Fast zwei Jahre nachdem Harley-Davidson angekündigt hatte, seine Programme für Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) zurückzufahren, sieht sich der traditionsreiche Motorradhersteller erneut mit Kritik aus konservativen Kreisen konfrontiert. Der Aktivist Robby Starbuck wirft dem Unternehmen vor, frühere Zusagen gebrochen zu haben und erneut eine „woke“ Unternehmenspolitik zu verfolgen.
Starbuck, der bereits 2024 einen Boykott gegen Harley-Davidson initiiert hatte, fordert Kunden nun erneut dazu auf, die Marke zu meiden. Damals kritisierte er unter anderem die Unterstützung von LGBTQ-Initiativen sowie Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt und Gleichstellung.
Im Mittelpunkt seiner aktuellen Kritik steht der neue Harley-Davidson-Chef Artie Starrs, der das Unternehmen im Oktober übernommen hat. Starbuck verweist auf dessen frühere Tätigkeiten bei Topgolf und Pizza Hut. Dort habe Starrs unter anderem LGBTQ-Veranstaltungen unterstützt und Programme gegen Rassismus gefördert. Aus Sicht des Aktivisten passen solche Positionen nicht zur traditionellen Markenidentität von Harley-Davidson.
Auch die Ernennung von Marcus Fischer zum Chief Brand Officer stößt bei Starbuck auf Kritik. Fischer war zuvor Chef der Werbeagentur Carmichael Lynch und setzte sich für eine stärkere Repräsentation von Transgender-Personen in der Werbung ein.
Bereits 2024 hatte Harley-Davidson nach einer massiven Social-Media-Kampagne reagiert und erklärt, kein eigenes DEI-Team mehr zu unterhalten, keine Einstellungsquoten anzuwenden und bestimmte Diversitätsziele bei Lieferanten nicht weiterzuverfolgen. Zudem kündigte das Unternehmen an, nicht länger an Rankings teilzunehmen, die die LGBTQ-Freundlichkeit von Unternehmen bewerten.
Starbuck hält diese Maßnahmen inzwischen jedoch für unzureichend. Er kündigte an, in den kommenden Wochen weitere Informationen veröffentlichen zu wollen. Gleichzeitig erklärte er, dass er seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump verstärkt hinter den Kulissen mit Unternehmen über die Rücknahme von DEI-Initiativen verhandle.
Harley-Davidson hat sich zu den neuen Vorwürfen bislang nicht öffentlich geäußert.
Die Debatte zeigt einmal mehr, wie stark die Diskussion um Diversität, Gleichstellung und Inklusion inzwischen Teil der politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen in den USA geworden ist. Unternehmen geraten dabei zunehmend zwischen die Fronten unterschiedlicher gesellschaftlicher Erwartungen.
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