Als Fußballfan lernt man ja früh: Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten und beim DFB dauert jede Reform ungefähr drei Legislaturperioden.
Aktuell geht es um die Regionalligen. Davon gibt es fünf, aber nur vier Aufsteiger in die 3. Liga. Das ist ungefähr so, als würden fünf Mannschaften ein Finale gewinnen und eine davon bekommt gesagt: „Tolle Saison, aber der Bus nach oben ist leider voll.“
Eigentlich sollte alles einfacher werden. Vier Regionalligen, vier Meister, vier Aufsteiger. Klingt logisch. Genau deshalb wurde es kompliziert.
Bei der Abstimmung lag das sogenannte Kompassmodell bundesweit vorne. Im Westen, Norden und Nordosten bekam es klare Mehrheiten. Insgesamt kam es auf 50,9 Prozent. In einer normalen Welt wäre das ein Sieg. Im Verbandsfußball bedeutet Mehrheit allerdings nur: nette Anregung.
Plötzlich hieß es, alle Regionen müssten dasselbe Modell wollen. Bayern wollte lieber neue Modelle erfinden, der Südwesten sein eigenes behalten – und schon war der Kompass zwar vorhanden, zeigte aber zuverlässig Richtung Stillstand.
Kein Wunder, dass die Fans die Nase voll haben. Mindestens 47 Ultra-Gruppen kündigen Proteste an. Im Nordosten streikten zum Saisonstart sogar alle 18 Klubs für einige Minuten. Kein Ball rollte. Vermutlich die effizienteste Sitzung, die diese Reform bisher erlebt hat.
Besonders kreativ waren die Fans von Lok Leipzig. Sie warfen kleine Meisterpokale aufs Feld. Die Botschaft: Ein Titel ohne Aufstieg ist ungefähr so wertvoll wie ein Biergutschein im Gästeblock nach Abpfiff.
Auch die Bayern-Fans legten mit einer großen Choreografie nach. DFB-Präsident Bernd Neuendorf stand dabei sinnbildlich neben einem umgepolten Kompass. Passender kann man die Lage kaum darstellen: Alle wissen, wo es hingehen soll, nur die Verbände drehen noch am Magneten.
Jetzt drohen Proteste in Bundesliga, 2. Liga und DFB-Pokal. Banner, Spielunterbrechungen und harmlose Wurfgeschosse gelten als wahrscheinlich.
Und ehrlich: Vielleicht muss es so sein. Denn offenbar verstehen Funktionäre erst dann, dass es brennt, wenn im Stadion Tausende gleichzeitig darauf hinweisen.
Die einfachste Lösung bleibt übrigens erstaunlich radikal: Wer Meister wird, steigt auf.
Aber Vorsicht – das wäre ja sportlich.
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