Ein paar Sätze in sozialen Netzwerken haben für zahlreiche Menschen in den USA dramatische Folgen gehabt: Nach dem tödlichen Anschlag auf den konservativen Aktivisten Charlie Kirk im September 2025 verloren Hunderte Beschäftigte ihre Jobs oder wurden suspendiert, weil sie sich kritisch, spöttisch oder ablehnend über Kirk geäußert hatten.
Einer von ihnen ist der Sportjournalist Gerald Bourguet. Kurz vor Kirks Tod schien sein Leben perfekt: neues Haus, ein wenige Monate alter Sohn und ein Vollzeitjob als Basketballautor. Stunden nach dem Anschlag bezeichnete Bourguet Kirk jedoch in mehreren Beiträgen als einen „bösen Mann“ und kritisierte dessen politische Positionen. Die Beiträge verbreiteten sich rasant. Kurz darauf verlor Bourguet seine Arbeit, seine Privatadresse wurde öffentlich gemacht und er erhielt Drohnachrichten. Aus Angst um die Sicherheit der Familie verließ er schließlich mit Frau und Kind den Bundesstaat.
Bourguet war kein Einzelfall. Nach einer Reuters-Zählung gab es bis November 2025 mehr als 600 bekannte Fälle, in denen Menschen wegen Äußerungen zu Kirk entlassen oder anderweitig sanktioniert wurden. Die tatsächliche Zahl könnte noch höher liegen.
Der Druck kam dabei teilweise direkt aus der Politik. US-Vizepräsident JD Vance forderte öffentlich dazu auf, Menschen zu melden, die Kirks Ermordung feierten – und notfalls deren Arbeitgeber zu kontaktieren. Vertreter der politischen Linken warfen den Republikanern daraufhin Doppelmoral vor, da viele Konservative zuvor jahrelang gegen die sogenannte „Cancel Culture“ protestiert hatten.
Die Konsequenzen trafen Beschäftigte unterschiedlichster Branchen. Eine Professorin in Tennessee wurde zunächst suspendiert und später entlassen, nachdem sie geschrieben hatte, die Welt sei ohne Kirk besser dran. Eine Flugbegleiterin verlor nach einem abfälligen Kommentar ihren Job. Ein Mitarbeiter eines Büroartikelhändlers wurde entlassen, weil er sich geweigert hatte, Flugblätter für eine Gedenkveranstaltung zu drucken. Andere verloren ihre Arbeit sogar, obwohl sie Kirk nicht direkt kommentiert hatten, sondern lediglich frühere Aussagen von ihm über Waffenbesitz oder Waffengewalt teilten.
Inzwischen hat sich ein Teil der Fälle vor Gericht gewendet – teilweise mit enormen Entschädigungen. Die Biologin Brittney Brown erhielt nach ihrer Kündigung einen Vergleich über 485.000 Dollar. Ein zuvor entlassener Universitätsprofessor wurde wieder eingestellt und bekam zusätzlich 500.000 Dollar. Die Universität von Tennessee zahlte einer Anthropologin sogar 1,9 Millionen Dollar, nachdem sie wegen eines kritischen Kommentars über Kirk gekündigt worden war.
Juristisch spielt dabei eine entscheidende Rolle, ob die Betroffenen für staatliche Einrichtungen oder private Unternehmen arbeiteten. Beschäftigte öffentlicher Institutionen können sich eher auf den Schutz der Meinungsfreiheit berufen. In der Privatwirtschaft gelten dagegen häufig sogenannte „at-will“-Arbeitsverträge, bei denen Arbeitnehmer grundsätzlich auch ohne Angabe eines bestimmten Grundes entlassen werden können.
Für Gerald Bourguet änderte eine solche Debatte wenig. Ein Jahr später kämpft er noch immer darum, beruflich wieder Fuß zu fassen. Er betreibt inzwischen einen eigenen Podcast und denkt sogar darüber nach, die USA zu verlassen.
Trotz aller Folgen bereut er seine Äußerungen nicht grundsätzlich.
Er bedauere vor allem, was danach mit seiner Karriere, seiner Familie und seinem Sohn passiert sei. An seiner damaligen Haltung habe sich jedoch nichts geändert.
Der Fall zeigt, wie tief die politische Spaltung in den USA inzwischen reicht: Ein einzelner Social-Media-Beitrag kann nicht nur eine öffentliche Debatte auslösen, sondern innerhalb weniger Stunden Beruf, Einkommen und Privatleben eines Menschen grundlegend verändern.
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