Herr Högel, derzeit kursieren wieder zahlreiche betrügerische Inkassoschreiben. Was ist das Ziel der Täter?
Die Täter setzen auf Angst. In den Schreiben wird mit Mahnverfahren, Klagen, Gerichtsvollziehern oder hohen Zusatzkosten gedroht. Viele Betroffene zahlen dann aus Panik, obwohl die Forderung frei erfunden ist.
Woran erkennt man ein Fake-Inkasso?
Ein starkes Warnsignal ist eine unbekannte angebliche Forderung, etwa aus Lotterie-, Gewinnspiel- oder Aboverträgen. Häufig sollen Betroffene mehrere hundert oder sogar tausend Euro zahlen. Verdächtig sind auch ausländische Konten, unklare Absender, falsche Kanzleinamen oder die Aufforderung, erst telefonisch Kontakt aufzunehmen.
Warum ist auch ein deutsches Konto kein Entwarnungszeichen?
Weil Betrüger inzwischen auch deutsche Konten nutzen. Ein deutsches IBAN-Konto macht ein Schreiben nicht seriös. Entscheidend ist, ob die Forderung nachvollziehbar ist und ob das Inkassounternehmen tatsächlich registriert ist.
Was sollten Verbraucher tun, wenn sie so ein Schreiben erhalten?
Nicht zahlen. Nicht anrufen. Keine E-Mail schreiben. Keine Einzugsermächtigung erteilen. Wer Kontakt aufnimmt, bestätigt den Tätern oft nur, dass die Adresse aktiv ist. Dann folgen häufig weitere Drohbriefe.
Was ist der richtige nächste Schritt?
Das Schreiben sichern, Umschlag aufbewahren und bei Betrugsverdacht Strafanzeige erstatten. Zusätzlich kann man die Verbraucherzentrale oder einen Anwalt prüfen lassen, ob überhaupt eine echte Forderung besteht.
Aktuell werden auch gefälschte Kanzleischreiben verschickt. Was ist daran besonders gefährlich?
Der Name einer echten oder echt klingenden Kanzlei erzeugt Druck. Manche Schreiben enthalten aber gar keine Bankverbindung, sondern fordern zur Kontaktaufnahme auf. Auch das ist eine Masche. Die Täter wollen am Telefon persönliche Daten, Zahlungsbereitschaft oder Bankinformationen abgreifen.
Was gilt bei angeblichen Lotterie- oder Gewinnspielforderungen?
Besonders vorsichtig sein. Viele Fake-Inkassos behaupten, man habe an einer Lotterie teilgenommen oder ein Abo abgeschlossen. Wer sich daran nicht konkret erinnert und keine Vertragsunterlagen hat, sollte keinesfalls zahlen.
Ihr wichtigster Rat?
Inkassoschreiben immer prüfen, bevor Geld fließt. Seriöse Inkassounternehmen können Forderung, Vertragspartner, Datum und Grundlage exakt benennen. Wer nur Drohungen und Kontodaten liefert, ist meist kein Inkasso – sondern Betrug.
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