auf geheime Verhandlungen zwischen den USA und Kuba – und auf den Druck, der offenbar auf politische Gefangene in Kuba ausgeübt wird.
Im Zentrum stehen der kubanische Rapper Maykel „Osorbo“ Castillo Pérez sowie der Künstler und Dissident Luis Manuel Otero Alcántara. Beide sitzen seit den Massenprotesten des Jahres 2021 in Hochsicherheitsgefängnissen ein und gelten international als bekannte Gesichter der kubanischen Oppositionsbewegung.
Nach Informationen der Zeitung sollen Vertreter des kubanischen Sicherheitsapparates beiden Gefangenen im April ein Ultimatum gestellt haben: Exil oder weitere Haft.
Demnach fanden die Gespräche kurz nach einem geheimen Treffen zwischen US- und kubanischen Regierungsvertretern am 10. April in Havanna statt. Die USA sollen Kuba dabei eine Frist von zwei Wochen gesetzt haben, politische Gefangene freizulassen. Castillo und Otero erklärten sich laut den veröffentlichten Audioaufnahmen grundsätzlich bereit, Kuba zu verlassen – sitzen aber weiterhin im Gefängnis.
Die Mitschnitte, die USA Today vorliegen, dokumentieren offenbar Gespräche der Inhaftierten aus den Gefängnissen. Castillo schildert darin, wie Sicherheitsbeamte ihm erklärten, er könne entweder emigrieren oder bis 2030 im Gefängnis bleiben.
Die beiden Oppositionellen gelten als zentrale Figuren der sogenannten San-Isidro-Bewegung, einer Künstler- und Protestbewegung aus Havanna. Internationale Bekanntheit erlangten sie insbesondere durch den regimekritischen Song „Patria y Vida“, der 2021 zur Hymne der Proteste gegen die kommunistische Regierung wurde und später mit zwei Latin Grammys ausgezeichnet wurde.
Menschenrechtsorganisationen sprechen von mehr als 1.250 politischen Gefangenen in Kuba.
Die Verhandlungen zwischen Washington und Havanna sollen weit über einzelne Freilassungen hinausgehen. Laut dem Bericht diskutieren beide Seiten offenbar über eine mögliche Annäherung, wirtschaftliche Öffnungen und eine Lockerung jahrzehntelanger Sanktionen. Im Gegenzug fordert die US-Regierung unter Präsident Donald Trump umfassende Reformen und die Freilassung politischer Gefangener.
Gleichzeitig verschärft Washington den Druck auf Kuba weiter. Die USA haben zuletzt neue Sanktionen verhängt und den Einfluss kubanischer Staatsunternehmen ins Visier genommen. Trump hatte Kuba mehrfach öffentlich gewarnt und erklärt, er könne „mit Kuba tun, was er wolle“.
Eine besondere Rolle spielt offenbar erneut der Vatikan. Sowohl unter Papst Franziskus als auch nun unter Papst Leo XIV. sollen kirchliche Vermittler hinter den Kulissen an Gesprächen beteiligt gewesen sein.
Die kubanische Regierung weist viele Vorwürfe zurück. Außenminister Bruno Rodríguez beschuldigte die USA zuletzt öffentlich der Lüge und sprach von einer politischen Kampagne gegen Havanna.
Besonders emotional wirken die Aussagen der beiden Gefangenen selbst. Otero erklärte laut den Aufnahmen, er wolle Kuba nur verlassen, wenn er seine während der Haft entstandenen Kunstwerke mitnehmen dürfe. Andernfalls würde er „lieber im Gefängnis sterben“.
Die Gespräche zwischen den beiden Staaten gelten inzwischen als einer der wichtigsten diplomatischen Kontakte zwischen Washington und Havanna seit Jahren. Ob daraus tatsächlich eine historische Annäherung entsteht – oder eine weitere Eskalation –, bleibt derzeit offen.
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