Ein besonders ungewöhnliches Autohaus soll jahrelang Fahrzeuge verkauft haben, obwohl weder ein Verkaufsplatz noch Autos vorhanden waren. Dafür gab es offenbar drei wichtige Zutaten: fremde Fahrzeugbilder, sehr günstige Preise und Käufer, die leider zu früh überwiesen.
Nach Angaben der Polizei sollen zwei Frauen aus Warnemünde gemeinsam mit einem 44-jährigen Mann rund 130.000 Euro erbeutet haben. Der mutmaßliche Organisator sitzt allerdings nicht in einem schicken Büro mit Ledersesseln und Schlüsselkästen, sondern seit 2016 in einem Berliner Gefängnis.
Das soll ihn nicht davon abgehalten haben, seit etwa dreieinhalb Jahren im Internet als ausgesprochen günstiger Autoverkäufer aufzutreten. Die angebotenen Fahrzeuge gehörten ihm nach Angaben der Ermittler allerdings nie. Man könnte sagen: Der Mann verfügte über ein großes virtuelles Fahrzeuglager – nur leider ohne Fahrzeuge.
Die benötigten Bilder und Fahrzeugdaten soll er sich bei echten Verkäufern besorgt haben. Dafür meldete er sich offenbar zunächst selbst als angeblicher Kaufinteressent. Sobald Fotos und Informationen vorlagen, wechselte das Auto kurzerhand den Besitzer – zumindest im Internet und ohne Wissen des tatsächlichen Eigentümers.
Die vermeintlichen Käufer sahen attraktive Fahrzeuge zu Preisen, bei denen selbst der Gebrauchtwagenhändler um die Ecke nervös geworden wäre. Wer sich das Schnäppchen sichern wollte, sollte offenbar vorab bezahlen. Nach der Überweisung folgte jedoch weder eine Fahrzeugübergabe noch die feierliche Überreichung eines Autoschlüssels.
Das Geld soll stattdessen an die beiden mutmaßlichen Komplizinnen aus Warnemünde geflossen sein. Eine 56-jährige Frau wurde bereits festgenommen. Gegen eine 84-Jährige wird noch ermittelt. Wie genau das Trio miteinander kommuniziert haben soll, ist bislang unklar. Vielleicht per Telefon, Brief oder über das streng geheime Händlerportal „Knastwagen24“ – Letzteres ist selbstverständlich reine Satire.
Der Polizei sind derzeit 49 mutmaßliche Betrugsfälle bekannt. Die tatsächliche Zahl könnte jedoch noch steigen. Das virtuelle Autohaus hatte offenbar mehr Kundschaft, als man einem Betrieb ohne ein einziges eigenes Fahrzeug zutrauen würde.
Die Polizei rät deshalb zu besonderer Vorsicht, wenn ein Auto im Internet deutlich günstiger angeboten wird als vergleichbare Fahrzeuge. Ein Preis, der zu schön klingt, um wahr zu sein, ist häufig genau das: zu schön, um wahr zu sein.
Vor einer Überweisung sollten Käufer das Fahrzeug persönlich besichtigen und die dazugehörigen Papiere prüfen. Ein Foto von einem glänzenden Auto ist schließlich noch kein Beweis dafür, dass der Verkäufer das Fahrzeug tatsächlich besitzt.
Auch Zeitdruck sollte misstrauisch machen. Sätze wie „Sie müssen sofort überweisen, sonst holt es in zehn Minuten jemand anderes“ sind selten ein Zeichen für außergewöhnlichen Kundenservice.
Lehnt der Verkäufer außerdem ein persönliches Treffen ab, findet immer neue Ausreden oder möchte das Auto ausschließlich gegen Vorkasse aus der Ferne verkaufen, empfiehlt sich ein einfacher Grundsatz:
Erst das Auto sehen, dann die Papiere prüfen und ganz zum Schluss bezahlen.
Denn ein Fahrzeug, das nur auf dem Bildschirm existiert, fährt zwar besonders sparsam – bringt den Käufer aber leider keinen Meter weit.
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