Der Ölpreis ist am Mittwoch erstmals seit Ende Juli wieder über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel gestiegen. Auslöser sind neue militärische Auseinandersetzungen zwischen den USA und Iran sowie weitere Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz auf Ziele in Saudi-Arabien und im Roten Meer.
Die Nordsee-Sorte Brent, die international als wichtiger Referenzpreis gilt, kletterte zeitweise über 100 Dollar je Barrel. Im weiteren Handelsverlauf fiel der Preis zwar leicht auf knapp unter diese Marke zurück, doch die Unsicherheit am Energiemarkt bleibt hoch. Neue Angriffe oder Störungen wichtiger Transportwege könnten die Preise erneut nach oben treiben.
Vor Beginn des aktuellen Konflikts hatte Brent-Rohöl noch bei rund 70 Dollar je Barrel gelegen. Seitdem schwankt der Ölpreis erheblich. Ein wesentlicher Grund dafür ist die faktische Blockade beziehungsweise starke Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge werden rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssigerdgas-Handels transportiert. Jede Störung dort hat daher unmittelbare Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte.
Die jüngste Eskalation folgte auf iranische Angriffe gegen ein US-Kriegsschiff. Das US-Zentralkommando erklärte, die eingesetzten ballistischen Raketen seien erfolgreich umgangen worden und es habe keine verletzten US-Soldaten gegeben.
Daraufhin griffen die USA fünf iranische Öltanker an. Vier der Schiffe befanden sich im Golf von Oman und sollen nach US-Angaben Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden gehabt haben. Ein weiteres Schiff wurde nahe der iranischen Insel Kharg angegriffen. Einer der Tanker, die M/T Riesco, sank später im Golf von Oman.
Die Insel Kharg ist für Irans Ölwirtschaft von herausragender Bedeutung. Rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte werden über das dortige Terminal abgewickelt. Ein längerfristiger Ausfall oder weitere Angriffe auf die Infrastruktur könnten deshalb erhebliche Folgen für die iranischen Exporte und den Weltmarkt haben.
Iran reagierte seinerseits mit Raketenangriffen auf eine US-Basis in Jordanien. Nach den vorliegenden Angaben wurde der Großteil der Geschosse abgefangen. Teheran erklärte zudem, zwei US-Schiffe sowie mehrere Öltanker in der Straße von Hormus angegriffen zu haben.
Zusätzlichen Druck auf den Ölmarkt erzeugt die Entwicklung im Jemen und in Saudi-Arabien. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen griffen nach saudischen Angaben Energieanlagen sowie zivile Infrastruktur in mehreren Städten an. Dabei wurden 73 Menschen verletzt.
Durch Drohnen- und Raketenangriffe entstanden Brände an Öl- und Industrieanlagen. Einige Betriebe mussten ihren Betrieb zeitweise einstellen. Bereits in den vergangenen Monaten war der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den Huthis erneut eskaliert, nachdem eine informelle Waffenruhe zerbrochen war.
Auch der Schiffsverkehr im Roten Meer bleibt betroffen. Die Huthis greifen dort wiederholt Tanker und andere Schiffe an. Für internationale Reedereien bedeutet dies höhere Sicherheitskosten, längere Transportwege und zusätzliche Versicherungsprämien. Diese Kosten können sich letztlich auch auf Energie- und Verbraucherpreise auswirken.
US-Außenminister Marco Rubio stellte am Dienstag klar, dass Washington weitere Angriffe auf amerikanische Marineeinheiten nicht unbeantwortet lassen werde. Die USA betrachten einen Teil der iranischen Tankerflotte als Bestandteil eines internationalen Netzwerks, über das die Revolutionsgarden und verbündete Gruppen finanziert würden.
Zusätzlich meldete die iranische Marine die Beschlagnahmung eines unbemannten amerikanischen Unterwasserfahrzeugs in der Straße von Hormus. Das US-Militär erklärte hingegen, bei dem Gerät habe es sich um eine ältere Unterwasserdrohne gehandelt, die zuvor eine technische Störung erlitten habe. Sensible oder geheime Daten seien nach US-Angaben nicht an Bord gewesen.
Für Verbraucher könnten die steigenden Ölpreise zunehmend spürbar werden. Bereits seit Beginn des Konflikts haben sich Benzin und andere Kraftstoffe in zahlreichen Ländern deutlich verteuert. Sollte Brent dauerhaft oberhalb von 100 Dollar bleiben oder die Versorgung über den Persischen Golf weiter eingeschränkt werden, könnten Kraftstoff-, Transport- und Produktionskosten weiter steigen.
Der Ölmarkt reagiert derzeit besonders empfindlich auf jede neue militärische Entwicklung. Neben Angebot und Nachfrage bestimmen deshalb vor allem geopolitische Risiken die Preisentwicklung. Entscheidend wird sein, ob sich die Auseinandersetzungen weiter ausweiten und ob wichtige Förder- und Transportanlagen im Persischen Golf dauerhaft betroffen sind.
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