Die Opec verliert an Einfluss – und mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) steht nun ein Schwergewicht vor dem Absprung. Der Schritt könnte das Kräfteverhältnis auf dem globalen Ölmarkt nachhaltig verändern.
Die Emirate sind nach Saudi-Arabien und dem Irak der drittgrößte Produzent innerhalb der Opec. Mit dem Austritt würden sie sich von Förderquoten befreien – und könnten deutlich mehr Öl auf den Markt bringen.
KEINE SOFORTIGE ENTSPANNUNG AN DER TANKSTELLE
Für Verbraucher kommt die mögliche Entlastung allerdings nicht sofort. Der Ölpreis bleibt hoch: Die Nordseesorte Brent liegt derzeit bei rund 117 Dollar pro Barrel, Benzinpreise in den USA erreichen ein Vierjahreshoch.
Ein zentraler Grund ist die blockierte Straße von Hormus. Durch die Meerenge werden täglich bis zu zwölf Millionen Barrel transportiert – aktuell ist dieser Fluss massiv gestört. Solange sich daran nichts ändert, bleibt das Angebot knapp.
MEHR ÖL AUS ABU DHABI
Die VAE haben in den vergangenen Jahren kräftig in ihre Förderkapazitäten investiert. Statt der aktuell erlaubten rund 3,2 Millionen Barrel täglich könnten sie nahezu fünf Millionen fördern.
Ein Plus, das etwa ein bis zwei Prozent der weltweiten Nachfrage decken könnte – genug, um langfristig Druck auf die Preise auszuüben.
OPEC VERLIERT AN MACHT
Die Organisation hat bereits mehrere Mitglieder verloren und zählt heute nur noch zwölf Staaten. Ihr Einfluss ist zudem geschrumpft: Die USA sind inzwischen selbst ein bedeutender Ölproduzent, erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung.
Zwar kontrolliert das erweiterte Bündnis Opec+ noch rund 42 Prozent der globalen Produktion. Doch interne Spannungen und Abgänge schwächen die gemeinsame Linie.
PREISKRIEG NICHT AUSGESCHLOSSEN
Sollte die Straße von Hormus wieder geöffnet werden, könnte zusätzliches Öl aus den Emiraten die Märkte fluten. Experten halten sogar einen Preiskampf unter Förderländern für möglich – insbesondere nach einem Ende des Iran-Konflikts.
Die Strategie der Emirate könnte darauf abzielen, sich frühzeitig größere Marktanteile zu sichern.
LANGFRISTIG SINKENDE PREISE MÖGLICH
Vor dem aktuellen Konflikt deutete vieles auf ein Überangebot hin. Steigende Produktion traf auf schwächere Nachfrage. Der jüngste Preisanstieg ist vor allem geopolitisch getrieben.
Langfristig könnte ein geschwächtes Kartell dazu führen, dass Ölpreise weniger kontrollierbar werden – mit tendenziell sinkenden Kosten für Verbraucher.
Bis dahin gilt jedoch: An der Zapfsäule bleibt es vorerst teuer.
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