Na wunderbar. Fortuna Düsseldorf spielt künftig im Bayern-Trikot.
Gut, ein bisschen weniger Blau, dafür mehr Rot, altes Wappen, Adidas-Trefoil und dieser herrlich nostalgische Look, bei dem man sofort das Gefühl bekommt, gleich läuft irgendwo Mehmet Scholl durchs Bild. Unser neues Auswärtstrikot sieht tatsächlich fast genauso aus wie das neue Shirt des FC Bayern.
Nur eben in sympathisch.
Als Fortuna-Fan muss man das erst einmal verdauen. Wir sind gerade in die 3. Liga abgestiegen, während die Bayern vermutlich wieder darüber diskutieren, ob eine Saison ohne fünf Titel bereits als strukturelle Krise gilt. Und ausgerechnet jetzt bekommen beide Vereine dasselbe Grunddesign.
Adidas nennt das wahrscheinlich „Retro-Kollektion“. Der gemeine Fan nennt es: Vorlage geöffnet, Farben geändert, fertig.
Aber ehrlich gesagt: Das Trikot sieht großartig aus. Weiß, rote Streifen, roter Kragenrand, altes Fortuna-Wappen – genau die richtige Mischung aus Tradition, Stil und der leisen Hoffnung, dass sich die Spieler darin vielleicht ebenfalls daran erinnern, dass dieser Verein einmal Fußball konnte.
In den sozialen Netzwerken wird das Shirt bereits als eines der schönsten Fortuna-Trikots der vergangenen Jahre gefeiert. Das ist erfreulich. Schließlich braucht man nach einem Abstieg dringend etwas, worüber man sich freuen kann. Andere Vereine präsentieren neue Stars. Wir präsentieren Nähte, Kragen und historische Logos.
Jeder hat eben seine Transferstrategie.
Dass Bayern dasselbe Design trägt, könnte man natürlich als modische Beleidigung auffassen. Campino dürfte bereits überprüfen, ob sich der alte Text von „Bayern“ um eine zusätzliche Strophe ergänzen lässt:
„Wir würden nie zum FC Bayern München gehen –
doch leider tragen wir jetzt deren Trikotdesign.“
Andererseits sollten wir die Sache positiv sehen. Vielleicht ist es ein gutes Omen. Wenn Fortuna schon aussieht wie Bayern, könnte sie vielleicht gelegentlich auch so spielen. Nicht gleich Champions League. Wir wollen ja realistisch bleiben. Aber ein kontrollierter Spielaufbau, drei Pässe zum eigenen Mann und eine Ecke, die nicht direkt beim gegnerischen Torwart landet, wären ein Anfang.
Vielleicht überträgt sich über das Trikot ein wenig Siegermentalität. Eventuell steckt in den roten Adidas-Streifen eine geheime Meisterschaftsenergie. Möglicherweise denkt der Gegner beim Anblick des Shirts für zwei Sekunden, er spiele wirklich gegen Bayern.
Diese zwei Sekunden müssen wir nutzen.
Bis der Gegner merkt: Moment mal, da vorne steht gar nicht Harry Kane.
Natürlich gibt es einen kleinen Unterschied. Bayern trägt im gleichen Design marineblaue Akzente. Fortuna verzichtet darauf. Vermutlich weil Blau in Düsseldorf ohnehin als Warnfarbe gilt.
So gesehen hat Adidas alles richtig gemacht. Beide Vereine erhalten Retro-Charme, alte Wappen und traditionsbewusste Optik. Bayern erinnert sich an seine erfolgreichen Jahre. Fortuna hoffentlich ebenfalls.
Vielleicht ist das Shirt also tatsächlich ein Zeichen. In den vergangenen Jahren liefen bei uns schließlich genug Spieler herum, deren Leistungen sich nur schwer mit ihrem Trikotpreis rechtfertigen ließen. Nun bekommen wir wenigstens ein Dress, das nach großer Fußballgeschichte aussieht.
Und wer weiß: Vielleicht beginnt damit der Wiederaufstieg.
Erst das Bayern-Design, dann die Bayern-Mentalität und irgendwann womöglich wieder Fußball oberhalb der 3. Liga. Man soll die Erwartungen nicht übertreiben, aber Träumen ist derzeit immerhin noch kostenlos.
Sollte die Saison erfolgreich verlaufen, wird man später sagen: Es begann mit diesem Trikot.
Sollte sie schiefgehen, war es natürlich nur eine einfallslose Adidas-Schablone.
So oder so: Das Ding sieht gut aus. Und nach dem Abstieg ist das immerhin schon mehr, als man über die vergangene Saison sagen kann.
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