Eine vermeintliche Mutprobe aus dem Internet hat im Landkreis Schaumburg einen Rettungseinsatz ausgelöst. Ein Jugendlicher soll einen anderen Jugendlichen im Rahmen des sogenannten „Choking-Games“ so lange in den Würgegriff genommen haben, bis dieser das Bewusstsein verlor. Die Polizei warnt nun eindringlich vor dem Netz-Trend und macht deutlich: Das vermeintliche Spiel kann schwere gesundheitliche Folgen haben und sogar tödlich enden.
Nach Angaben der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg ereignete sich der Vorfall in dieser Woche. Der Jugendliche soll durch die im Internet kursierende „Challenge“ zu der Aktion angeregt worden sein.
Rettungskräfte versorgten den bewusstlos gewordenen Jungen. Anschließend konnte er seinen Eltern übergeben werden.
Der vermeintliche „Kick“ kann lebensgefährlich werden
Beim sogenannten „Choking-Game“ wird ein anderer Mensch gewürgt – mit dem Ziel, eine Bewusstlosigkeit und den damit verbundenen vermeintlichen „Kick“ herbeizuführen.
Die Polizei macht deutlich, dass sich die Folgen einer solchen Aktion nicht kontrollieren lassen. Wird ein Mensch bewusstlos, kann er beispielsweise ungebremst zu Boden stürzen und sich dabei weitere schwere Verletzungen zuziehen.
Noch gravierender sind die möglichen Folgen des Würgens selbst. Nach Angaben der Polizei drohen dauerhafte Hirnschäden. Im schlimmsten Fall kann das „Choking-Game“ tödlich enden.
Auch wenn es sich bei dem Vorfall in Schaumburg nach Angaben der Polizei bislang um einen Einzelfall handelt, nehmen die Beamten das Geschehen deshalb zum Anlass, öffentlich vor der Challenge zu warnen.
Zustimmung schützt Beteiligte nicht vor Konsequenzen
Neben den gesundheitlichen Gefahren weist die Polizei ausdrücklich auf mögliche strafrechtliche Folgen hin.
Dabei spielt es nach ihrer Darstellung keine entscheidende Rolle, ob die gewürgte Person zuvor mit der Aktion einverstanden war. Wegen der konkreten gesundheitlichen Gefahr sei eine entsprechende Einwilligung rechtlich nicht möglich, erklärte eine Sprecherin der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg.
Wer solche Handlungen ausführt, muss daher mit einem Strafverfahren rechnen. Die Ermittlungsbehörden leiten nach Polizeiangaben bei entsprechenden Fällen konsequent Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein.
Die Warnung geht noch weiter: Auch wer andere zu solchen Handlungen animiert oder entsprechende Inhalte verbreitet, riskiert laut Polizei strafrechtliche Konsequenzen.
Aus einem Video kann eine reale Mutprobe werden
Der Fall macht zugleich auf ein grundsätzliches Problem gefährlicher Online-Challenges aufmerksam. Was Jugendliche zunächst lediglich auf dem Smartphone sehen, kann anschließend im Freundeskreis oder auf dem Schulhof nachgeahmt werden.
Gerade der vermeintliche Wettbewerbscharakter solcher Trends kann zusätzlichen Druck erzeugen. Jugendliche könnten das Gefühl bekommen, eine Challenge ebenfalls ausprobieren zu müssen, um innerhalb einer Gruppe Anerkennung zu erhalten.
Beim „Choking-Game“ kann eine solche Entscheidung jedoch innerhalb kürzester Zeit in einem medizinischen Notfall enden.
Polizei appelliert an Eltern
Deshalb richtet sich die Warnung ausdrücklich auch an Eltern und andere Erziehungsberechtigte. Sie sollen sich mit den Online-Aktivitäten ihrer Kinder beschäftigen und das Gespräch über gefährliche Social-Media-Trends suchen.
Dabei empfiehlt die Polizei, Kindern klarzumachen, dass körperliche Übergriffe im Zusammenhang mit vermeintlichen Challenges lebensgefährlich sein können.
Gleichzeitig sollten Kinder und Jugendliche darin bestärkt werden, sich dem Gruppendruck zu widersetzen. Ein klares „Nein“ zu einer gefährlichen Mutprobe sei kein Zeichen mangelnden Mutes. Jugendliche sollten sich vielmehr aus entsprechenden Situationen entfernen und sich gegebenenfalls Unterstützung holen.
Eltern empfiehlt die Polizei außerdem, sich regelmäßig über aktuelle Trends in sozialen Netzwerken zu informieren. Dabei nennt sie insbesondere Plattformen wie TikTok und Instagram.
Polizei will weitere Fälle verhindern
Der Vorfall im Landkreis Schaumburg zeigt, wie schnell aus einer vermeintlichen Internet-Challenge eine gefährliche Situation werden kann. Dieses Mal konnten Rettungskräfte den Jugendlichen versorgen.
Die Warnung der Polizei ist dennoch unmissverständlich: Beim „Choking-Game“ handelt es sich nicht um ein harmloses Spiel. Wer einen anderen Menschen bis zur Bewusstlosigkeit würgt, riskiert schwere Gesundheitsschäden, einen tödlichen Ausgang – und strafrechtliche Konsequenzen.
Gerade deshalb sollen Eltern, Schulen und Jugendliche die Gefahr kennen, bevor aus einem Trend auf dem Smartphone eine lebensgefährliche Mutprobe wird.
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