Donald Trump hat wieder einen Plan. Und wie so oft beginnt er mit einem Zoll, endet mit einem noch größeren Zoll und dazwischen soll die amerikanische Industrie offenbar spontan neue Fabriken aus dem Boden stampfen.
Der US-Präsident kündigte an, Generikamedikamente aus dem Ausland zunächst weiterhin zollfrei in die Vereinigten Staaten zu lassen. Das klingt überraschend moderat, hält aber nur bis der eigentliche Trump-Teil des Plans beginnt.
Ab August 2026 sollen Generika für zwei weitere Jahre mit null Prozent Zoll eingeführt werden können. Danach soll der Satz auf 100 Prozent steigen und ein Jahr später sogar auf 200 Prozent.
Das Prinzip ist einfach: Erst bleibt alles billig, dann wird es teuer und anschließend so teuer, dass vermutlich selbst die Tabletten Kopfschmerzen bekommen.
Trump will damit die Produktion von Generika in die USA zurückholen. Seine wirtschaftspolitische Zauberformel lautet offenbar: Wenn eine Fabrik nicht freiwillig kommt, wird der Import eben so lange verzollt, bis sie aus Angst eine Niederlassung in Ohio eröffnet.
Ob das praktisch funktioniert, ist eine andere Frage. Aber praktische Fragen haben bei großen Ankündigungen bekanntlich die unangenehme Eigenschaft, die Stimmung zu verderben.
Der Schweizer Generikahersteller Sandoz reagierte entsprechend vorsichtig. Es sei noch zu früh, die Auswirkungen zu bewerten, weil wichtige Einzelheiten fehlten.
Übersetzt aus der Konzernsprache heißt das ungefähr: Wir haben die Ankündigung gelesen, verstehen den Plan aber noch nicht und hoffen, dass es dem Präsidenten ähnlich geht.
Für Sandoz ist der amerikanische Markt alles andere als nebensächlich. Ein erheblicher Teil des Konzernumsatzes wird in Nordamerika erzielt. Entsprechend dürfte man in der Firmenzentrale nun sehr genau beobachten, ob aus der Zollidee tatsächlich eine Regelung wird oder nur der nächste besonders laute Beitrag auf Truth Social.
Analysten zeigen sich ebenfalls skeptisch. Zwar gebe es in den USA freie Produktionskapazitäten, diese reichten jedoch nicht annähernd aus, um den gesamten Bedarf zu decken.
Das könnte daran liegen, dass Generika in Amerika zwar fast überall verschrieben, aber nur zu einem sehr kleinen Teil dort produziert werden. Rund 90 Prozent der verordneten Medikamente sind Nachahmerpräparate, während nur ein Bruchteil der großen Wirkstofffabriken in den Vereinigten Staaten steht.
Trump möchte also einen riesigen Markt innerhalb weniger Jahre heimholen. Das ist ungefähr so, als würde man ankündigen, ab übermorgen sämtliche Bananen in Alaska anzubauen.
Hinzu kommt: Generika werden mit niedrigen Gewinnmargen hergestellt. Die Produktion in die USA zu verlagern wäre teuer, aufwendig und für viele Unternehmen kaum rentabel.
Die mögliche Folge könnte daher weniger „Made in America“ und mehr „Paid by American Patients“ lauten.
Denn wenn sich Medikamente durch Zölle verteuern, verschwindet der Preisaufschlag nicht im pharmazeutischen Bermuda-Dreieck. Irgendjemand bezahlt ihn. Vermutlich Patienten, Versicherungen oder der Staat – also am Ende wieder Menschen, denen man vorher erklärt hatte, Zölle würden ausschließlich das Ausland treffen.
Doch Trump bleibt seiner Linie treu: Wo ein wirtschaftliches Problem auftaucht, wird ein Zoll darübergelegt. Funktioniert es nicht, wird der Zoll erhöht.
Erst 100 Prozent, dann 200 Prozent – und danach vielleicht die direkte Beschlagnahmung jeder ausländischen Kopfschmerztablette am Flughafen.
Mr. Zoll President hat gesprochen.
Jetzt muss nur noch jemand die Fabriken bauen.
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