Der Krieg im Nahen Osten zieht immer weitere Kreise – militärisch, wirtschaftlich und politisch. Während die iranische Revolutionsgarde offen mit Angriffen auf Niederlassungen großer US-Technologiekonzerne droht, sorgt die Entführung einer amerikanischen Journalistin in Bagdad für neue Alarmstimmung. Zugleich bereitet sich die Europäische Union auf eine lang anhaltende Energiekrise vor. Auch innenpolitisch in den USA sorgt Präsident Donald Trump mit einem umstrittenen Dekret zur Briefwahl für neue Kontroversen.
Revolutionsgarde droht mit Angriffen auf US-Tech-Konzerne
Die iranische Revolutionsgarde hat mit Angriffen auf Niederlassungen großer US-Unternehmen in der Region gedroht, sollte es zu weiteren gezielten Tötungen führender Vertreter der iranischen Führung kommen.
In einer Erklärung hieß es, Niederlassungen von Konzernen wie:
- Apple
- Meta
- Cisco
- HP
- Intel
- Nvidia
- Tesla
- Boeing
müssten „ab 20.00 Uhr Ortszeit Teheran mit der Zerstörung ihrer Einrichtungen rechnen“, falls weitere iranische Führungspersönlichkeiten getötet würden.
Zugleich rief die Revolutionsgarde die Mitarbeiter dieser Unternehmen dazu auf, ihre Arbeitsplätze „umgehend zu verlassen, um ihr Leben zu retten“. Auch Bewohner in einem Radius von einem Kilometer rund um die betroffenen Standorte in Iran und der Region wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.
Die Erklärung listet insgesamt 18 Unternehmen auf, denen eine Beteiligung an der „gezielten Ermordung“ iranischer Spitzenvertreter vorgeworfen wird.
Hintergrund der Eskalation
Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen auf Iran begonnen. Bereits am ersten Kriegstag wurden laut Berichten der oberste geistliche Führer Ajatollah Ali Chamenei sowie weitere hochrangige Vertreter der iranischen Führung getötet. Seither hat sich die Lage in der Region massiv zugespitzt.
Die Drohung gegen zivile Unternehmensstandorte markiert eine weitere gefährliche Eskalationsstufe, weil sie wirtschaftliche Infrastruktur und zivile Beschäftigte unmittelbar in den Fokus rückt.
Amerikanische Journalistin in Bagdad entführt
Parallel dazu sorgt die Entführung einer ausländischen Journalistin im Irak für Besorgnis. Das irakische Innenministerium teilte laut Nachrichtenagentur INA mit, dass die Frau am Abend in Bagdad von Unbekannten entführt worden sei.
Zwar nannten die Behörden zunächst keinen Namen, doch ein Vertreter des US-Außenministeriums bestätigte auf der Plattform X, dass Washington von der Entführung einer amerikanischen Journalistin Kenntnis habe.
Die USA arbeiten nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem FBI und irakischen Behörden an einer „schnellstmöglichen Freilassung“.
Verdacht gegen proiranische Miliz
Besonders brisant: Nach Angaben des US-Außenministeriums wurde bereits eine Person mit Verbindungen zur dem Iran nahestehenden Miliz Kataib Hisbollah festgenommen, die mutmaßlich an der Entführung beteiligt gewesen sein soll.
Auch das irakische Innenministerium bestätigte, dass bei ersten Fahndungsmaßnahmen ein mutmaßlicher Entführer festgenommen worden sei. Weitere Ermittlungen liefen, um die Journalistin zu befreien und mögliche Komplizen ausfindig zu machen.
Das US-Außenministerium bekräftigte zugleich seine Warnung an amerikanische Staatsbürger:
- Nicht in den Irak reisen
- Bereits im Land befindliche US-Bürger sollen es umgehend verlassen
Die Entführung zeigt, wie stark sich die Sicherheitslage in der Region durch den Krieg verschlechtert hat – und wie schnell auch Journalisten und Zivilisten ins Visier geraten können.
EU bereitet sich auf eine lange Energiekrise vor
Auch wirtschaftlich wächst der Druck. Die Europäische Union stellt sich angesichts der Zerstörung wichtiger Energieinfrastruktur im Nahen Osten auf eine langwierige Versorgungskrise ein.
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen machte nach einer Videokonferenz der Energieminister deutlich, dass niemand mit einer raschen Entspannung rechnen sollte.
„Niemand weiß, wie lange die Krise dauern wird. Aber es ist wichtig zu betonen, dass sie nicht kurz sein wird.“
Selbst wenn der Krieg „morgen“ enden sollte, werde Europa „auf absehbare Zeit nicht zur Normalität zurückkehren“, sagte Jørgensen.
Weniger Diesel, weniger Kerosin, weniger Verbrauch
Besonders betroffen seien derzeit:
- Diesel
- Flugbenzin (Kerosin)
Auf den Weltmärkten sei bereits eine deutliche Verknappung zu beobachten. Jørgensen rief die Mitgliedstaaten deshalb dazu auf, die Nachfrage nach Treibstoffen aktiv zu senken.
„Je mehr man tun kann, um Öl, insbesondere Diesel und Flugbenzin, einzusparen, desto besser sind wir dran.“
Die EU-Kommission arbeitet nach eigenen Angaben bereits an einem Maßnahmenpaket, das „ziemlich bald“ vorgelegt werden soll. Die Staats- und Regierungschefs hatten Brüssel bereits Mitte März aufgefordert, gezielte und befristete Krisenmaßnahmen auszuarbeiten.
Trump verschärft innenpolitisch den Streit um Briefwahl
Während außenpolitisch Krieg und Energiekrise dominieren, sorgt Präsident Donald Trump in den USA auch innenpolitisch für neuen Streit. Im Vorfeld der wichtigen Zwischenwahlen zum US-Kongress im November unterzeichnete Trump ein Dekret zur Erschwerung der Briefwahl.
Bei der Unterzeichnung wiederholte der Präsident seine seit Jahren vorgetragene Behauptung, die in den USA weit verbreitete Briefwahl sei besonders anfällig für Wahlbetrug.
Keine Belege für Trumps Behauptungen
Für diese Behauptung gibt es jedoch keine belastbaren Beweise. Zahlreiche Bundesstaaten nutzen die Briefwahl seit Jahren regulär, in einigen ist sie sogar Standard.
Demokratieorganisationen warnen, dass eine Einschränkung der Briefwahl insbesondere folgende Gruppen treffen würde:
- Menschen mit Behinderungen
- ältere Wählerinnen und Wähler
- Berufstätige mit eingeschränkter Mobilität
- Personen in ländlichen Regionen
Trump hatte die Briefwahl bereits nach seiner Niederlage 2020 wiederholt als angebliche Betrugsquelle dargestellt. Zuletzt hatte er sogar angekündigt, sie „abschaffen“ zu wollen.
Juristische Auseinandersetzung gilt als sicher
Ob Trump überhaupt die rechtliche Kompetenz hat, eine solche Regelung per Dekret durchzusetzen, ist derzeit offen. Eine gerichtliche Anfechtung gilt als nahezu sicher. Beobachter gehen davon aus, dass die Frage letztlich vor dem Obersten Gerichtshof der USA landen könnte.
Fazit
Die Entwicklungen zeigen, wie weitreichend der Krieg im Nahen Osten inzwischen wirkt:
- Iran droht erstmals offen mit Angriffen auf zivile Standorte internationaler Konzerne
- eine amerikanische Journalistin wird im Irak entführt
- Europa bereitet sich auf eine lang anhaltende Energiekrise vor
- und in den USA verschärft Trump parallel den innenpolitischen Konflikt um das Wahlsystem
Die Fronten verlaufen längst nicht mehr nur entlang klassischer Militärlinien.
Sie reichen inzwischen von Öl- und Lieferketten über Technologieunternehmen bis tief in die innenpolitischen Debatten westlicher Demokratien hinein.
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