Nach neuen US-Richtlinien könnten deutlich mehr Erwachsene für eine Behandlung mit Statinen infrage kommen. Einer Studie zufolge wären zusätzlich rund 21,5 Millionen Menschen betroffen. Insgesamt könnten damit etwa 87,5 Millionen US-Amerikanerinnen und -Amerikaner zwischen 30 und 79 Jahren für eine solche Therapie geeignet sein.
Statine senken vor allem das LDL-Cholesterin und sollen Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern. Die neuen Empfehlungen wurden von der American Heart Association, dem American College of Cardiology und weiteren medizinischen Fachgesellschaften veröffentlicht.
Ein wichtiger Unterschied zu den bisherigen Richtlinien ist die größere Altersspanne. Während früher vor allem Menschen zwischen 40 und 75 Jahren untersucht wurden, beginnt die Risikobewertung nun bereits mit 30 Jahren und reicht bis 79.
Zudem wurden die Grenzwerte für das Herz-Kreislauf-Risiko gesenkt. Ein hohes Risiko liegt nun bei einer Wahrscheinlichkeit von mindestens zehn Prozent für eine Erkrankung innerhalb der kommenden zehn Jahre vor. Auch Menschen mit einem mittleren oder grenzwertigen Risiko können für eine Behandlung infrage kommen.
Stärker berücksichtigt werden außerdem Erkrankungen wie Diabetes, fortgeschrittene Nierenschwäche oder HIV. Bei jüngeren Erwachsenen spielt zusätzlich das geschätzte Risiko über 30 Jahre eine Rolle.
Eine grundsätzliche Eignung bedeutet jedoch nicht, dass sofort Medikamente eingenommen werden müssen. Die Entscheidung soll gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt getroffen werden. Dabei werden unter anderem Cholesterinwerte, Alter, Blutdruck, Rauchen, Vorerkrankungen und familiäre Belastungen berücksichtigt.
Zusätzliche Untersuchungen, etwa eine Messung von Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen, können helfen, unklare Fälle besser einzuschätzen.
Statine gelten als gut erforscht und werden von den meisten Menschen vertragen. Mögliche Nebenwirkungen sind Muskelschmerzen oder ein leicht erhöhtes Diabetesrisiko. Bei Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko überwiegt der Nutzen jedoch meist.
Unabhängig von Medikamenten bleiben Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Nichtrauchen, ein gesundes Gewicht sowie die Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker entscheidend. Die neuen Richtlinien sollen vor allem dazu beitragen, Risiken früher zu erkennen und die Behandlung stärker an die persönliche Situation anzupassen.
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