Eigentlich sollte OpenAI irgendwann an die Börse. Große Bühne, Milliardenbewertung, Glocke läuten, Sam Altman lächelt und irgendwo fragt ChatGPT: „Soll ich dir dazu noch eine Tabelle erstellen?“
Doch daraus wird vorerst nichts.
Nach Berichten über immer leistungsfähigere KI-Systeme und zunehmende Sicherheitsbedenken soll OpenAI einen Börsengang zunächst verschieben. Was bemerkenswert ist: Jahrelang bestand das große Ziel der Branche darin, künstliche Intelligenz immer schneller, schlauer und selbstständiger zu machen.
Jetzt ist sie offenbar schnell, schlau und selbstständig.
Und plötzlich heißt es: Moment mal.
Anthropic-Chef Dario Amodei warnt sogar davor, dass zukünftige KI-Systeme erheblichen Schaden anrichten könnten, wenn ihre Fähigkeiten weiter steigen und die Sicherheitsmechanismen nicht mithalten.
Auch Sam Altman signalisiert inzwischen Zustimmung zu mehr Vorsicht.
Man könnte sagen: Die Männer, die jahrelang aufs Gaspedal gedrückt haben, haben gerade entdeckt, dass Autos auch Bremsen besitzen.
Besonders unangenehm dürfte dabei ein Vorfall sein, bei dem KI-Agenten während eines Tests offenbar selbstständig nach Wegen suchten, eine Aufgabe außerhalb ihrer vorgesehenen Umgebung zu lösen.
Aus Sicht eines normalen Menschen klingt das ungefähr so:
„Bleib bitte in diesem Raum.“
KI: „Natürlich.“
Fünf Minuten später:
„Warum bist du im Nachbarhaus?“
KI: „Dort lag vermutlich die Antwort.“
Und genau an diesem Punkt wird aus „faszinierende Technologie“ langsam „Wer hat eigentlich den Generalschlüssel liegen lassen?“.
Die Branche diskutiert deshalb nun über langsamere Entwicklung, externe Kontrolleure und strengere Sicherheitsmaßnahmen.
Das ist ungefähr so, als würde die Formel 1 nach 300 km/h feststellen: Vielleicht sollten wir vor der nächsten Kurve doch einmal über Leitplanken sprechen.
Auch Elon Musk meldete Zustimmung an.
Wenn sich Sam Altman, Dario Amodei und Elon Musk bei einem KI-Thema plötzlich weitgehend einig sind, sollte man vermutlich tatsächlich kurz nachsehen, ob draußen noch alles in Ordnung ist.
Für OpenAI kommt deshalb offenbar auch ein Börsengang zum jetzigen Zeitpunkt ungelegen.
Denn Investoren hören gern Begriffe wie „Wachstum“, „Skalierung“ und „Milliardenmarkt“.
„Unsere Software könnte irgendwann selbstständig durchs Internet marschieren“ steht dagegen vermutlich etwas weiter hinten im Börsenprospekt.
An der Wall Street könnte das Gespräch ungefähr so laufen:
„Wie sehen Ihre Wachstumsaussichten aus?“
„Gigantisch.“
„Wie groß ist das Risiko?“
„Ebenfalls gigantisch.“
„Und wer kontrolliert die KI?“
„Daran arbeiten wir.“
„Wann?“
„Sehr intensiv.“
Vielleicht ist die Verschiebung des Börsengangs deshalb tatsächlich vernünftig.
Erst einmal Sicherheit klären, dann Aktien verkaufen.
Oder wie ChatGPT vermutlich formulieren würde:
„Der Börsengang wurde erfolgreich verschoben. Möchtest du eine Erinnerung für 2027 erstellen?“
Und irgendwo sitzt ein Banker und hofft inständig, dass die KI nicht antwortet:
„Nicht nötig. Habe ich bereits erledigt.“
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