Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das eigentliche Problem ist nicht, dass Onlinehändler Millionen gefährlicher Produkte löschen – sondern dass sie überhaupt erst online stehen.
Fast 30 Millionen unsichere oder verbotene Artikel werden in nur einem Monat entfernt. Diese Zahl wirkt auf den ersten Blick wie ein Beweis für funktionierende Kontrollen. In Wahrheit ist sie ein Armutszeugnis. Denn jedes einzelne dieser Produkte hätte nie im digitalen Schaufenster landen dürfen.
Die Realität ist simpel: Plattformen verdienen Geld mit Masse. Je mehr Angebote, desto mehr Umsatz. Ob darunter ein bleiverseuchtes Kuscheltier oder ein lebensgefährlicher Rasierer ist, fällt offenbar erst dann auf, wenn Behörden oder Verbraucherschützer Alarm schlagen – oder wenn es längst zu spät ist.
Besonders entlarvend ist, wie selten offizielle Warnsysteme wie „Safety Gate“ überhaupt berücksichtigt werden. Wenn bekannte Gefahren monatelang ignoriert werden und Produkte trotzdem online gehen, dann ist das kein Versehen mehr, sondern ein systemisches Versagen.
Die Betreiber verweisen gerne auf technische Grenzen oder die schiere Menge an Angeboten. Das klingt nachvollziehbar – ist aber letztlich eine Ausrede. Wer Milliarden Produkte listen kann, sollte auch in der Lage sein, bekannte Gefahren konsequent auszusortieren. Alles andere bedeutet, Risiken bewusst in Kauf zu nehmen.
Das Grundproblem liegt im System: Kontrolle erfolgt oft erst nach Veröffentlichung. Das ist so, als würde man Lebensmittel erst nach dem Verkauf auf Giftstoffe prüfen. Im stationären Handel wäre das undenkbar – online scheint es Alltag zu sein.
Solange sich daran nichts ändert, bleibt der Verbraucherschutz Stückwerk. Die EU hat mit dem Digital Services Act einen Rahmen geschaffen, aber der greift zu kurz. Was es braucht, ist eine klare Verpflichtung zur Vorabprüfung – und spürbare Konsequenzen, wenn Plattformen versagen.
Denn am Ende trägt nicht der Algorithmus das Risiko. Sondern der Verbraucher.
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