An einer mutmaßlichen iranischen Nuklearanlage nahe Natanz haben sich die Bauaktivitäten im Jahr 2026 deutlich verstärkt. Das geht aus einer Auswertung von Satellitenbildern hervor, die vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) vorgenommen und von CNN aufgegriffen wurde. Die Anlage befindet sich am sogenannten Pickaxe Mountain, rund 225 Kilometer südlich von Teheran. Analysten vermuten, dass der tief in Granitgestein angelegte Komplex dazu dienen könnte, Teile des iranischen Atomprogramms besonders wirkungsvoll vor Angriffen zu schützen.
Nach Einschätzung der Experten hat sich die Aktivität auf dem Gelände in diesem Jahr deutlich erhöht. Die Satellitenbilder zeigen demnach nicht nur Arbeiten an Zufahrtswegen und Tunnelportalen, sondern auch Hinweise darauf, dass sich die Bautätigkeit zunehmend ins Innere der Anlage verlagert. Zugänge wurden offenbar verstärkt und erhöht, interne Straßen ausgebaut und Flächen rund um die Tunnel weiter befestigt. Auch große Mengen zuvor ausgebrochenen Gesteins und Erdmaterials wurden eingeebnet oder abgetragen.
Welche Funktion Pickaxe Mountain letztlich erfüllen soll, ist weiterhin offen. Die CSIS-Analyse hält mehrere Möglichkeiten für denkbar. So könnte die Anlage für die Montage von Zentrifugen, für Urananreicherung oder für andere Arbeiten mit Bezug zum iranischen Nuklearprogramm vorgesehen sein. Dazu könnten nach Einschätzung der Analysten auch Tätigkeiten gehören, die für ein mögliches Atomwaffenprogramm relevant wären. Gleichzeitig betonen die Experten, dass die fortlaufenden Bauarbeiten darauf hindeuten, dass die Anlage zumindest derzeit noch nicht für einen möglichen Anreicherungsbetrieb bereit sein dürfte.
Auch israelische Geheimdiensterkenntnisse hatten bereits darauf hingedeutet, dass Iran möglicherweise Zentrifugen in den unterirdischen Komplex verlagern könnte. US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Wochen mehrfach mit einem Angriff auf die Anlage gedroht. Nach Angaben aus dem Bericht existieren im US-Militär bereits operative Planungen für mögliche Schläge gegen Pickaxe Mountain.
Die große Herausforderung liegt dabei in der Tiefe und Beschaffenheit der Anlage. Der Komplex ist in massives Granitgestein eingebettet und könnte damit selbst für die stärksten konventionellen bunkerbrechenden Waffen der USA schwer erreichbar sein. Laut Bericht gibt es Zweifel daran, ob die derzeit verfügbaren Massive-Ordnance-Penetrator-Bomben tief genug eindringen könnten, um unterirdische Bereiche vollständig zu zerstören.
Dass sich die USA mit dieser Problematik intensiv beschäftigen, zeigen auch Aktivitäten auf dem White Sands Missile Range in New Mexico. Dort wurde kurz vor Beginn des aktuellen Konflikts mit Iran ein kurzfristiger Auftrag über rund 1,2 Millionen US-Dollar vergeben. Ziel war die Instandsetzung einer speziellen unterirdischen Testanlage für einen scharfen Versuch mit geheim eingestuften Fähigkeiten gegen neu entstehende Bedrohungen. Nach Angaben mehrerer mit den Vorgängen vertrauter Quellen stand dieses Vorhaben im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran und mit der Frage, wie besonders tief liegende Anlagen angegriffen werden könnten.
Satellitenbilder zeigen, dass an dem betreffenden Testgelände bereits Mitte Februar 2026 Erdarbeiten begannen. Die Anlage in White Sands weist dabei eine wesentliche Gemeinsamkeit mit Pickaxe Mountain auf: Auch sie ist in Granitgestein angelegt. CNN konnte allerdings weder unabhängig bestätigen, ob der geplante Test tatsächlich durchgeführt wurde, noch welchem konkreten Zweck die beobachteten Arbeiten dienten. Das Pentagon äußerte sich laut Bericht zunächst nicht zu entsprechenden Anfragen.
Die USA arbeiten parallel an einer neuen Generation bunkerbrechender Waffen. Bereits im September 2025 wurde ein Auftrag für die Entwicklung eines Prototyps eines sogenannten „Next Generation Penetrator“ vergeben. Die neue Bombe soll perspektivisch Ziele erreichen können, die noch tiefer unter der Erde liegen als jene, für die die heutige Massive Ordnance Penetrator ausgelegt ist.
Erfahrungen mit schwer erreichbaren iranischen Nuklearanlagen haben die USA bereits gemacht. Bei Angriffen im Juni 2025 wurden zwar mehrere wichtige Einrichtungen getroffen, doch nach Angaben eines hochrangigen US-Generals konnte eine tief gelegene Anlage bei Isfahan nicht vollständig zerstört werden. Stattdessen wurden dort vor allem die Eingänge verschüttet, weil Zweifel bestanden, dass die eingesetzten bunkerbrechenden Bomben tief genug vordringen könnten.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Pickaxe Mountain strategisch weiter an Bedeutung. Die Kombination aus großer Tiefe, massivem Granitgestein und verstärkten Bauarbeiten macht die Anlage zu einem möglichen Schlüsselstandort des iranischen Nuklearprogramms und gleichzeitig zu einem besonders schwierigen militärischen Ziel. Ob Iran dort tatsächlich Uran anreichern, Zentrifugen montieren oder andere nuklear relevante Arbeiten durchführen will, lässt sich nach den bislang vorliegenden Informationen jedoch nicht abschließend feststellen.
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