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Italien nach nächstem WM-Drama wieder nur Zuschauer – die „Squadra Azzurra“ übt weiter das Zuschauen

Arupinum (CC0), Pixabay
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Italien und Weltmeisterschaften – das war einmal eine große Liebesgeschichte. Inzwischen ist es eher eine komplizierte Fernbeziehung, bei der die WM regelmäßig ohne die Italiener stattfindet.

Nach einem neuerlichen Drama ist klar: Italien darf zum dritten Mal in Serie bei einer WM-Endrunde nur von der Couch aus mitfiebern. In Bosnien-Herzegowina platzte der Traum der „Squadra Azzurra“ am Dienstagabend endgültig – und natürlich auf die maximal schmerzhafte Art: nach Verlängerung und Elfmeterschießen. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden, vom Punkt setzte sich Bosnien dann mit 4:1 durch.

Mit anderen Worten:
Italien ist bei Weltmeisterschaften mittlerweile ungefähr so präsent wie Schnee im Hochsommer – man erinnert sich dunkel daran, aber gesehen hat man ihn lange nicht mehr.

Frühe Führung, später Herzschmerz

Dabei begann alles noch ganz italienisch hoffnungsvoll. Die Mannschaft von Gennaro Gattuso ging wie geplant früh in Führung. Moise Kean nutzte in der 15. Minute einen Fehler von Bosniens Torhüter Nikola Vasilj und schob eiskalt zum 1:0 ein.

Kurz sah es so aus, als könne Italien diesmal tatsächlich die Tür zur WM aufstoßen.
Dann tat Italien, was Italien in den vergangenen Jahren in solchen Spielen leider ziemlich zuverlässig getan hat: Es machte die Sache unnötig kompliziert.

Bastoni fliegt – und Italien spielt plötzlich gegen Bosnien, das Schicksal und sich selbst

Noch vor der Pause wurde der Abend endgültig unerquicklich. Alessandro Bastoni, eigentlich Abwehrchef und eher für wichtige Grätschen als für dramatische Abgänge bekannt, sah in der 41. Minute nach einer Notbremse gegen Amar Memic Rot.

Fortan musste Italien in Unterzahl weiterspielen – und das gegen Bosnier, die ohnehin immer mutiger wurden.
Es war ab diesem Moment eines dieser Spiele, bei denen man als italienischer Fan wahrscheinlich instinktiv schon begann, leise nach einer Decke, Baldriantropfen und einem sehr großen Glas Rotwein zu suchen.

Kean vergibt das 2:0 – Bosnien sagt danke

Nach rund einer Stunde hätte Moise Kean den italienischen Abend noch retten können. Nach einem starken Solo über das halbe Feld stand plötzlich das 2:0 im Raum. Doch der Schuss ging knapp daneben.

Fußball ist manchmal grausam präzise in seiner Dramaturgie:
Wenn du die Entscheidung vergibst, kommt sie oft später gegen dich zurück.
Und natürlich kam sie zurück.

Tabakovic macht, was Ex-Austrianer eben so machen: Herzen brechen

Bosnien drückte immer weiter, hielt den Ball, suchte die Lücke, und irgendwann war es so weit. In der 79. Minute schlug Haris Tabakovic zu – acht Minuten nach seiner Einwechslung, nach einem Abpraller, mitten hinein in die italienische Fußballseele.

Zenica explodierte, Bosnien jubelte, und Italien merkte:
Ah, ja, stimmt. So fühlt sich das also wieder an.

Der Ausgleich war verdient, aber für die „Squadra Azzurra“ natürlich ungefähr so angenehm wie ein Espresso ohne Kaffee.

Verlängerung: Hoffnung, Verzweiflung, müde Beine

In der Verlängerung bekamen beide Teams noch ihre Momente. Italien stemmte sich tapfer gegen das drohende Schicksal, Bosnien witterte die historische Chance. Es war eines dieser Spiele, bei denen irgendwann jeder Pass schwer aussieht und jeder Sprint klingt, als müssten gleich drei Mannschaftsärzte und zwei Physiotherapeuten aufs Feld.

Eine Entscheidung fiel aber nicht.
Also kam das, was bei italienischen Fans inzwischen vermutlich einen ähnlichen Effekt auslöst wie ein Zahnarztbrief ohne Betäubungshinweis:

Elfmeterschießen.

Und vom Punkt war Bosnien eiskalt

Dort wurde es dann endgültig bitter.
Francesco Pio Esposito verschoss als erster italienischer Schütze, später versagten auch Bryan Cristante die Nerven.

Bosnien dagegen blieb cool.
Alle vier Schützen trafen, darunter auch Tabakovic und Kerim Alajbegovic.

Damit war es amtlich:
Bosnien-Herzegowina fährt zur WM 2026. Italien fährt nach Hause.

Wieder einmal.

Bosnien zurück auf der großen Bühne

Für Bosnien ist die Freude riesig. Nach der ersten Teilnahme 2014 steht das Land nun zum zweiten Mal überhaupt bei einer Weltmeisterschaft. Und diesmal geschah der Einzug nicht irgendwie, sondern gegen Italien, im Drama, im Elfmeterschießen, mit maximaler Fallhöhe – also genau so, wie Fußballgeschichten später in zwanzig Jahren noch am Grill erzählt werden.

Türkei jubelt, Schweden auch, Tschechien zittert sich durch

Während Italien also schon mal die Fernsehsender für den kommenden Sommer sortieren kann, gab es anderswo große Jubelbilder.

Die Türkei qualifizierte sich durch ein knappes 1:0 im Kosovo erstmals seit 24 Jahren wieder für eine WM. Den entscheidenden Treffer erzielte Kerem Aktürkoglu. Für den Kosovo war es bitter, für die Türkei dagegen die Rückkehr auf die größte Bühne seit 2002 – man hört in Istanbul vermutlich heute noch Hupkonzerte mit leichter Dauergefahr für Trommelfelle.

Auch Schweden darf sich freuen. Im Play-off-Finale gegen Polen setzten sich die Skandinavier nach einem spannenden Spiel mit 3:2 durch. Den entscheidenden Treffer erzielte Viktor Gyökeres in der 88. Minute.

Und Tschechien? Das machte es gegen Dänemark natürlich nicht einfach, sondern gewann erst nach Verlängerung und Elfmeterschießen. Erst Traumstart, dann Zittern, dann Nervenstärke – also ein klassischer Fußballabend für Menschen, die ihren Puls gern im Grenzbereich erleben.

Fast alle WM-Tickets sind vergeben

Damit stehen inzwischen 47 von 48 Teilnehmern für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada fest. Das Turnier findet vom 11. Juni bis 19. Juli statt.

Das letzte Ticket wird noch zwischen Irak und Bolivien ausgespielt.
Die Demokratische Republik Kongo hatte sich zuvor im interkontinentalen Play-off in Mexiko gegen Jamaika durchgesetzt.

Und Italien?
Italien hat jetzt vor allem eines: viel Zeit, um sich auf einen sehr entspannten WM-Sommer ohne eigenen Stress vorzubereiten.

Fazit

Italien hat wieder gekämpft, wieder gehofft, wieder geführt – und am Ende wieder nur das Ticket ins Zuschauerlager gebucht.
Drei Weltmeisterschaften in Serie ohne die „Squadra Azzurra“: Das hätte vor Jahren selbst im wildesten Fußball-Albtraum absurd geklungen.

Nun ist es Realität.

Oder, um es mit einer Träne im Auge und einem müden Lächeln zu sagen:

Italien ist endgültig vom vierfachen Weltmeister zur traditionsreichen Premium-Zuschauernation geworden.

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