Apples neuester KI-gestützter Sprachassistent Siri hat den Konflikt zwischen dem Tech-Giganten und der Europäischen Union neu entfacht. Am Montag stellte Apple die runderneuerte Siri-Version vor, die offiziell „Siri AI“ heißt. Gleichzeitig äußerte der Konzern „tiefe Enttäuschung“, dass Nutzer in der EU keinen Zugriff auf den Assistenten hätten. Schuld seien die strengen EU-Regeln, so der Vorwurf. Brüssel sieht das jedoch anders und wirft Apple vor, eigene Vorschläge zur Einhaltung der Vorschriften zu umgehen.
Ein Sprecher der EU-Kommission stellte am Dienstag klar: „Es ist Apples alleinige Entscheidung, Siri AI nicht in der EU anzubieten.“ Man stehe zwar im Austausch mit dem Konzern, doch eine Lösung, die den EU-Regeln entspricht, sei bisher nicht erarbeitet worden.
Apple hatte vorgeschlagen, vorübergehend von den Interoperabilitätsregeln des Digital Markets Act (DMA) ausgenommen zu werden, die Drittanbietern den Zugang zu Apples Geräten ermöglichen. „EU-Recht ist nicht verhandelbar“, sagte der Sprecher. „Das ist kein Vorschlag, das ist eine Bitte um Sonderrechte, die wir nicht gewähren können.“
EU fordert Öffnung für Drittanbieter
Der Konflikt um Apples Digitalpraktiken ist nicht neu. Der DMA stuft Apple als „Gatekeeper“ ein, da iPhone und iPad marktbeherrschend sind. Das Gesetz verpflichtet Apple, andere Hersteller gleichberechtigt an seinem Ökosystem teilhaben zu lassen – sei es bei Kopfhörern, Smartwatches oder App-Stores.
Für Apple bedeutet dies eine Gefahr für das eigene Geschäftsmodell. Die nahtlose Integration seiner Geräte gilt als zentraler Verkaufsfaktor, und der App Store ist ein lukratives Standbein. Die Öffnung für alternative Marktplätze könnte den Gewinn erheblich schmälern. Apple warnt, dass eine Öffnung die Sicherheit der Nutzerdaten gefährden würde – doch Kritiker verweisen darauf, dass der Konzern bereits Lösungen für die EU-Regeln umgesetzt hat.
Marktanteile und wirtschaftlicher Druck
Apple hält in der EU rund 40 Prozent Marktanteil bei mobilen Geräten. Das Unternehmen hat daher ein starkes wirtschaftliches Interesse daran, Siri AI in Europa verfügbar zu machen. Doch Brüssel bleibt hart: Vorschläge, die eine Ausnahme von den Regeln verlangen, werden abgelehnt.
Der Streit hat eine lange Vorgeschichte. Schon 2025 kritisierte Apple die EU für den eingeschränkten Zugriff auf neue Funktionen wie Liveübersetzung bei Kopfhörern. Mittlerweile sind diese Funktionen verfügbar. Brüssel hingegen verhängte im vergangenen Jahr eine Strafe von 500 Millionen Euro gegen Apple wegen Verstößen gegen den DMA – gegen die der Konzern Einspruch eingelegt hat.
Übergabe bei Apple und Ausblick
Die neue Siri-Version wurde bei der Entwicklerkonferenz WWDC präsentiert – vermutlich der letzte große Auftritt von CEO Tim Cook. Im September wird John Ternus das Zepter übernehmen. Für ihn dürfte die Einigung mit der EU eine der ersten großen Herausforderungen sein.
Ob Apple eine Lösung findet, die Brüssel akzeptiert, bleibt offen. Fest steht: Ohne Anpassungen drohen Einschränkungen für Siri AI in der EU – und möglicherweise auch ein Einfluss auf den Umsatz des Tech-Giganten.
Kommentar hinterlassen